Thrombose und Lungenembolie:
Symptome, Behandlung & Vorbeugung

Auf einen Blick

HäufigkeitVenöse Thromboembolien (VTE) gehören zu den häufigsten kardiovaskulären Erkrankungen
Was passiertEin Blutgerinnsel (Thrombus) bildet sich in einer tiefen Vene (meist Bein) und kann in die Lunge verschleppt werden (Lungenembolie)
Leitsymptom ThromboseEinseitige Beinschwellung, Schmerz, Wärmegefühl, Rötung
Leitsymptom LungenemboliePlötzliche Atemnot, Brustschmerzen, Herzrasen — Notfall!
LeitlinieS2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie (AWMF 065-002, 2023)
ICD-10I80 (Phlebothrombose), I26 (Lungenembolie)

1. Was ist eine Thrombose?

Bei einer tiefen Venenthrombose (TVT) bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einer tiefen Vene — meistens in den Beinvenen, seltener in Arm-, Becken- oder Bauchvenen. Das Gerinnsel kann den Blutfluss behindern und Beschwerden verursachen.¹

Die größte Gefahr einer Thrombose ist die Lungenembolie: Wenn sich ein Teil des Gerinnsels löst und über den Blutkreislauf in die Lunge gelangt, kann es dort Lungengefäße verstopfen. Eine Lungenembolie kann lebensbedrohlich sein.¹,²

Thrombose und Lungenembolie werden zusammen als venöse Thromboembolie (VTE) bezeichnet.


2. Was ist eine Lungenembolie?

Bei einer Lungenembolie (LE) verstopft ein Blutgerinnsel — meistens aus einer tiefen Beinvenenthrombose — ein oder mehrere Gefäße in der Lunge. Je nach Größe des Gerinnsels kann die Lungenembolie von leicht (wenig Symptome) bis lebensbedrohlich (Kreislaufversagen) reichen.¹

Notfall: Verdacht auf Lungenembolie Bei plötzlicher Atemnot, Brustschmerzen oder Herzrasen — besonders wenn gleichzeitig ein Bein geschwollen ist — sofort Notruf 112 wählen.

3. Symptome

Tiefe Venenthrombose (Bein)

  • Einseitige Schwellung des Beins — das Leitsymptom; Unterschenkel oder gesamtes Bein
  • Schmerz — häufig im Wadenbereich, bei Belastung oder Druck verstärkt
  • Wärmegefühl und Rötung oder bläuliche Verfärbung
  • Spannungsgefühl, Schweregefühl
  • Glänzende, gespannte Haut

Lungenembolie

  • Plötzliche Atemnot — das häufigste Symptom
  • Atemabhängige Brustschmerzen (Stich beim Einatmen)
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Angst, Unruhe
  • Bluthusten (selten)
  • Bei schwerer Lungenembolie: Kreislaufinstabilität, Schwindel, Bewusstlosigkeit
Symptome können unspezifisch sein Die Symptome einer Lungenembolie sind nicht immer eindeutig. Bei Verdacht immer ärztliche Hilfe suchen — lieber einmal zu viel als zu wenig.

4. Risikofaktoren

Die Virchow-Trias beschreibt die drei Hauptfaktoren, die eine Thrombose begünstigen: verlangsamter Blutfluss, Gefäßwandschädigung und erhöhte Gerinnungsneigung.¹

Erworbene Risikofaktoren

  • Immobilisation — längere Bettlägerigkeit, Gipsverband, lange Flugreisen oder Autofahrten
  • Operation — besonders Hüft- und Knie-OPs, Bauch-OPs
  • Krebserkrankung — erhöht das Thromboserisiko erheblich
  • Adipositas
  • Rauchen
  • Alter — das Risiko steigt mit dem Alter
  • Frühere Thrombose oder Lungenembolie — deutlich erhöhtes Rezidivrisiko
  • Krampfadern (Varikosis) — umstritten als eigenständiger Risikofaktor, aber häufig assoziiert

Genetische Risikofaktoren (Thrombophilie)

  • Faktor-V-Leiden-Mutation — die häufigste genetische Gerinnungsstörung
  • Prothrombin-Mutation
  • Protein-C-, Protein-S- oder Antithrombin-Mangel
Thrombophilie-Diagnostik nicht routinemäßig Eine genetische Abklärung wird in der Regel nicht routinemäßig empfohlen, sondern nur bei bestimmten Konstellationen (z. B. Thrombose in jungem Alter, familiäre Häufung, wiederkehrende Thrombosen).¹

5. Diagnose

Tiefe Venenthrombose

  • Klinische Wahrscheinlichkeit: der Wells-Score hilft, die Wahrscheinlichkeit einer TVT einzuschätzen und das weitere diagnostische Vorgehen festzulegen.
  • D-Dimere: ein Bluttest. Erhöhte D-Dimere können auf eine Thrombose hindeuten, sind aber unspezifisch (auch bei Infektionen, nach OPs, im Alter erhöht). Normale D-Dimere bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit schließen eine Thrombose in der Regel aus.
  • Kompressionssonographie: Ultraschall der Beinvenen — das Standardverfahren. Schnell, schmerzlos, ohne Strahlung.

Lungenembolie

  • CT-Angiographie (CTPA): die Bildgebung der Wahl bei Verdacht auf Lungenembolie. Zeigt die Gerinnsel in den Lungengefäßen direkt.
  • Echokardiographie: kann bei instabilen Betroffenen Hinweise auf Rechtsherzbelastung geben und die Diagnose stützen.
  • Labor: D-Dimere, Troponin, BNP/NT-proBNP zur Risikoeinschätzung.

Mehr: Arzttermin vorbereiten.

6. Therapie: Blutverdünnung

Die Therapie der VTE besteht in der Regel aus einer Antikoagulation (Blutverdünnung), die das Gerinnsel am Wachsen hindert und dem Körper Zeit gibt, es abzubauen.¹

Erstlinie DOAK (direkte orale Antikoagulanzien)

Werden in der aktuellen Leitlinie bei den meisten Betroffenen als Erstlinientherapie empfohlen.¹

Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban, Dabigatran
Vorteile: feste Dosierung, keine regelmäßigen Blutkontrollen (INR), weniger Nahrungsmittel-Wechselwirkungen als Vitamin-K-Antagonisten. Die einzelnen Wirkstoffe unterscheiden sich in Einnahmehäufigkeit und Indikationen.
Etabliert Vitamin-K-Antagonisten
Phenprocoumon (Marcumar), Warfarin
Langjährig etabliert. Erfordern regelmäßige INR-Kontrollen und eine kontrollierte Vitamin-K-Zufuhr. Werden bei bestimmten Konstellationen bevorzugt (z. B. Antiphospholipid-Syndrom, mechanische Herzklappe).
Spezifisch Niedermolekulares Heparin (NMH)
Enoxaparin, Tinzaparin u. a.
Wird in der Regel in der Anfangsphase (als Überbrückung) oder bei Krebspatienten eingesetzt. Spritze unter die Haut.
Adjuvant Kompressionstherapie
Kompressionsstrümpfe
Können bei Beinschwellung und zur Symptomlinderung eingesetzt werden. Die Rolle der Kompression zur Verhinderung eines postthrombotischen Syndroms wird derzeit diskutiert.
Bei schwerer Lungenembolie Thrombolyse (medikamentöse Auflösung des Gerinnsels) oder in seltenen Fällen operative/interventionelle Verfahren. Diese Maßnahmen erfolgen in der Regel auf einer Intensivstation.

Mehr: Medikamente richtig einnehmen · Wechselwirkungen von Medikamenten.


7. Therapiedauer

Die Dauer der Antikoagulation hängt davon ab, ob die Thrombose durch einen vorübergehenden Risikofaktor ausgelöst wurde oder unprovoziert aufgetreten ist.¹

Provozierte VTE
Z. B. nach OP, Immobilisation, Gips — in der Regel drei bis sechs Monate Antikoagulation. Danach ist das Rezidivrisiko in der Regel gering.
Unprovozierte VTE
Kein klar identifizierbarer Auslöser — das Rezidivrisiko ist höher. In der Regel wird eine verlängerte oder sogar dauerhafte Antikoagulation erwogen. Die Entscheidung wird individuell unter Abwägung von Rezidivrisiko und Blutungsrisiko getroffen.
Krebsassoziierte VTE
Antikoagulation in der Regel solange die Krebserkrankung aktiv ist oder behandelt wird.
Blutverdünner nicht eigenmächtig absetzen Auch bei stabilem Befund sollten Antikoagulanzien niemals eigenmächtig pausiert oder abgesetzt werden — das Rezidivrisiko ist zu hoch. Vor Operationen, Zahneingriffen oder Endoskopien wird die Antikoagulation immer in Absprache mit der behandelnden Praxis angepasst.

8. Vorbeugung

  • Bewegung — langes Sitzen und Stehen vermeiden, regelmäßig Beine bewegen, bei Flugreisen aufstehen und Füße kreisen
  • Kompressionsstrümpfe — bei längeren Flugreisen oder bei erhöhtem Risiko
  • Thromboseprophylaxe im Krankenhaus — Heparin-Spritzen nach OPs und bei Bettlägerigkeit (wird in der Regel standardmäßig durchgeführt)
  • Rauchstopp
  • Gewichtskontrolle
  • Ausreichend trinken — besonders auf Flugreisen

Mehr: Medikamente auf Reisen.


So hilft brite dir bei VTE

DOAK pünktlich nehmen, INR bei Marcumar im Auge behalten, Wechselwirkungen mit Schmerzmitteln und Antibiotika prüfen — die Therapie steht und fällt mit der Compliance. Ausgelassene Dosen erhöhen das Rezidivrisiko, zu viel erhöht das Blutungsrisiko. brite hilft, die Balance zu halten.

  • Einnahme-Erinnerung — Apixaban zweimal täglich, Rivaroxaban einmal täglich zur Mahlzeit, Marcumar nach individuellem Dosierungsschema, NMH-Spritzen für die Anfangsphase: brite erinnert pünktlich. Bei DOAK ist die zeitliche Konstanz besonders wichtig — die Halbwertszeit ist kurz. Erinnerung einrichten
  • Wechselwirkungs-Check — Blutverdünner sind hochinteraktive Medikamente: NSAR (Ibuprofen, Diclofenac) erhöhen das Blutungsrisiko, manche Antibiotika (Clarithromycin) und Antimykotika können DOAK-Spiegel kritisch ansteigen lassen, Johanniskraut senkt die Wirkung. brite zeigt die kritischen Kombinationen sofort. Jetzt prüfen
  • Gesundheitsverlauf — INR-Werte (bei Marcumar), Beinumfang, Symptome, Blutungszeichen (Nasenbluten, Blutergüsse, Hämaturie) und Therapiedauer dokumentieren. Beim nächsten Termin in der Angiologie oder Kardiologie ist das die Grundlage für die Entscheidung „verlängern oder absetzen". Verlauf tracken
  • Digitaler Medikationsplan — alle Medikamente übersichtlich für Hausarzt, Angiologie und Kardiologie. Bei Notfällen oder vor Operationen der entscheidende Hinweis: Wer Blutverdünner nimmt, muss das jedem Behandelnden sofort mitteilen können. Zum Medikationsplan
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FAQ: Häufige Fragen zu Thrombose und Lungenembolie

Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene (meistens Bein). Eine Lungenembolie entsteht, wenn sich ein Teil dieses Gerinnsels löst und in die Lunge verschleppt wird. Die Lungenembolie ist eine Komplikation der Thrombose und kann lebensbedrohlich sein.¹
Je nach Ursache der Thrombose: Bei einer provozierten VTE (z. B. nach OP) in der Regel drei bis sechs Monate. Bei einer unprovozierten VTE wird häufig eine verlängerte oder dauerhafte Antikoagulation erwogen. Die Entscheidung wird individuell getroffen.¹
In der Regel ja — Bewegung wird sogar empfohlen. Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko (Kontaktsport, Kampfsport) sollten in der Regel gemieden werden, da Blutverdünner das Blutungsrisiko erhöhen. Die Belastung mit der behandelnden Praxis besprechen.
Direkte orale Antikoagulanzien (z. B. Rivaroxaban, Apixaban) — Blutverdünner in Tablettenform, die bei den meisten Betroffenen als Erstlinientherapie empfohlen werden. Vorteile gegenüber Marcumar: feste Dosierung, keine regelmäßigen INR-Kontrollen, weniger Nahrungsmittel-Wechselwirkungen.¹
Kompressionsstrümpfe können bei Beinschwellung und zur Symptomlinderung hilfreich sein. Die routinemäßige Empfehlung für alle Betroffenen wird aktuell diskutiert — neuere Studien zeigen, dass der Nutzen zur Verhinderung eines postthrombotischen Syndroms möglicherweise geringer ist als angenommen. Die Entscheidung individuell mit der Praxis besprechen.
Ja. Das Rezidivrisiko hängt von der Ursache ab: Bei provozierten Thrombosen (z. B. nach OP) ist es gering. Bei unprovozierten Thrombosen ist es deutlich höher. Eine verlängerte Antikoagulation kann das Rezidivrisiko senken.¹
Ja — langes Sitzen mit angewinkelten Beinen verlangsamt den Blutfluss. Maßnahmen: regelmäßig aufstehen, Füße kreisen, ausreichend trinken, bei erhöhtem Risiko Kompressionsstrümpfe tragen.
Nicht routinemäßig. Eine genetische Abklärung wird in der Regel nur bei bestimmten Konstellationen empfohlen: Thrombose in jungem Alter, familiäre Häufung, wiederkehrende Thrombosen. Die Entscheidung trifft die behandelnde Praxis.¹

11. Verwandte Themen

Quellen

  1. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie (AWMF Reg-Nr. 065-002, 2023). awmf.org
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Tiefe Venenthrombose. gesundheitsinformation.de
  3. ESC Guidelines on Acute Pulmonary Embolism (2019). escardio.org
  4. Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA). dga-gefaessmedizin.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei Verdacht auf Lungenembolie sofort den Notruf 112 wählen. Blutverdünner sollten nicht eigenmächtig abgesetzt, dosiert oder pausiert werden. Die Therapieplanung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: April 2026.