X
Über 60.000 Patienten vertrauen brite
4.6 Sterne
Deine Gesundheit endlich verständlich mit brite
1
E-Mail eingeben, fertig. Kein Abo, keine Kreditkarte.
2
Suchen, antippen, fertig. Über 3.400 Medikamente.
3
Check, Erinnerung, Überblick gewinnen.
Sarah K., 34
Endlich verstehe ich meine Therapie. Die App erinnert mich, beantwortet meine Fragen - und ich fühle mich nicht mehr alleine damit.
Kein Geschmack mehr? Ursachen von Post-Covid und Zinkmangel bis zu Medikamenten und Zahnproblemen, Tests, Therapie und wann zum Arzt.
Jetzt kostenlos registrieren
Wann ärztlich: Geschmacksstörung über 4 Wochen, Verlust mit Begleitsymptomen, einseitige Form, neurologische Begleitsymptome, Gewichtsverlust durch Appetitlosigkeit
Eine Geschmacksstörung — medizinisch Dysgeusie — bezeichnet jede Veränderung der normalen Geschmackswahrnehmung. Das reicht von einer leichten Beeinträchtigung über einen veränderten oder verzerrten Geschmack bis hin zum vollständigen Geschmacksverlust (Ageusie). Geschmacksstörungen sind häufig — etwa 5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind dauerhaft betroffen, ab 60 Jahren deutlich mehr.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Geschmacks- und Geruchsstörungen. Viele Menschen, die über Geschmacksverlust klagen, haben in Wirklichkeit eine Geruchsstörung — der grösste Teil unseres 'Geschmackserlebnisses' beim Essen ist tatsächlich Geruch, der retronasal (über den Rachen) die Nase erreicht. Echte isolierte Geschmacksstörungen — bei denen die Geschmacksknospen selbst betroffen sind — sind seltener als Geruchsstörungen.
Geschmacksstörungen können die Lebensqualität erheblich einschränken: Essen verliert seinen Reiz, was zu Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und sozialem Rückzug führen kann. Manche Betroffene erleben dauerhaft unangenehme Geschmäcker (metallisch, bitter, salzig), die jeden Bissen zur Qual machen. Gleichzeitig kann eine Geschmacksstörung das Frühzeichen ernsthafter Erkrankungen sein — von neurologischen Störungen bis zu Tumoren im Kopf-Hals-Bereich.
Der Geschmackssinn ist im Vergleich zu den anderen Sinnen erstaunlich einfach gebaut. Auf der Zunge — und in geringerem Mass am Gaumen und im Rachen — befinden sich etwa 2.000 bis 5.000 Geschmacksknospen, die in fünf Grundgeschmacksrichtungen aufgegliedert wahrnehmen: süss, sauer, salzig, bitter und umami (herzhaft-würzig).
Diese fünf Grundgeschmäcker werden über drei verschiedene Hirnnerven zum Gehirn geleitet: Nervus facialis (VII) für die vorderen zwei Drittel der Zunge, Nervus glossopharyngeus (IX) für das hintere Drittel und Nervus vagus (X) für den Rachen und die Kehlkopfregion. Das komplexe Geschmackserlebnis beim Essen entsteht erst durch das Zusammenspiel mit dem Geruchssinn: Während wir kauen, steigen Duftstoffe über den Rachen zur Riechschleimhaut auf — die sogenannte retronasale Wahrnehmung. Sie macht etwa 80 Prozent dessen aus, was wir als 'Geschmack' empfinden.
Daraus ergibt sich der wichtigste praktische Schluss: Wer Kaffee, Wein, Käse oder ein gewürztes Gericht nicht mehr unterscheiden kann, hat fast immer eine Geruchsstörung — die Geschmacksknospen unterscheiden nur fünf Grundqualitäten. Wer dagegen einfache Süsse, Säure oder Salzigkeit nicht mehr schmeckt, hat eine echte Geschmacksstörung. Diese Unterscheidung führt im klinischen Alltag oft erst zur richtigen Diagnose.
Die HNO-Heilkunde unterscheidet mehrere klinische Formen, die diagnostisch und therapeutisch unterschiedlich relevant sind:
Klinisch ist vor allem die Phantogeusie problematisch, weil sie dauerhaft im Hintergrund präsent ist und die Lebensqualität massiv beeinträchtigen kann. Sie kommt vor allem unter bestimmten Medikamenten, nach Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich, bei chronischen Zahnerkrankungen oder als seltene neurologische Manifestation vor.
Mit grossem Abstand die häufigste Ursache: akute virale Atemwegsinfekte. Bei Erkältungen und Nasennebenhöhlenentzündungen sind Nase und Geruchsschleimhaut verstopft oder entzündet — der retronasale Geruchsanteil fällt weitgehend aus, das Essen schmeckt 'fade'. Nach Abklingen des Infekts kehrt der Geschmackssinn meistens binnen 1 bis 2 Wochen vollständig zurück.
Chronische Sinusitis kann zu einer dauerhaften retronasalen Belüftungsstörung führen und damit zu anhaltend reduziertem Geschmackserlebnis. Eine HNO-ärztliche Untersuchung mit Nasenendoskopie und ggf. CT der Nasennebenhöhlen klärt den Befund. Therapie: konservativ (Nasenspülung, abschwellende Sprays, Steroidsprays) oder operativ (funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie, FESS).
Auch Allergische Rhinitis (allergischer Schnupfen) und Nasenpolypen können das Geschmackserlebnis stark reduzieren. Hier gehört die Therapie der Grundursache zur Wiederherstellung des Geschmacks.
Mit der COVID-19-Pandemie sind Geschmacks- und Geruchsstörungen als Leitsymptom in den klinischen Alltag eingezogen. SARS-CoV-2 schädigt direkt die Stützzellen der Riechschleimhaut und sekundär auch die Geschmackswahrnehmung. In der Akutphase betreffen Geschmacks- und Geruchsstörungen je nach Virusvariante 30 bis 80 Prozent der Erkrankten.
Verlauf: Die meisten Betroffenen erholen sich innerhalb von 1 bis 4 Wochen vollständig. Bei etwa 5 bis 10 Prozent persistieren die Beschwerden länger als 6 Monate — man spricht dann von einer Post-Covid-Dysgeusie oder Post-Covid-Anosmie. Charakteristisch sind dabei nicht selten Parageusien und Parosmien ('Kaffee schmeckt nach Benzin', 'Fleisch riecht nach Faulem') — diese können quälend sein und brauchen oft viele Monate, manchmal Jahre, um sich zurückzubilden.
Therapie der Post-Covid-Geschmacksstörung: Wirksam belegt ist vor allem das olfaktorische Training — auch wenn primär die Geruchsstörung im Vordergrund steht, profitiert das Geschmackserlebnis mit. Patienten riechen 2 Mal täglich systematisch an 4 verschiedenen Düften (klassisch: Rose, Eukalyptus, Zitrone, Nelke) über mindestens 12 Wochen. Bei nachgewiesenem Zinkmangel kann eine Zinksupplementation sinnvoll sein. Bei ausgeprägter Parageusie können in Einzelfällen Medikamente wie Gabapentin oder lokale Anästhetika erwogen werden — in spezialisierter Sprechstunde. Mehr unter Geruchsstörung.
Über 200 Medikamente sind mit Geschmacksstörungen als Nebenwirkung beschrieben. Eine medikamentenbedingte Dysgeusie ist daher eine der wichtigsten und am leichtesten zu behebenden Ursachen — wenn man sie erkennt:
Wichtig: Verdächtige Medikamente nicht eigenmächtig absetzen. Bei ausgeprägter Dysgeusie ärztlich besprechen — oft hilft Dosisreduktion, Wechsel auf eine vergleichbare Substanz oder eine begleitende Therapie. Mehr: Wechselwirkungen von Medikamenten, Medikamente richtig einnehmen.
Zinkmangel ist eine der wichtigsten und behandelbaren Ursachen für Geschmacksstörungen — Zink ist ein zentraler Bestandteil der Gustin, eines Schlüsselproteins in den Geschmacksknospen. Ein nachgewiesener Mangel führt zu verminderter Geschmacks- und auch Geruchswahrnehmung.
Risikofaktoren für Zinkmangel: chronische Magen-Darm-Erkrankungen (Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), bariatrische Operationen, vegane/vegetarische Ernährung ohne ausreichende Substitution, chronischer Alkoholkonsum, höheres Lebensalter mit eingeschränkter Resorption, langfristige Einnahme von PPI oder Diuretika, schwere Verbrennungen, chronische Lebererkrankungen.
Diagnostik: Zinkbestimmung im Serum (Nüchternblutentnahme, Werte schwanken im Tagesverlauf!). Ein Wert unter dem Referenzbereich rechtfertigt einen Therapieversuch über 8 bis 12 Wochen mit 25–50 mg Zink/Tag oral. Wichtig: Zink mit 2 Stunden Abstand zu Eisenpräparaten, Calcium und Tetrazyklin- oder Fluorchinolon-Antibiotika einnehmen — gegenseitige Resorptionshemmung.
Weitere Mikronährstoffe mit Bezug zum Geschmack: Vitamin B12 (relevant vor allem bei Veganern und älteren Menschen, kann auch zu Zungenbrennen führen), Folsäure, Eisen (chronische Eisenmangelanämie). Ein vollständiges Mikronährstoff-Screening lohnt sich bei persistierenden Geschmacksstörungen ohne erkennbare andere Ursache.
Mundtrockenheit (Xerostomie) ist eine extrem häufige, oft übersehene Ursache für reduziertes Geschmackserleben. Speichel ist essentiell, um Geschmacksstoffe zu den Geschmacksknospen zu transportieren. Häufige Ursachen für Xerostomie: viele Medikamente (Antidepressiva, Antihistaminika, Diuretika, Opioide), Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich, Sjögren-Syndrom, Mundatmung, höheres Lebensalter. Befeuchtende Mundsprays, Pilocarpin und ausreichende Trinkmenge können das Geschmackserlebnis verbessern.
Schlechte Mundhygiene und Zahnerkrankungen — Karies, Parodontitis, chronische Gingivitis, Mundsoor (Candida-Infektion) — beeinflussen das Geschmackserlebnis. Auch Mundgeruch und Geschmacksstörung gehen häufig zusammen einher. Eine zahnärztliche Sanierung mit professioneller Zahnreinigung gehört bei jeder unklaren Geschmacksstörung zur Basisdiagnostik.
Schlecht sitzender Zahnersatz kann den Gaumen oder die hinteren Geschmackszonen abdecken und das Geschmackserlebnis reduzieren — eine Anpassung durch den Zahnarzt schafft hier Abhilfe. Bei Brennen-im-Mund-Syndrom (Burning Mouth Syndrome, BMS) treten häufig parallel Geschmacksstörungen auf — eine spezialisierte zahnärztliche oder schmerzmedizinische Abklärung ist sinnvoll.
Eine der häufigeren neurologischen Ursachen — bei Stürzen, Verkehrsunfällen oder Sportverletzungen können die Geschmacks- und vor allem Geruchsnerven beschädigt werden. Geschmacks- und Geruchsstörungen nach Trauma haben eine eher zurückhaltende Prognose, können sich aber teilweise erholen.
Nach Schlaganfällen in bestimmten Hirnregionen können einseitige Geschmacksstörungen auftreten — meist mit anderen neurologischen Ausfällen kombiniert. Bei Morbus Parkinson und Alzheimer-Demenz können Geschmacks- und vor allem Geruchsstörungen Frühzeichen sein — manchmal Jahre vor den motorischen oder kognitiven Symptomen.
In Schüben kann es zu vorübergehenden Geschmacks- und Geruchsstörungen kommen. Meist sind sie kombiniert mit anderen neurologischen Symptomen wie Sehstörungen oder Lähmungen.
Tumore im Kopf-Hals-Bereich (Mundbodenkarzinom, Zungenkarzinom, Hirntumore in der Nähe der Geschmackszentren) können einseitige oder asymmetrische Geschmacksstörungen verursachen — meist mit weiteren Symptomen wie tastbaren Knoten, Schmerzen, Schluckstörungen. Sehr wichtig: Rauchen und Alkoholkonsum erhöhen das Risiko deutlich.
Auch internistische Erkrankungen beeinflussen das Geschmackserleben: **schlecht eingestellter Diabetes mit autonomer Neuropathie, chronische Nierenerkrankung (urämischer Geschmack), Leberzirrhose, Schilddrüsenerkrankungen, Sjögren-Syndrom und andere Autoimmunerkrankungen, Vitamin-Mangel-Zustände**. Eine internistische Basisdiagnostik gehört bei persistierenden Beschwerden zur Abklärung.
Mit zunehmendem Alter nimmt die Geschmackswahrnehmung physiologisch ab — ab dem 60. Lebensjahr sinkt die Zahl der funktionierenden Geschmacksknospen, die Speichelproduktion lässt nach, mehrere Medikamente mit Wirkung auf den Geschmack kommen zusammen. Studien zeigen, dass etwa 30 Prozent der Menschen über 70 eine relevante Hypogeusie haben — die meisten ohne ärztliche Abklärung.
Diese Veränderungen sind nicht nur ein Komfortproblem: Sie können zu Mangelernährung und Gewichtsverlust führen, weil Essen weniger Freude macht. Gleichzeitig wird häufig mit Salz und Zucker übersalzen — was bei Bluthochdruck und Diabetes problematisch ist. Eine geriatrische Mitbetreuung mit gezielter Lebensmittelauswahl (geschmacksintensive Kräuter, gut gewürzte Speisen, ansprechende Präsentation) kann die Lebensqualität deutlich verbessern.
Zeitnah ärztlich abklären lassen, wenn:
Die Diagnostik richtet sich nach der Vorgeschichte und Begleitsymptomen:
Mehr: Arzttermin vorbereiten, Blutwerte verstehen.
Die Therapie richtet sich nach der Ursache — eine einheitliche Therapie der Dysgeusie gibt es nicht. Die wichtigsten Ansätze:
Bei viralen Atemwegsinfekten meist Spontanheilung binnen 1–2 Wochen. Bei chronischer Sinusitis: Nasenspülungen, lokale Steroidsprays, bei Bedarf operative Sanierung. Bei Allergischer Rhinitis: konsequente antiallergische Therapie.
Olfaktorisches Training über mindestens 12 Wochen — 2 Mal täglich 20–30 Sekunden an 4 verschiedenen Düften riechen. Bei Zinkmangel Substitution. Bei ausgeprägter Parageusie evtl. Gabapentin oder topische Lokalanästhetika in spezialisierter Sprechstunde. Der Verlauf ist oft langwierig, aber bei den meisten Betroffenen kommt es im Lauf von Monaten bis 2 Jahren zu deutlicher Besserung.
Identifikation und ärztliche Anpassung des verdächtigen Medikaments — Dosisreduktion, Wechsel oder Absetzen (immer ärztlich begleitet). Bei zwingend benötigten Medikamenten symptomatische Begleitung mit Mundpflege, Geschmacksmodifikation und ggf. Zinksubstitution.
Bei nachgewiesenem Mangel orale Substitution: Zink 25–50 mg/Tag über 8–12 Wochen, B12 bei Mangel parenteral oder oral, Eisen je nach Ursache. Kontrollen der Werte nach 8 bis 12 Wochen.
Speichelersatzmittel, künstlicher Speichel, Pilocarpin (bei nachgewiesener Sjögren-Syndrom), Anpassung medikamentöser Ursachen, ausreichende Trinkmenge, zuckerfreier Kaugummi zur Speichelstimulation.
Spezialisierte Sprechstunde — Therapieoptionen: Clonazepam (lokal als Lutschtablette), Gabapentin, trizyklische Antidepressiva in niedriger Dosis, Capsaicin-Mundspülungen, Verhaltenstherapie. Oft langwierige Verläufe mit Bedarf für interdisziplinäre Betreuung.
brite unterstützt dich dabei, Geschmacksstörung (Dysgeusie) besser einzuordnen und den Überblick über deine Medikamente zu behalten.