Blut im Stuhl: Ursachen, Diagnose und wann zum Arzt

Blut im Stuhl verstehen und richtig einordnen. Hellrot, dunkel oder Teerstuhl, Hämorrhoiden, Darmkrebs, Warnzeichen und wann sofort zur Notaufnahme.

Jetzt kostenlos registrieren

Auf einen Blick

Definition
sichtbares (hellrot, dunkelrot, schwarz) oder unsichtbares (okkultes) Blut im Stuhl — kann aus jeder Stelle des Verdauungstrakts stammen
Häufig
Hämorrhoiden und Analfissuren sind die häufigsten Ursachen für hellrotes Blut bei Erwachsenen
Ernst
Teerstuhl (Meläna), grössere Blutmengen, Erstmanifestation ab 45–50 Jahren, Gewichtsverlust — immer ärztlich abklären
Notfall
starke Blutung, Kreislaufbeschwerden (Schwindel, Herzrasen), Fieber, starke Bauchschmerzen — sofort Notaufnahme oder 112
ICD-10
K92.1 (Meläna), K92.2 (gastrointestinale Blutung), K62.5 (Blutung aus Anus und Rektum)

1. Was bedeutet Blut im Stuhl?

Blut im Stuhl ist ein Symptom, kein eigenständiges Krankheitsbild. Die Ursachen reichen von harmlosen Hämorrhoiden über Analfissuren bis hin zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Magengeschwüren oder Darmkrebs. Entscheidend für die Einordnung sind die Farbe, die Menge und begleitende Symptome wie Schmerzen, Fieber oder Gewichtsverlust.

Man unterscheidet sichtbares Blut (hellrot, dunkelrot oder schwarz) von okkultem Blut — das ist nur über einen Stuhltest (FOBT, iFOBT) nachweisbar und gehört zur Darmkrebsvorsorge.

Wichtig: Auch wenn die häufigste Ursache (Hämorrhoiden) harmlos ist, sollte jede erstmalige Blutung und jede Blutung ab dem 45. bis 50. Lebensjahr ärztlich abgeklärt werden — schon eine kleine Blutung kann auf einen Polypen oder einen frühen Tumor hinweisen.

2. Farbe und Ursprung: hellrot, dunkel oder Teerstuhl?

Die Farbe gibt einen ersten Hinweis darauf, wo die Blutung wahrscheinlich liegt:

Hellrotes Blut (frisches Blut, Hämatochezie)

Stammt meistens aus dem unteren Verdauungstrakt — Enddarm, After, Sigma. Häufigste Ursachen: Hämorrhoiden, Analfissuren, Polypen, Divertikel. Typisch: Blut auf dem Toilettenpapier oder Auflagerungen auf dem Stuhl.

Dunkelrotes oder kastanienbraunes Blut

Spricht für eine Blutungsquelle weiter oben im Dickdarm — z. B. Divertikel, Tumore oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Das Blut ist meistens mit dem Stuhl vermischt.

Schwarzer, klebriger Teerstuhl (Meläna)

Entsteht durch Blut aus dem oberen Verdauungstrakt (Magen, Zwölffingerdarm, oberer Dünndarm). Magensäure zersetzt das Blut und verfärbt es schwarz. Teerstuhl riecht charakteristisch faulig-süßlich. Immer ärztlich abklären — typische Ursachen sind Magengeschwüre, Speiseröhrenrisse oder seltener Tumore.

Wichtig: Schwarzer Stuhl kann auch harmlose Ursachen haben — Eisenpräparate, Aktivkohle, Heidelbeeren oder Rote Bete färben den Stuhl ebenfalls dunkel. Echter Teerstuhl ist klebrig, glänzend und riecht streng. Bei Unsicherheit immer ärztlich abklären.

Okkultes Blut (unsichtbar)

Wird nur über einen Stuhltest (iFOBT) erkannt und kann auf Polypen oder frühe Tumore hinweisen — auch wenn der Stuhl normal aussieht. Deshalb ist die regelmässige Darmkrebsvorsorge so wichtig.

3. Häufige Ursachen im unteren Verdauungstrakt

Hämorrhoiden

Die mit Abstand häufigste Ursache für hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier. Hämorrhoiden sind erweiterte Gefässpolster im Analkanal — sie können bluten, jucken oder beim Stuhlgang heraustreten. Begünstigt durch chronische Verstopfung, sitzende Tätigkeit, Schwangerschaft und starkes Pressen.

Analfissur

Ein kleiner Einriss in der Analschleimhaut — typisch sind starke Schmerzen beim und nach dem Stuhlgang sowie hellrotes Blut auf dem Papier. Oft Folge von hartem Stuhl oder chronischer Verstopfung.

Divertikel und Divertikulitis

Ausstülpungen der Dickdarmwand, besonders im Sigma. Können bluten (meist schmerzlos, dunkelrot) oder sich entzünden — dann mit Fieber und starken Schmerzen im linken Unterbauch. Häufig bei Menschen über 60.

Polypen und Darmkrebs

Polypen sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, die jedoch entarten können. Sie bluten meist schwach und unbemerkt — deshalb das okkulte Blut. Darmkrebs (kolorektales Karzinom) ist die zweithäufigste Krebsart in Deutschland und entsteht meistens aus solchen Polypen über viele Jahre. Frühzeichen: okkultes Blut, veränderte Stuhlgewohnheiten, Gewichtsverlust, Anämie.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verursachen oft blutige Durchfälle, Schleimauflagerungen, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust. Erstmanifestation häufig im jungen Erwachsenenalter (20–40 Jahre).

Infektiöse Kolitis

Bakterielle Darminfektionen (Campylobacter, Shigellen, EHEC, Salmonellen) können blutige Durchfälle auslösen — typisch nach Reisen oder verdorbenen Lebensmitteln. Siehe auch Durchfall.

4. Ursachen im oberen Verdauungstrakt

Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre

Ulzera der Magen- oder Duodenalschleimhaut können bluten — typischerweise mit Teerstuhl, manchmal auch mit Bluterbrechen. Hauptursachen: Helicobacter-pylori-Infektion und langfristige Einnahme von NSAR (Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure). Mehr dazu unter Sodbrennen.

Refluxösophagitis und Mallory-Weiss-Syndrom

Entzündungen der Speiseröhre oder Schleimhautrisse nach starkem Erbrechen können zu Blutung führen — meistens hellrotes Blut beim Erbrechen, im Stuhl als Meläna.

Ösophagusvarizen

Erweiterte Venen in der Speiseröhre bei fortgeschrittener Leberzirrhose. Eine Varizenblutung ist ein lebensbedrohlicher Notfall — immer sofort 112.

Tumore des oberen Verdauungstrakts

Magenkrebs, Speiseröhrenkrebs und seltener Dünndarmtumore können bluten — meist chronisch-okkult mit Eisenmangelanämie als erstem Zeichen.

5. Wann zum Arzt? (Warnzeichen)

Sofort Notaufnahme oder 112 bei: grossen Blutmengen, schwarzem Teerstuhl, Kreislaufbeschwerden (Schwindel, Schwäche, Herzrasen, kalter Schweiss), Bluterbrechen, starken Bauchschmerzen oder Fieber. Auch bei bekannter Lebererkrankung oder unter Blutverdünnung: nicht abwarten.

Zeitnah ärztlich abklären (innerhalb weniger Tage) bei:

  • erstmalig auftretendem Blut im Stuhl, auch wenn es klein und hellrot ist
  • Blutung ab dem 45. bis 50. Lebensjahr — auch wenn sie harmlos wirkt
  • wiederkehrenden Blutungen über mehrere Wochen
  • veränderten Stuhlgewohnheiten (Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung)
  • ungewolltem Gewichtsverlust, anhaltender Müdigkeit oder Eisenmangel
  • familiärer Belastung mit Darmkrebs oder CED
  • Blut im Stuhl unter Blutverdünnern (Marcumar, ASS, Apixaban etc.) — nicht eigenmächtig absetzen, aber sofort ärztlich besprechen

6. Darmkrebs-Vorsorge: ab wann und wie

Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland — und eine der wenigen, die durch Vorsorge praktisch verhindert werden kann. Polypen wachsen über viele Jahre zu Karzinomen heran und können bei der Koloskopie direkt entfernt werden.

Gesetzliche Vorsorge in Deutschland:

  • Männer ab 50, Frauen ab 55: jährlicher immunologischer Stuhltest (iFOBT) auf okkultes Blut
  • Ab 50 (Männer) bzw. 55 (Frauen): Koloskopie (Darmspiegelung) — Wiederholung nach 10 Jahren bei unauffälligem Befund
  • Bei familiärer Belastung (Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr bei Eltern/Geschwistern): Vorsorge bereits ab 40 oder 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des Angehörigen
  • Bei Lynch-Syndrom oder FAP: spezialisierte Betreuung mit deutlich früherem Beginn

Wichtig: Die Koloskopie ist die einzige Untersuchung, bei der Polypen nicht nur erkannt, sondern auch sofort entfernt werden können. Sie ist damit gleichzeitig Diagnostik und Therapie.

7. Diagnostik: was der Arzt macht

Die Diagnostik richtet sich nach Alter, Verlauf und Begleitsymptomen:

  • Anamnese: Farbe, Menge, Dauer, Begleitsymptome, Medikamente (NSAR, Blutverdünner), Vorerkrankungen, Familienanamnese
  • Proktologische Untersuchung: digital-rektale Untersuchung, Proktoskopie zur Beurteilung von Hämorrhoiden und Fissuren
  • Stuhltest: iFOBT auf okkultes Blut, ggf. Calprotectin (Entzündungsmarker), Stuhlkulturen bei Verdacht auf Infektion
  • Blutuntersuchungen: Blutbild (Anämie?), Eisenstatus, Entzündungswerte (CRP), Gerinnung, Leberwerte
  • Koloskopie: Goldstandard für Dickdarmblutungen — erlaubt Diagnose und sofortige Therapie (Polypabtragung, Blutstillung, Biopsie)
  • Gastroskopie: bei Verdacht auf obere GI-Blutung — schaut auf Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm
  • Kapselendoskopie oder Doppelballon-Enteroskopie: wenn die Blutungsquelle im Dünndarm vermutet wird und Gastro-/Koloskopie unauffällig sind

Mehr dazu unter Arzttermin vorbereiten und Blutwerte verstehen.

8. Therapie: was hilft bei welcher Ursache

Hämorrhoiden

Leichte Hämorrhoiden (Grad 1–2): ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend trinken, Stuhlregulation, lokale Salben/Zäpfchen. Fortgeschrittene (Grad 3–4): Gummibandligatur, Sklerosierung oder operative Therapie.

Analfissur

Stuhlregulation (weicher Stuhl), warme Sitzbäder, Salben mit Nitroglycerin oder Diltiazem zur Entspannung des Schliessmuskels. Chronische Fissuren ggf. operativ.

Magengeschwür

Protonenpumpenhemmer (PPI: Pantoprazol, Omeprazol), Eradikation von Helicobacter pylori (Antibiotika-Kombination), Absetzen von NSAR wenn möglich.

CED (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)

Stufentherapie nach Schweregrad: Mesalazin, Kortison, Immunsuppressiva (Azathioprin), Biologika (Infliximab, Adalimumab, Vedolizumab) — fachärztliche Betreuung durch Gastroenterologie.

Polypen und Karzinom

Polypen werden bei der Koloskopie direkt abgetragen (Polypektomie). Karzinome erfordern eine onkologische Therapie — Operation, Chemotherapie, ggf. Strahlentherapie, je nach Stadium.

9. Medikamente und Blut im Stuhl

Mehrere Medikamentengruppen können Blutungen begünstigen oder direkt auslösen:

  • NSAR (Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen, Acetylsalicylsäure): häufige Ursache für Magengeschwüre und Schleimhautblutungen — besonders bei Langzeiteinnahme und ohne Magenschutz
  • Antikoagulantien (Marcumar/Phenprocoumon, Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran): erhöhen die Blutungsneigung — bei Blut im Stuhl immer ärztlich abklären, nicht eigenmächtig absetzen
  • Thrombozytenaggregationshemmer (ASS, Clopidogrel, Ticagrelor): besonders in Kombination mit NSAR riskant
  • Kortison: kann die Schleimhautheilung verzögern und Magengeschwüre begünstigen
  • SSRI-Antidepressiva: leicht erhöhtes Blutungsrisiko, besonders in Kombination mit NSAR oder Antikoagulantien

Mehr: Wechselwirkungen von Medikamenten, Medikamente richtig einnehmen.

So hilft brite dir bei Blut im Stuhl

brite unterstützt dich dabei, Blut im Stuhl besser einzuordnen und den Überblick über deine Medikamente zu behalten.

  • Einnahme-Erinnerung — PPI, Eisenpräparate oder verordnete Medikamente regelmässig einnehmen: brite erinnert pünktlich. Erinnerung einrichten
  • Wechselwirkungs-Check — NSAR + Blutverdünner? PPI + Eisen? Wechselwirkungen kostenlos prüfen. Jetzt prüfen
  • Gesundheitsverlauf — Stuhlbeschaffenheit, Blutungen und Begleitsymptome strukturiert dokumentieren — wertvoll für die ärztliche Abklärung.
  • Digitaler Medikationsplan — alle Medikamente übersichtlich für Hausarzt, Gastroenterologie und Proktologie. Zum Medikationsplan
Jetzt kostenlos starten
brite App

FAQ: Häufige Fragen

Hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier stammt meistens von Hämorrhoiden oder einer Analfissur — das ist häufig und in der Regel harmlos. Trotzdem sollte erstmalig auftretendes Blut, wiederkehrende Blutungen oder Blut bei Menschen über 45 bis 50 ärztlich abgeklärt werden, um Polypen oder Tumore auszuschliessen.
Echter Teerstuhl (Meläna) ist schwarz, klebrig und riecht streng — er entsteht durch Blut aus dem oberen Verdauungstrakt und ist immer ein Alarmsignal. Schwarzer Stuhl durch Eisenpräparate, Aktivkohle oder dunkle Lebensmittel ist dagegen harmlos und nicht klebrig.
Leichte Hämorrhoiden (Grad 1 und 2) können sich mit Ernährungsumstellung (mehr Ballaststoffe, mehr Flüssigkeit, weicher Stuhl) bessern. Fortgeschrittene Hämorrhoiden (Grad 3 und 4) erfordern meistens eine proktologische Behandlung.
Hämatochezie ist frisches, rotes Blut im Stuhl — meist aus dem unteren Verdauungstrakt. Meläna (Teerstuhl) ist schwarzer, klebriger Stuhl — meist aus dem oberen Verdauungstrakt. Bei massiver oberer Blutung kann der Stuhl aber auch hellrot sein.
Nein — nicht ohne ärztliche Rücksprache. Eigenmächtiges Absetzen kann gefährliche Folgen haben (Schlaganfall, Thrombose). Aber: bei Blut im Stuhl unter Blutverdünnern immer zeitnah ärztlich vorstellen, damit die Ursache abgeklärt und die Therapie ggf. angepasst werden kann.
Männer ab 50, Frauen ab 55 Jahren — gesetzliche Leistung in Deutschland. Bei familiärer Belastung (Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr bei Eltern oder Geschwistern) bereits ab 40 Jahren oder 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des betroffenen Angehörigen.
Der iFOBT ist in Deutschland Bestandteil der gesetzlichen Krebsfrüherkennung und wird von den Krankenkassen übernommen — ab 50 Jahren jährlich, ab 55 Jahren alle zwei Jahre (wenn keine Koloskopie erfolgt).

Quellen

  1. S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom (AWMF 021-007). — https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-007OL.html
  2. S3-Leitlinie Colitis ulcerosa (AWMF 021-009). — https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-009.html
  3. IQWiG — gesundheitsinformation.de: Hämorrhoiden, Darmkrebs, Blut im Stuhl. — https://www.gesundheitsinformation.de/
  4. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). — https://www.dgvs.de/
  5. Robert Koch-Institut — Krebs in Deutschland: Darmkrebs. — https://www.rki.de/
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei grösseren Blutmengen, schwarzem Teerstuhl, Kreislaufbeschwerden, Fieber oder starken Bauchschmerzen sofort die Notaufnahme aufsuchen oder den Notruf (112) wählen. Blutverdünner nie eigenmächtig absetzen — immer ärztliche Rücksprache.