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Sarah K., 34
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Sertralin ist einer der weltweit am häufigsten verordneten Antidepressiva und gehört zur Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Etwa 5 Millionen Menschen in Deutschland nehmen Antidepressiva, viele davon Sertralin als Erstlinien-Therapie bei Depression oder Angststörung. Anders als Citalopram hat Sertralin ein geringeres QT-Verlängerungsrisiko - dafür sind sexuelle Nebenwirkungen mit 30-70 % Betroffenen ein häufiges Tabuthema.

Sertralin niemals abrupt absetzen - Absetzsyndrom häufig. Wirklatenz 2-6 Wochen. Bei Suizidgedanken Telefonseelsorge 0800 1110111, in akuter Krise 112. Bei Verdacht auf Serotonin-Syndrom sofort 112. Stand: Mai 2026.
Sertralin ist einer der am häufigsten verordneten SSRI und ein Erstlinien-Antidepressivum in der ambulanten Praxis. Im Folgenden die wichtigsten Eckdaten zur schnellen Orientierung; die einzelnen Punkte werden in den folgenden Kapiteln ausführlich erklärt.
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Wirkstoff | Sertralin - selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) |
| ATC-Code | N06AB06 - selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer |
| Wirkmechanismus | Hemmung des Serotonin-Transporters (SERT) - erhöht Serotonin im synaptischen Spalt; sekundäre neuronale Anpassungen |
| Hauptindikationen | Depression, Angststörungen, Panikstörung, Zwangsstörung, PTBS, soziale Phobie, PMDS |
| Übliche Dosis | Start 25-50 mg/Tag, Zieldosis 50-200 mg/Tag, 1× täglich |
| Wirklatenz | 2-6 Wochen (Depression), bis 12 Wochen (Zwangsstörung) |
| Halbwertszeit | Ca. 26 Stunden |
| Stoffwechsel | Leber über CYP2C19, CYP2B6, CYP3A4, CYP2D6 |
| QT-Risiko | Gering - günstig bei Herzpatienten |
| Schwerste Risiken | Serotonin-Syndrom, Hyponatriämie, Blutungsneigung; Suizidalität-Erhöhung in den ersten Wochen (besonders bei unter 25-Jährigen) |
| Wichtige Warnung | Niemals abrupt absetzen - SSRI-Absetzsyndrom häufig; ausschleichen über 2-8 Wochen |
| Rezeptpflicht | Ja |
Sertralin ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und gehört zu den am häufigsten verordneten Antidepressiva in Deutschland. Es wird sowohl bei Depressionen als auch bei einer Vielzahl von Angststörungen, Zwangsstörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen und beim prämenstruellen Syndrom eingesetzt. Sertralin gilt im Vergleich zu anderen SSRI als gut verträglich, weshalb es oft als Erstlinien-Medikament in der ambulanten Praxis empfohlen wird.
Entwickelt wurde Sertralin in den 1980er Jahren und 1991 erstmals zugelassen. Es gehört zur zweiten Generation der Antidepressiva - nach den älteren trizyklischen Antidepressiva (TZA), die zwar wirksam, aber mit deutlich mehr Nebenwirkungen behaftet sind. SSRI haben die Antidepressivatherapie revolutioniert, weil sie deutlich besser verträglich und in der Überdosis weniger gefährlich sind. Sertralin ist eines der weltweit am häufigsten verschriebenen Medikamente überhaupt.
Wichtig zu verstehen: Sertralin ist kein „Glückspillen", das die Stimmung kurzfristig hebt, sondern ein Medikament, das die zugrundeliegende neurobiologische Funktionsstörung bei Depressionen und Angststörungen behandelt. Die Wirkung baut sich über Wochen auf - die ersten Tage und Wochen sind oft anstrengend, weil Nebenwirkungen vor der eigentlichen Wirkung auftreten. Diese „Wirklatenz" wird in der Sprechstunde oft unzureichend kommuniziert und ist eine der häufigsten Ursachen für vorzeitigen Therapieabbruch.
Sertralin gehört zu den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Sein Wirkmechanismus an der Nervenzelle ist gut erforscht - die Übersetzung in die klinische Wirkung ist allerdings noch nicht vollständig verstanden. Was wir wissen:
Im Gehirn kommunizieren Nervenzellen über chemische Botenstoffe - sogenannte Neurotransmitter. Serotonin ist einer der wichtigsten dieser Botenstoffe und reguliert Stimmung, Angst, Schlaf, Appetit, Schmerzwahrnehmung und vieles mehr. Wenn eine Nervenzelle Serotonin in den synaptischen Spalt freisetzt, wird es normalerweise schnell wieder in die Zelle zurückgepumpt - über den Serotonin-Transporter (SERT). Sertralin blockiert diesen Transporter und sorgt so dafür, dass Serotonin länger im synaptischen Spalt verfügbar bleibt.
Allerdings: Die alleinige Erhöhung von Serotonin würde die antidepressive Wirkung nicht erklären - denn diese Erhöhung tritt innerhalb von Stunden ein, die antidepressive Wirkung aber erst nach Wochen. Heute geht man davon aus, dass es sekundäre Anpassungsvorgänge in der Nervenzelle gibt: Veränderungen der Rezeptordichte und -empfindlichkeit, Neuroplastizität (Neubildung von Nervenverbindungen), Anpassung anderer Neurotransmittersysteme (Noradrenalin, Dopamin). Diese Prozesse brauchen Zeit - und erklären die typische Wirklatenz von 2 bis 6 Wochen.
Sertralin wird nach oraler Einnahme gut resorbiert, erreicht maximale Plasmaspiegel nach 4 bis 8 Stunden und hat eine Halbwertszeit von etwa 26 Stunden - daher die einmal tägliche Einnahme. Die Verstoffwechslung erfolgt überwiegend in der Leber über mehrere CYP-Enzyme (CYP2C19, CYP2B6, CYP3A4, CYP2D6). Im Vergleich zu anderen SSRI hat Sertralin ein moderates Interaktionsprofil - geringer als Fluoxetin oder Fluvoxamin, ähnlich wie Citalopram oder Escitalopram.
Die häufigste Indikation. Bei mittlerer bis schwerer Depression ist Sertralin ein etabliertes Erstlinien-Medikament. Wirksamkeit und Verträglichkeit sind sehr gut belegt - bei etwa der Hälfte der Patienten kommt es zu einer deutlichen Besserung, weitere 20 bis 30 Prozent profitieren teilweise. Die Therapie umfasst üblicherweise eine Akutphase von 6 bis 12 Wochen (Symptomremission anstreben) und eine Erhaltungstherapie von mindestens 6 bis 9 Monaten (manchmal länger), um Rückfälle zu vermeiden.
Bei Angststörungen gilt Sertralin als eines der Mittel der ersten Wahl. Bei Panikstörungen verbessert es sowohl die Anfallshäufigkeit als auch die Schwere - wichtige Besonderheit: zu Beginn der Therapie kann es zur paradoxen Verstärkung von Angstsymptomen kommen. Daher wird bei Angststörungen mit einer noch niedrigeren Anfangsdosis (12,5-25 mg) und sehr langsamer Aufdosierung gestartet, oft mit überbrückender Begleitmedikation (z. B. niedrig dosiertes Benzodiazepin oder Pregabalin).
Sertralin ist eines der wenigen Antidepressiva, das ausdrücklich für die Behandlung der Zwangsstörung zugelassen ist. Bei Zwangsstörungen werden oft höhere Dosen benötigt als bei Depressionen (bis 200 mg/Tag), und die Wirklatenz kann länger sein (bis zu 12 Wochen).
Sertralin ist in den USA explizit für die Behandlung der PTBS zugelassen und gehört in deutschen Leitlinien zu den empfohlenen Erstlinien-Medikamenten. Es bessert Symptome wie Intrusionen, Vermeidungsverhalten und Hyperarousal. In der Regel kombiniert mit traumafokussierter Psychotherapie.
Bei sozialen Angststörungen (z. B. Sprechangst, generalisierte soziale Phobie) ist Sertralin gut wirksam und etabliert. Kombination mit Verhaltenstherapie ist Standard.
Bei schwerer prämenstrueller Dysphorie kann Sertralin entweder kontinuierlich oder nur in der zweiten Zyklushälfte (luteale Phase) eingenommen werden - letzteres Verfahren ist eine Besonderheit unter den SSRI und gut belegt.
Die richtige Dosierung von Sertralin hängt von der Indikation und der individuellen Verträglichkeit ab. Sehr wichtig: SSRI immer einschleichen - abruptes Starten mit der Zieldosis verstärkt die anfänglichen Nebenwirkungen massiv und führt häufig zum Therapieabbruch:
| Indikation | Startdosis | Zieldosis |
|---|---|---|
| Depression Erwachsene | 50 mg/Tag morgens | 50-200 mg/Tag |
| Generalisierte Angststörung / Panikstörung | 25 mg/Tag für 7 Tage, dann 50 mg | 50-200 mg/Tag |
| Zwangsstörung | 50 mg/Tag | 100-200 mg/Tag (oft höher) |
| PMDS bei lutealer Therapie | 50 mg/Tag in den 14 Tagen vor der Periode | 50 mg/Tag |
| Ältere Patienten | 25 mg/Tag | Langsame Steigerung |
| Leberinsuffizienz | Halbe Standarddosis | Vorsichtige Titration |
| Niereninsuffizienz | Keine Anpassung erforderlich | Standarddosierung |
Eine der wichtigsten Botschaften für Patienten: Sertralin wirkt nicht akut. Die typische Wirklatenz beträgt 2 bis 6 Wochen bei Depressionen, bis zu 12 Wochen bei Zwangsstörungen. In dieser Zeit treten Nebenwirkungen oft zuerst auf, die Wirkung erst danach. Wer nicht durchhält, gibt eine wirksame Therapie auf, bevor sie ihre Chance hatte.
Wichtig zu wissen: Diese Wirklatenz gilt für alle SSRI und SNRI. Sie ist nicht ein „Mangel" der Medikamente, sondern Ausdruck der zugrundeliegenden Anpassungsvorgänge in den Nervenzellen. Bei Angststörungen kann die Wirkung früher einsetzen, bei Zwangsstörungen oft später. Geduld und realistische Erwartungen sind entscheidend.
Sertralin ist insgesamt gut verträglich - schwere Nebenwirkungen sind selten. Häufig auftretende Nebenwirkungen (mehr als 1 von 100 Anwendern) sind:
Gelegentlich (1 von 100 bis 1 von 1.000):
Sexuelle Nebenwirkungen sind eine der häufigsten und am meisten tabuisierten Nebenwirkungen aller SSRI - sie betreffen je nach Studie 30 bis 70 Prozent der Anwender, oft mehr Frauen als Männer berichten und überhaupt erst, wenn aktiv danach gefragt wird. Typisch sind:
Was tun: Diese Nebenwirkungen werden in der Sprechstunde leider oft nicht angesprochen - weder von Ärzten noch von Patienten. Wichtig ist offene Kommunikation. Optionen bei belastenden Symptomen sind: Dosisreduktion (oft schon hilfreich), „Drug-Holiday" (Einnahmepause am Wochenende - kontrovers diskutiert), Wechsel auf SSRI mit geringerem Profil (Bupropion ist hier deutlich besser, aber nicht in Deutschland zugelassen für diese Indikation) oder Mirtazapin, Beigabe von Sildenafil bei erektiler Dysfunktion (Off-Label), Psychotherapie zur Bewältigung.
Seltene, aber wichtige Nebenwirkungen:
Lebensbedrohlich, vor allem bei Kombination mit anderen serotonerg wirkenden Substanzen (andere SSRI/SNRI, MAO-Hemmer, Triptane, Tramadol, Linezolid, Methylenblau, MDMA, Johanniskraut). Symptome: psychische Veränderungen (Unruhe, Verwirrtheit), vegetative Symptome (Schwitzen, Herzrasen, Bluthochdruck, Pupillenerweiterung, Fieber), neuromuskuläre Symptome (Zittern, Muskelzuckungen, Reflexsteigerung, Klonus).
SSRI können das Antidiuretische Hormon (ADH) übermäßig stimulieren - mit verminderter Natriumausscheidung. Folge: Hyponatriämie, vor allem bei älteren Patienten. Symptome: Müdigkeit, Verwirrtheit, Kopfschmerzen, im Extremfall Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit. Regelmäßige Natriumkontrollen bei älteren Patienten, vor allem in den ersten Wochen und bei Komedikation mit Diuretika.
SSRI hemmen die Serotonin-Aufnahme in Thrombozyten und beeinträchtigen die Plättchenfunktion. Erhöhtes Risiko für: gastrointestinale Blutungen (besonders in Kombination mit NSAR oder Antikoagulantien), perioperative Blutungen, Nasenbluten, leichte Blutergüsse. Bei OP-Planung ärztliche Rücksprache.
Sertralin hat im Vergleich zu Citalopram ein geringes QT-Verlängerungsrisiko und ist daher bei Risikopatienten oft die bessere Wahl. Bei Patienten mit bekannter QT-Verlängerung oder Kombination mit anderen QT-verlängernden Medikamenten ist trotzdem Vorsicht geboten.
Bei vorher unerkannter bipolarer Störung kann ein SSRI eine manische oder hypomane Episode auslösen. Bei jeder neuen Antidepressiva-Therapie sorgfältige Anamnese zu früheren manischen Symptomen.
Eine sensible, aber wichtige Thematik. Vor allem zu Beginn der SSRI-Therapie kann es bei manchen Patienten zu einer Zunahme von suizidalen Gedanken oder Verhalten kommen. Dieser Effekt ist besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen (unter 25 Jahren) beschrieben - die Black-Box-Warnung der FDA aus dem Jahr 2004 hat das Bewusstsein dafür geschärft.
Wichtig zur Einordnung: Depression selbst ist die häufigste Ursache für Suizidalität - und SSRI reduzieren das Suizidrisiko im Mittel deutlich. Die Erhöhung in den ersten Wochen erklärt sich vermutlich durch: zunächst zurückkehrende Energie und Antrieb vor einer Stimmungsbesserung (Patienten haben wieder „die Kraft" für eine Handlung), Aktivierungssyndrom mit verstärkter Unruhe, paradoxe Verstärkung in den ersten Tagen.
Was tun: Engmaschige ärztliche Begleitung in den ersten 4 bis 6 Wochen, vor allem bei jungen Patienten. Aufklärung der Patienten und Angehörigen über mögliche Verstärkung. Bei zunehmender Suizidalität oder Selbstverletzungsneigung: sofortige ärztliche Vorstellung, ggf. Krisenintervention, Telefonseelsorge (0800 1110111 oder 0800 1110222 in Deutschland).
Sertralin hat ein moderates Wechselwirkungspotenzial. Die wichtigsten Interaktionen:
| Kategorie | Substanz | Risiko/Effekt | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Serotonin-Syndrom | Andere SSRI/SNRI | Erhöhtes Serotonin-Syndrom-Risiko | Niemals kombinieren |
| Serotonin-Syndrom | MAO-Hemmer (Tranylcypromin, Moclobemid, Selegilin, Linezolid, Methylenblau) | Lebensbedrohlich | Strikt kontraindiziert - 14 Tage Karenz |
| Serotonin-Syndrom | Triptane (Sumatriptan u.a.) | Theoretisches Risiko | Vorsicht |
| Serotonin-Syndrom | Tramadol | Relevante Interaktion | Vorsicht, möglichst meiden |
| Serotonin-Syndrom | Lithium | Spiegelveränderungen | Regelmäßige Spiegelkontrollen |
| Serotonin-Syndrom | Johanniskraut (pflanzlich!) | Serotonin-Syndrom-Risiko | Niemals kombinieren |
| Serotonin-Syndrom | MDMA, andere Drogen | Lebensgefahr | Strikt vermeiden |
| CYP2D6-Inhibition | Trizyklische Antidepressiva | Erhöhte TZA-Spiegel | Dosisanpassung |
| CYP2D6-Inhibition | Tamoxifen | Verminderte Wirksamkeit von Tamoxifen! | Bei Mammakarzinom anderen SSRI bevorzugen |
| CYP2D6-Inhibition | Codein, Tramadol | Verminderte Aktivierung der Prodrugs | Wirkverlust möglich |
| CYP2D6-Inhibition | Metoprolol, andere Betablocker | Erhöhte Spiegel | Dosisreduktion erwägen |
| Blutungsrisiko | NSAR (Ibuprofen, Diclofenac) | Erhöhtes GI-Blutungsrisiko | PPI-Magenschutz erwägen |
| Blutungsrisiko | Antikoagulantien, ASS, Clopidogrel | Erhöhtes Blutungsrisiko | Vorsicht, Blutungsmonitoring |
| Hyponatriämie | Diuretika | Erhöhtes Hyponatriämie-Risiko | Natriumkontrollen |
| QT-Verlängerung | Pimozid | QT-Verlängerung | Kontraindiziert |
Mehr unter Wechselwirkungen von Medikamenten und Medikamente richtig einnehmen.
Eine häufig gestellte Frage. Die pharmakologische Wechselwirkung ist begrenzt - Sertralin verstärkt die Alkoholwirkung nicht direkt. Aber: Alkohol ist ein zentral dämpfendes Mittel und ein Depressivum im wahrsten Sinne des Wortes. Bei Patienten mit Depression oder Angststörung kann regelmäßiger Alkoholkonsum den Therapieerfolg massiv beeinträchtigen - und im schlimmsten Fall die Erkrankung verschlechtern.
Praktische Empfehlungen: Während der Akutphase der Behandlung (erste 6-8 Wochen) Alkohol möglichst meiden. Danach gelegentlicher, mäßiger Alkoholkonsum meist möglich - aber kein „tröstendes Trinken" bei schlechter Stimmung. Bei Komorbidität mit Alkoholabhängigkeit ist eine spezialisierte suchtmedizinische Mitbetreuung essenziell. Wichtig: Alkohol kann die durch Sertralin verursachte Schläfrigkeit und Reaktionszeit beeinträchtigen - besonders relevant beim Autofahren.
Sertralin ist einer von mehreren SSRI auf dem deutschen Markt. Eine vergleichende Einordnung:
| Wirkstoff | Klasse | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|
| Sertralin | SSRI | Breite Zulassung, gut verträglich, geringes QT-Risiko | Wirklatenz wie alle SSRI |
| Citalopram/Escitalopram | SSRI | Gut verträglich, oft erste Wahl | Höheres QT-Risiko (besonders Citalopram) |
| Fluoxetin | SSRI | Lange Halbwertszeit, weniger Absetzprobleme | Starke CYP-Interaktionen |
| Paroxetin | SSRI | Stark wirksam | Ausgeprägtes Absetzsyndrom, Gewichtszunahme |
| Fluvoxamin | SSRI | Gut bei Zwangsstörungen | Starke CYP-Interaktionen |
| Venlafaxin | SNRI | Bei Schmerzkomponente, Therapieresistenz | Blutdruck, Absetzsyndrom |
| Duloxetin | SNRI | Bei depressiven Schmerzsyndromen, Fibromyalgie | Leberbelastung |
| Mirtazapin | NaSSA | Bei Schlafstörungen und Gewichtsverlust | Gewichtszunahme, Sedierung |
| Bupropion | NDRI | Kaum sexuelle Nebenwirkungen, kein Gewichtszunahme | In Deutschland nur als Raucherentwöhnung zugelassen |
Klinische Faustregel: Bei Erstmanifestation einer Depression mit Komorbidität kardialer Erkrankungen oder Polypharmazie ist Sertralin oft eine gute erste Wahl. Bei dominanter Angstkomponente Citalopram/Escitalopram oder Sertralin. Bei Schmerzen Duloxetin oder Venlafaxin. Bei Schlafstörungen und Gewichtsverlust Mirtazapin.
Ein extrem wichtiges, aber unterschätztes Thema. Auch wenn SSRI nicht abhängig machen im klassischen Sinne (keine Toleranzentwicklung, kein „Verlangen", keine Dosissteigerung), können sie bei plötzlichem Absetzen ein deutliches Absetzsyndrom (SSRI Discontinuation Syndrome) auslösen.
Bei älteren Patienten gehört Sertralin zu den bevorzugten SSRI - wegen guter Verträglichkeit, geringer QT-Verlängerung und moderatem Interaktionsprofil. Besonderheiten:
Zeitnah ärztlich abklären lassen, wenn unter Sertralin-Therapie auftritt:
| Beobachtung | Häufigkeit | Typischer Kommentar |
|---|---|---|
| Therapieabbruch in den ersten 2 Wochen wegen Übelkeit | Sehr häufig | „Ich habe nach 5 Tagen aufgehört, weil mir so übel war - hätte ich gewusst, dass das vorübergeht, wäre ich dabeigeblieben." |
| Sexuelle NW erst beim 3. Arztgespräch erwähnt | Sehr häufig | „Beim Hausarzt war es mir peinlich - nach 6 Monaten habe ich es endlich gesagt, eine Dosisreduktion hat sehr geholfen." |
| Brain Zaps beim Absetzen | Sehr häufig | „Beim zu schnellen Absetzen hatte ich diese komischen elektrischen Schocks im Kopf - mit langsamerem Tapering verschwanden sie." |
| Johanniskraut zusätzlich aus der Apotheke | Häufig | „Ich dachte, pflanzlich plus Tablette wäre extra gut - in der Notaufnahme stellte sich Serotonin-Syndrom heraus." |
| Tamoxifen-Wirkverlust durch Sertralin | Selten, aber wichtig | „Nach Brustkrebs auf Tamoxifen, dazu Sertralin gegen Depression - der Onkologe hat auf Escitalopram umgestellt wegen CYP2D6." |
| Hyponatriämie bei Älteren mit Diuretika | Häufig im Alter | „Meine Mutter wurde nach 3 Wochen Sertralin verwirrt eingeliefert - der Natriumspiegel war auf 121 abgefallen." |
Sertralin Erfahrungen in den ersten Wochen - wie schlimm ist es wirklich? Die ersten 1-2 Wochen sind oft die schwierigsten. Was viele berichten: ausgeprägte Übelkeit (oft die häufigste NW), Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, verstärkte innere Unruhe oder paradoxe Angst, Schlafstörungen, manchmal „brain fog" oder Benommenheit. Was die meisten überrascht: die Stimmung wird zuerst nicht besser, manchmal sogar leicht schlechter - obwohl der Körper sich umstellt. Was hilft: sehr langsame Aufdosierung (statt 50 mg gleich 25 mg über 1-2 Wochen), Einnahme mit Essen gegen Übelkeit, evtl. abendliche Einnahme bei Tagesmüdigkeit oder morgens bei Schlafstörungen. Wichtigste Botschaft: die meisten Anfangsnebenwirkungen bessern sich nach 7-14 Tagen deutlich. Wer bis Woche 3 durchhält, profitiert oft enorm.
Sertralin Wirkung - woran merke ich, dass es wirkt? Die Wirkung ist meistens subtil und schleichend, nicht plötzlich. Erste Veränderungen nach 2-3 Wochen: weniger Grübeln, klareres Denken, etwas mehr Energie, leichtere Bewältigung des Alltags. Nach 4-6 Wochen: Stimmungsverbesserung, mehr Interesse, besserer Schlaf, weniger Angst. Häufige Beobachtung: Angehörige merken die Veränderung oft vor dem Patienten selbst - „du bist wieder mehr du selbst". Was sich NICHT ändert: die Persönlichkeit bleibt - SSRI „dämpfen" das Selbst nicht weg, sondern entlasten die zugrundeliegende Funktionsstörung. Bei ausbleibender Wirkung nach 6-8 Wochen mit ausreichender Dosis (mindestens 100-150 mg): Therapieanpassung durch Dosiserhöhung, Augmentation oder Präparatewechsel sinnvoll.
Sertralin und Schwangerschaft - geht das? Eine wichtige und oft sorgenvolle Frage. Sertralin gilt als einer der besser untersuchten SSRI in der Schwangerschaft und wird bei klarer Indikation oft fortgeführt. Risiken: leicht erhöhtes Risiko für Frühgeburt, Anpassungsstörungen beim Neugeborenen (Schreckhaftigkeit, Trinkschwäche, in seltenen Fällen pulmonale Hypertonie). Wichtig zur Einordnung: eine unbehandelte schwere Depression in der Schwangerschaft hat ebenfalls erhebliche Risiken für Mutter und Kind (Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht, postpartale Depression, Bindungsstörung). Stillzeit: Sertralin gilt als eines der bevorzugten Antidepressiva, geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. Praktisch: die Entscheidung individuell mit Psychiater und Gynäkologe treffen - meist überwiegen die Vorteile bei klar indizierter Therapie.
Sertralin macht impotent - was kann ich tun? Eine der häufigsten und am meisten tabuisierten Beschwerden. Sexuelle NW betreffen 30-70 % der SSRI-Anwender - die wahre Häufigkeit ist wahrscheinlich höher, weil viele es nicht ansprechen. Lösungsoptionen mit dem Arzt: 1) Abwarten - bei manchen bessert sich nach 6-8 Wochen, 2) Dosisreduktion - oft schon hilfreich, 3) Drug Holiday - 2 Tage Pause am Wochenende (umstritten, klappt nicht immer), 4) Sildenafil-Add-On bei Männern mit Erektionsstörungen (off-label, aber etabliert), 5) Wechsel auf anderen Wirkstoff mit besserem Profil: Bupropion (in DE nur als Raucherentwöhnung), Mirtazapin, Agomelatin, Trazodon. Bei PSSD-Verdacht (persistierende Funktionsstörungen nach Absetzen) spezialisierte Sprechstunde. Wichtigste Botschaft: ansprechen lohnt sich - es gibt mehr Optionen, als viele glauben.
Sertralin Absetzen - wie viele Wochen wirklich? Die meisten Patienten unterschätzen das. Faustregeln nach Therapiedauer: Bei kurzer Therapie (3-6 Monate): über 2-4 Wochen ausschleichen. Bei mittlerer Dauer (6-24 Monate): über 4-8 Wochen, in Schritten von je 25 mg. Bei langer Dauer (über 2 Jahre): über 2-6 Monate, mit „Hyperbolic Tapering" - die niedrigen Dosen brauchen besonders lange. Praktisch: z. B. 200 mg → 150 mg (2 Wochen) → 100 mg (2 Wochen) → 75 mg (2 Wochen) → 50 mg (3 Wochen) → 25 mg (3-4 Wochen) → 12,5 mg (3-4 Wochen) → Stop. Bei Absetzsymptomen letzte Stufe nochmal länger oder zurück. Wichtig: bei wiederkehrenden depressiven Symptomen nach Absetzen kann das ein Rezidiv sein - dann nicht heroisch durchhalten, sondern erneut Therapie erwägen. Die Anzahl an Episoden bestimmt die Wahrscheinlichkeit für weitere Episoden - nach 3+ Episoden meist Langzeittherapie sinnvoll.