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Sarah K., 34
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Mirtazapin ist ein Antidepressivum mit ungewöhnlichem Profil und besonders geeignet bei Depressionen mit Schlafstörungen und Appetitverlust. Etwa jeder fünfte Erwachsene erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Depression, viele davon mit gestörtem Schlaf und Gewichtsverlust. Anders als SSRI wirkt Mirtazapin abends schnell schläfrig und verursacht kaum sexuelle Nebenwirkungen - der Preis dafür ist eine häufig spürbare Gewichtszunahme.
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Mirtazapin abends einnehmen. Antidepressive Wirkung nach 2-6 Wochen, Schlaf-Effekt oft sofort. Niemals abrupt absetzen. Bei Fieber/Halsschmerzen Blutbild prüfen (Agranulozytose). Stand: Mai 2026.
Mirtazapin ist ein Antidepressivum mit einem ganz eigenen Profil - es wirkt schlaffördernd und appetitsteigernd und hat kaum sexuelle Nebenwirkungen. Im Folgenden die wichtigsten Eckdaten zur schnellen Orientierung; die einzelnen Punkte werden in den folgenden Kapiteln ausführlich erklärt.
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Wirkstoff | Mirtazapin - Antidepressivum aus der Gruppe der NaSSA (noradrenerge und spezifisch serotonerge Antidepressiva) |
| Handelsnamen | Remergil, Mirtazapin-Generika; auch als Schmelztablette |
| ATC-Code | N06AX11 - andere Antidepressiva |
| Wirkmechanismus | Blockade von Alpha-2-, 5-HT2-, 5-HT3- und Histamin-Rezeptoren - steigert indirekt die Noradrenalin- und Serotonin-Freisetzung; Histamin-Blockade erklärt Sedierung und Appetitsteigerung |
| Hauptindikation | Depression - besonders bei begleitenden Schlafstörungen und Appetit-/Gewichtsverlust |
| Übliche Dosis | 15-45 mg einmal täglich, abends; Maximaldosis 45 mg/Tag |
| Wirkeintritt | Schlafförderung oft in der ersten Nacht; antidepressive Wirkung nach 2-6 Wochen |
| Halbwertszeit | 20-40 Stunden - ermöglicht einmal tägliche Einnahme, milderes Absetzen |
| Darreichungsform | Tablette, Schmelztablette |
| Besonderheit | Paradoxer Dosiseffekt: niedrige Dosen wirken oft STÄRKER sedierend als höhere |
| Sexuelle Nebenwirkungen | Kaum - großer Vorteil gegenüber SSRI/SNRI |
| Abhängigkeit | Keine - aber langsames Ausschleichen erforderlich |
| Rezeptpflicht | Ja |
Mirtazapin ist ein Antidepressivum mit einem ganz eigenen Wirkprofil, das es deutlich von den häufiger verordneten SSRI und SNRI unterscheidet. Es gehört zur Gruppe der noradrenergen und spezifisch serotonergen Antidepressiva (NaSSA). Bekannt ist es vor allem unter dem Handelsnamen Remergil. Seine charakteristischen Eigenschaften: Es wirkt schlaffördernd und appetitsteigernd - was es für bestimmte Patienten besonders geeignet macht.
Genau dieses Profil macht Mirtazapin zur bevorzugten Wahl bei Depressionen, die mit ausgeprägten Schlafstörungen und Appetit- bzw. Gewichtsverlust einhergehen - Symptome, die bei Depressionen häufig sind. Während SSRI eher aktivierend wirken und den Appetit dämpfen können, bewirkt Mirtazapin oft das Gegenteil: besserer Schlaf und mehr Appetit.
Diese Eigenschaften sind je nach Situation Vorteil oder Nachteil: Wer schlecht schläft und abgenommen hat, profitiert - wer ohnehin zu Gewichtszunahme neigt, sieht den appetitsteigernden Effekt kritisch. Ein weiterer wichtiger Pluspunkt: Mirtazapin verursacht - anders als SSRI/SNRI - kaum sexuelle Nebenwirkungen. Diese besonderen Eigenschaften erklären wir in eigenen Kapiteln.
Mirtazapin wirkt anders als die meisten Antidepressiva. Statt die Wiederaufnahme von Botenstoffen zu hemmen (wie SSRI/SNRI), blockiert es bestimmte Rezeptoren - und steigert dadurch auf indirektem Weg die Freisetzung von Noradrenalin und Serotonin.
| Rezeptor-Blockade | Effekt |
|---|---|
| Alpha-2-Rezeptoren | Wirkt wie eine „Bremse lösen" - steigert die Freisetzung von Noradrenalin und Serotonin (antidepressiver Hauptmechanismus) |
| 5-HT2- und 5-HT3-Serotonin-Rezeptoren | Lenkt die Serotonin-Wirkung gezielt - erklärt das Fehlen sexueller Nebenwirkungen, Übelkeit und Unruhe |
| Histamin-H1-Rezeptoren | Starke Blockade - erklärt die schlaffördernde und appetitsteigernde Wirkung |
Die starke Histamin-Blockade ist der Schlüssel zum Verständnis von Mirtazapin: Sie macht müde (sedierend) und steigert den Appetit - genau die Effekte, die Antihistaminika (z. B. ältere Allergiemittel) auch haben. Das ist kein Zufallseffekt, sondern zentral für das Wirkprofil.
Mirtazapin wird gut resorbiert, die Halbwertszeit ist mit etwa 20-40 Stunden relativ lang - das ermöglicht die einmal tägliche Einnahme (abends) und führt zu einem milderen Absetzverhalten als bei kurzwirksamen Substanzen wie Venlafaxin. Der Abbau erfolgt in der Leber über verschiedene CYP-Enzyme. Es gibt eine Schmelztablette, die sich auf der Zunge auflöst - praktisch bei Schluckproblemen.
Eine überraschende und klinisch wichtige Besonderheit von Mirtazapin: Niedrige Dosen wirken oft STÄRKER schläfrigmachend als höhere Dosen. Das klingt zunächst widersinnig, hat aber eine pharmakologische Erklärung.
Bei niedriger Dosis (z. B. 7,5-15 mg) überwiegt die stark sedierende Histamin-Blockade. Bei höherer Dosis (30-45 mg) kommt die noradrenerge, leicht aktivierende Wirkung stärker zum Tragen und gleicht die Sedierung teilweise aus. Das Ergebnis: Eine höhere Dosis kann sich am nächsten Tag weniger „verschlafen" anfühlen als eine niedrige.
Die Hauptindikation. Mirtazapin ist ein wirksames Antidepressivum bei mittelschwerer bis schwerer Depression - besonders geeignet, wenn Schlafstörungen, innere Unruhe oder Appetit-/Gewichtsverlust im Vordergrund stehen. Es wird auch eingesetzt, wenn SSRI/SNRI nicht ausreichend gewirkt haben oder deren Nebenwirkungen (sexuelle Störungen, Übelkeit, Unruhe) problematisch waren.
Bei depressionsbedingten Schlafstörungen ist Mirtazapin oft erste Wahl - es behandelt die Depression und verbessert zugleich den Schlaf, ohne dass ein zusätzliches Schlafmittel nötig ist.
Mirtazapin wird manchmal mit einem SSRI/SNRI kombiniert (sogenannte „Kalifornien-Rakete") - die unterschiedlichen Mechanismen können sich ergänzen, vor allem bei schwer behandelbaren Depressionen. Diese Kombination gehört in fachärztliche Hände.
Wegen der schlaffördernden und appetitsteigernden Wirkung wird Mirtazapin gelegentlich off-label eingesetzt - etwa bei hartnäckigen Schlafstörungen oder zur Appetitsteigerung in bestimmten Situationen. Solche Anwendungen erfolgen nach ärztlicher Abwägung.
Wie bei allen Antidepressiva braucht die antidepressive Wirkung Zeit - sie baut sich über 2 bis 6 Wochen auf, mit voller Wirkung nach etwa 6 Wochen. Eine Besonderheit von Mirtazapin: Manche Effekte treten viel früher ein.
Der schnelle Effekt auf Schlaf ist ein praktischer Vorteil: Während man auf die Stimmungsbesserung wartet, profitiert man bereits vom besseren Schlaf - was die Therapietreue erleichtert und die Erschöpfung lindert. Bei ausbleibender antidepressiver Wirkung nach 6 Wochen wird die Therapie angepasst.
Die schlaffördernde Wirkung ist eines der Markenzeichen von Mirtazapin und beruht auf der starken Histamin-Blockade. Diese Wirkung ist oft sofort spürbar und macht Mirtazapin besonders wertvoll bei Depressionen mit Schlafstörungen.
Wichtig: Mirtazapin ist ein Antidepressivum, kein reines Schlafmittel. Wird es primär gegen Schlafstörungen ohne Depression eingesetzt, ist das eine Off-label-Anwendung nach ärztlicher Abwägung. Der Vorteil gegenüber klassischen Schlafmitteln ist das fehlende Suchtpotenzial. Mehr unter Schlafstörungen.
Das vielleicht meistdiskutierte Thema bei Mirtazapin - und ein häufiger Grund für Bedenken. Mirtazapin steigert den Appetit und führt bei vielen Patienten zu einer Gewichtszunahme, ebenfalls durch die Histamin-Blockade. Je nach Situation ist das erwünscht oder unerwünscht.
Bei Depressionen mit Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust - ein häufiges und belastendes Symptom - ist die appetitsteigernde Wirkung therapeutisch sehr willkommen. Sie hilft, das verlorene Gewicht zurückzugewinnen und die körperliche Erholung zu unterstützen.
Wer ohnehin zu Übergewicht neigt oder bereits ein erhöhtes Gewicht hat, sieht die Gewichtszunahme kritisch. Die Zunahme kann mehrere Kilogramm betragen und ist eine der häufigsten Ursachen für vorzeitiges Absetzen.
Ein wichtiger Pluspunkt von Mirtazapin gegenüber SSRI und SNRI: Es verursacht kaum sexuelle Funktionsstörungen. Während Libidoverlust, Erektions- und Orgasmusstörungen unter SSRI/SNRI sehr häufig sind, ist Mirtazapin hier deutlich verträglicher.
Der Grund liegt im Wirkmechanismus: Mirtazapin blockiert gezielt die Serotonin-Rezeptoren (5-HT2), die für die sexuellen Nebenwirkungen verantwortlich sind. Deshalb ist Mirtazapin oft die Wahl, wenn ein Patient unter sexuellen Nebenwirkungen eines SSRI/SNRI leidet - entweder als Wechsel oder als ergänzende Gabe (Mirtazapin kann die sexuellen Nebenwirkungen anderer Antidepressiva sogar teilweise ausgleichen).
Dieser Vorteil ist klinisch bedeutsam, weil sexuelle Nebenwirkungen ein häufiger Grund für Therapieabbrüche sind. Wer hier empfindlich ist, kann mit Mirtazapin eine verträglichere Option haben. Dieses Thema wird ausführlicher auf der Seite zu Sertralin behandelt.
Insgesamt ist Mirtazapin gut verträglich - die dominierenden Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Gewichtszunahme. Übelkeit, Unruhe und sexuelle Störungen, die unter SSRI/SNRI häufig sind, treten unter Mirtazapin deutlich seltener auf.
Eine seltene, aber ernste Nebenwirkung: Mirtazapin kann in sehr seltenen Fällen die Bildung weißer Blutkörperchen stark vermindern (Agranulozytose) - mit erhöhter Infektgefahr. Warnzeichen: hohes Fieber, Halsschmerzen, Mundschleimhautentzündung, grippeähnliche Symptome. Bei solchen Zeichen sofort ärztlich abklären und Blutbild kontrollieren lassen.
Selten, vor allem in Kombination mit anderen serotonergen Substanzen - Unruhe, Schwitzen, Zittern, Fieber, Verwirrtheit. Bei Verdacht sofort 112.
Wie bei allen Antidepressiva kann vor allem zu Beginn und bei jungen Patienten das Risiko für suizidale Gedanken vorübergehend erhöht sein - engmaschige Begleitung in den ersten Wochen.
Selten Hyponatriämie (Natriummangel, vor allem bei Älteren), Leberwerterhöhungen, Krampfanfälle (sehr selten), schwere Hautreaktionen.
Mirtazapin macht nicht abhängig, aber wie bei allen Antidepressiva sollte es nicht abrupt abgesetzt werden. Dank der relativ langen Halbwertszeit ist das Absetzsyndrom bei Mirtazapin aber meist milder als bei kurzwirksamen Substanzen wie Venlafaxin.
Mögliche Absetzsymptome: Schlafstörungen, lebhafte Träume, Übelkeit, Schwindel, innere Unruhe, Angst, Reizbarkeit, grippeähnliche Symptome. Ein interessanter Punkt: Da Mirtazapin schlaffördernd wirkt, treten beim Absetzen häufig vorübergehende Schlafprobleme auf - das ist zu erwarten und vorübergehend.
| Substanz/Kategorie | Effekt | Empfehlung |
|---|---|---|
| MAO-Hemmer | Serotonin-Syndrom-Risiko | Strikt kontraindiziert - mindestens 14 Tage Abstand |
| Andere serotonerge Substanzen (SSRI, SNRI, Triptane, Tramadol, Johanniskraut) | Additive serotonerge Wirkung | Vorsicht, nur ärztlich begleitet kombinieren |
| Sedierende Substanzen (Benzodiazepine, Schlafmittel, Opioide, Antihistaminika) | Verstärkte Müdigkeit | Kombination vermeiden oder Dosis anpassen |
| Alkohol | Verstärkte Sedierung | Meiden (eigenes Kapitel) |
| Starke CYP-Hemmer oder -Induktoren (bestimmte Antibiotika, Antimykotika, Antiepileptika) | Beeinflussen Mirtazapin-Spiegel | Ärztlich abklären |
| QT-verlängernde Medikamente | Additives Risiko | Vorsicht |
| Blutdrucksenker | Verstärkter Blutdruckabfall möglich | RR-Kontrollen |
Mehr unter Wechselwirkungen von Medikamenten und Medikamente richtig einnehmen.
Bei Mirtazapin ist beim Thema Alkohol Vorsicht geboten - vor allem wegen der verstärkten Sedierung:
Praktische Empfehlung: Während der Mirtazapin-Therapie Alkohol meiden oder stark einschränken - die Kombination kann ausgeprägt müde machen. Besonders zu Beginn und bei abendlicher Einnahme ist Vorsicht geboten. Im Zweifel mit dem Arzt besprechen.
| Substanzklasse | Profil | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Mirtazapin (NaSSA) | Schlaffördernd, appetitsteigernd | Schneller Schlaf-Effekt, kaum sexuelle NW, kein Suchtpotenzial | Müdigkeit, Gewichtszunahme |
| SSRI (Sertralin, Citalopram) | Eher aktivierend, appetitneutral/-dämpfend | Wenig Sedierung, gewichtsneutral | Sexuelle NW, Übelkeit, Unruhe |
| SNRI (Venlafaxin, Duloxetin) | Aktivierend, gut bei Schmerzkomponente | Wirksam bei Depression mit Schmerz | Ausgeprägtes Absetzsyndrom, sexuelle NW, RR-Anstieg |
| Trizyklika (z. B. Amitriptylin) | Sedierend | Wirksam, bei Schlafstörungen | Mehr NW (Herz, Mundtrockenheit) |
| Kombination Mirtazapin + SSRI/SNRI | Ergänzende Mechanismen | Mirtazapin kann Übelkeit/sexuelle NW des Partners abmildern | Komplexere Therapie - nur fachärztlich |
Klinische Faustregel: Mirtazapin ist besonders geeignet bei Depression mit Schlafstörungen und/oder Appetitverlust, bei Empfindlichkeit gegenüber sexuellen Nebenwirkungen, oder wenn ein SSRI/SNRI nicht vertragen wurde. Bei Neigung zu Übergewicht oder wenn tagsüber volle Wachheit wichtig ist, ist es weniger ideal. Mehr unter Sertralin oder Duloxetin.
| Beobachtung | Häufigkeit | Typischer Kommentar |
|---|---|---|
| Erste Nacht durchgeschlafen nach Wochen | Sehr häufig | „Nach Monaten Schlafproblemen war ich nach der ersten Tablette acht Stunden weg - hat mir die Hoffnung zurückgegeben." |
| Gewichtszunahme als Hauptgrund für Absetzversuch | Sehr häufig | „In drei Monaten 6 kg zugenommen - obwohl die Depression weg war, wollte ich raus aus dem Medikament." |
| Morgendliche Müdigkeit bessert sich nach Dosiserhöhung (paradoxer Effekt) | Häufig | „Bei 15 mg war ich tagsüber wie tot, bei 30 mg viel klarer - mein Arzt hat mir das vorher erklärt." |
| Wechsel von SSRI zu Mirtazapin wegen sexueller Nebenwirkungen | Häufig | „Auf Citalopram hatte ich keine Libido mehr - mit Mirtazapin ist das zurückgekommen, ich schlafe nur müde ein." |
| Heißhunger auf Süßes - Hauptproblem | Sehr häufig | „Schokolade-Attacken nach 22 Uhr - meine Frau hat die Süßigkeiten versteckt, jetzt geht es besser." |
| Absetzversuch nach Besserung - Schlafstörungen kehren zurück | Häufig | „Beim Ausschleichen kamen die Schlafprobleme zurück - Arzt meinte, das ist normal und vorübergehend." |
Mirtazapin Erfahrungen bei Depression mit Schlafstörungen - wie schnell hilft es? Die Schlafwirkung kommt bei den meisten Patienten in der ersten Nacht - das ist eine der Stärken von Mirtazapin und macht es zur ersten Wahl bei Depression mit Schlafstörungen. Erste durchgeschlafene Nächte nach Wochen oder Monaten Schlaflosigkeit sind oft das, was Patienten zurück ins Leben holt. Die antidepressive Wirkung braucht dagegen Zeit - meist 2 bis 6 Wochen, volle Wirkung nach 6 Wochen. In den ersten 1-2 Wochen kann die Tagesmüdigkeit stark sein, sie bessert sich aber bei vielen. Die Kombination aus schnellem Schlaf-Effekt und langsam wirkender Antidepressivum-Komponente ist therapeutisch sehr nützlich.
Mirtazapin und Gewichtszunahme - wie viel ist normal? Im Schnitt nehmen Mirtazapin-Anwender 2 bis 6 kg in den ersten Monaten zu - individuell sehr unterschiedlich. Manche bleiben gewichtsstabil, andere nehmen deutlich mehr zu. Typische Muster: Heißhunger auf Süßes (vor allem abends), gesteigerter Appetit allgemein, schwerer Sättigungsgefühl. Gegenmaßnahmen: bewusste Ernährung mit Eiweiß und Ballaststoffen, Süßes außer Reichweite, regelmäßige Bewegung (wirkt zudem antidepressiv), Gewicht wöchentlich kontrollieren. Bei starker, belastender Zunahme mit dem Arzt über Alternativen sprechen (z. B. Sertralin als gewichtsneutralere SSRI-Option) - aber niemals eigenmächtig absetzen.
Mirtazapin vs. Sertralin - was ist besser? Das hängt vom Symptom-Profil ab. Mirtazapin überlegen bei: Depression mit Schlafstörungen, Appetit- und Gewichtsverlust, sexuellen Nebenwirkungen auf SSRI, Bedürfnis nach schnellem Schlaf-Effekt. Sertralin überlegen bei: Depression mit Angst, Antriebsmangel ohne Schlafprobleme, Übergewichts-Sorge, Bedarf an Tageswachheit, Begleitung bei Angststörungen. Beide sind wirksam - die Wahl ist individuell. Manchmal werden sie auch kombiniert („Kalifornien-Rakete"), um die Vorteile zu nutzen. Mehr unter Sertralin.
Mirtazapin absetzen - was muss ich beachten? Mirtazapin macht nicht abhängig, aber bei abruptem Absetzen können Absetzsymptome auftreten: Schlafstörungen (sehr typisch), lebhafte Träume, Übelkeit, Schwindel, innere Unruhe, Reizbarkeit, grippeähnliche Symptome. Vorteil: dank der langen Halbwertszeit von 20-40 Stunden ist das Absetzen meist milder als bei Venlafaxin. Schema: schrittweise Dosisreduktion über Wochen bis Monate, ärztlich begleitet. Typisch: erst von 45 mg auf 30 mg, dann 15 mg, dann 7,5 mg, dann jeden zweiten Tag, dann absetzen. Wichtig: die Schlafstörungen beim Absetzen sind vorübergehend und kein Zeichen, dass die Depression zurückkommt - geduldig sein und mit dem Arzt sprechen.
Macht Mirtazapin abhängig wie ein Schlafmittel? Nein - das ist einer der großen Vorteile gegenüber klassischen Schlafmitteln (Benzodiazepine wie Diazepam, Z-Substanzen wie Zolpidem). Mirtazapin verursacht keine Toleranzentwicklung (die Wirkung bleibt stabil), kein Verlangen und kein Suchtverhalten. Deshalb wird es manchmal off-label gegen hartnäckige Schlafstörungen eingesetzt, wenn klassische Schlafmittel wegen Suchtrisiko problematisch sind - vor allem bei Älteren. Wichtig: Es ist ein Antidepressivum mit eigenem Nebenwirkungsprofil (Gewichtszunahme!), kein „besseres Schlafmittel". Der Einsatz allein wegen Schlafstörungen sollte ärztlich gut begründet sein.