Arthrose:
Symptome, betroffene Gelenke und was wirklich hilft

Auf einen Blick

Was ist das? Die häufigste Gelenkerkrankung: Der Gelenkknorpel nutzt sich ab, dadurch entstehen Schmerzen und Steifheit.
Wen trifft es? Das Risiko steigt mit dem Alter, oft ab 50. Auch jüngere Menschen können nach Verletzungen oder Überlastung betroffen sein.
Leitsymptome Anlaufschmerz nach Ruhe, Belastungsschmerz, kurze Morgensteifigkeit, Reibegeräusche im Gelenk.
Häufige Gelenke Knie, Hüfte und Hände, oft auch die Wirbelsäule.
Behandlung Bewegung, Gewichtsreduktion, Schmerzmittel vom Gel bis zur Tablette, bei Bedarf ein künstliches Gelenk.
ICD-10 M15 bis M19 (je nach Gelenk)

Was ist Arthrose?

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit. Dabei nutzt sich der Gelenkknorpel ab, der die Knochenenden überzieht und im Gelenk als Stoßdämpfer wirkt. Wird der Knorpel dünner, reiben die Knochen stärker aneinander. Die Folge sind Schmerzen, Steifheit und mit der Zeit eine eingeschränkte Beweglichkeit.

Anders als bei einer reinen Entzündung (Arthritis) steht bei der Arthrose der Verschleiß im Vordergrund. Beides kann sich aber überlagern: Ein gereiztes Gelenk mit Entzündungszeichen nennt man aktivierte Arthrose. Wichtig zu wissen: Viele Menschen haben im Röntgenbild Verschleißzeichen, ohne Beschwerden zu spüren. Umgekehrt sagt das Ausmaß im Bild nicht immer etwas über die Stärke der Schmerzen aus.

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Ursachen und Risikofaktoren

Arthrose entsteht meist aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Eine Rolle spielen vor allem:

  • Alter und die allgemeine Abnutzung über die Jahre.
  • Übergewicht, das vor allem Knie und Hüfte stark belastet.
  • frühere Verletzungen wie Kreuzbandriss, Meniskusschaden oder Knochenbruch.
  • Fehlstellungen wie X-Beine oder O-Beine.
  • starke einseitige Belastung durch Beruf oder Sport.
  • familiäre Veranlagung, besonders bei der Handarthrose.

Symptome der Arthrose

Typisch für die Arthrose ist ein bestimmtes Schmerzmuster, das sie von anderen Gelenkbeschwerden unterscheidet:

  • Anlaufschmerz: Die ersten Schritte nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen schmerzen, danach wird es besser.
  • Belastungsschmerz: Schmerzen beim Gehen, Treppensteigen oder Tragen.
  • kurze Morgensteifigkeit, die meist nach wenigen Minuten nachlässt (in der Regel unter 30 Minuten).
  • Reibe- oder Knirschgeräusche im Gelenk.
  • nachlassende Beweglichkeit des Gelenks.

In fortgeschrittenen Stadien können die Schmerzen auch in Ruhe oder nachts auftreten. Mehr zum Thema findest du auf der Seite Gelenkschmerzen.

Abgrenzung zur Entzündung Hält die Morgensteifigkeit deutlich länger als eine halbe Stunde an oder sind mehrere kleine Gelenke gleichzeitig betroffen, geschwollen und überwärmt, kann eine entzündliche Gelenkerkrankung wie Rheuma dahinterstecken. Das gehört ärztlich abgeklärt.

Selbsttest: Habe ich Arthrose?

Dieser kurze Selbstcheck ersetzt keine Diagnose, hilft dir aber einzuschätzen, ob deine Beschwerden zu einer Arthrose passen. Je mehr Punkte zutreffen, desto wahrscheinlicher ist es.

  • Die ersten Schritte nach dem Aufstehen oder nach langem Sitzen tun weh, danach wird es besser.
  • Mein Gelenk schmerzt bei Belastung wie Treppensteigen, Gehen oder Tragen.
  • Morgens ist das Gelenk kurz steif, lockert sich aber innerhalb weniger Minuten.
  • Ich spüre oder höre ein Reiben oder Knirschen im Gelenk.
  • Das Gelenk lässt sich nicht mehr so weit bewegen wie früher.
  • Ich bin über 50 oder hatte früher eine Gelenkverletzung oder starke Belastung.
Was der Test bedeutet Treffen mehrere Punkte zu, ist eine Arthrose wahrscheinlich. Sicherheit bringt nur die ärztliche Untersuchung. Suche zeitnah Rat, wenn die Beschwerden dich im Alltag einschränken oder rasch zunehmen.

Welche Gelenke sind betroffen?

Arthrose kann fast jedes Gelenk treffen, aber einige besonders häufig. Das betroffene Gelenk bestimmt mit, welche Beschwerden im Vordergrund stehen und welche Behandlung am meisten bringt.

Knie Kniearthrose (Gonarthrose)

Die häufigste Form. Typisch sind Schmerzen beim Treppensteigen, beim Bergabgehen und beim Aufstehen aus der Hocke. Besonders wirksam sind hier Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur und, bei Übergewicht, eine Gewichtsreduktion. Mehr dazu: Knieschmerzen.

Hüfte Hüftarthrose (Coxarthrose)

Der Schmerz sitzt oft in der Leiste oder im Oberschenkel und kann bis ins Knie ausstrahlen. Früh fällt auf, dass sich das Bein schlechter nach innen drehen lässt. Bewegungstherapie und gelenkschonende Ausdauer helfen, die Beweglichkeit zu erhalten.

Hand Handarthrose

Betroffen sind oft die Fingerend- und Mittelgelenke sowie das Daumensattelgelenk (Rhizarthrose). Es können sich knöcherne Verdickungen bilden. Hier helfen vor allem lokale Schmerzgele, Handübungen und bei Bedarf Schienen.

Auch die Wirbelsäule ist häufig betroffen (Spondylarthrose), wenn sich die kleinen Wirbelgelenke abnutzen. Das kann zu Rücken- und Nackenschmerzen führen.

Diagnose: Wie wird das festgestellt?

Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt meist aus dem typischen Beschwerdebild, der körperlichen Untersuchung und einem Röntgenbild. Im Röntgen zeigen sich Zeichen wie ein verschmälerter Gelenkspalt, knöcherne Anbauten (Osteophyten) und ein verdichteter Knochen unter dem Knorpel.

Eine wichtige Einordnung: Das Ausmaß im Röntgen und die Stärke der Beschwerden passen nicht immer zusammen. Bluttests gehören nicht zur Arthrose-Diagnose selbst, helfen aber, andere Ursachen wie eine rheumatoide Arthritis oder Gicht auszuschließen.

Behandlung im Überblick

Arthrose lässt sich nicht heilen, aber gut behandeln. Ziel ist, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu erhalten und das Fortschreiten zu verlangsamen. Die Behandlung folgt einem Stufenprinzip und beginnt immer mit den Grundlagen:

  • Bewegung und gezieltes Training.
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht.
  • Schmerzmittel nach Bedarf, vom Gel bis zur Tablette.
  • Hilfsmittel wie Einlagen, Bandagen oder Gehstützen.
  • erst wenn das nicht ausreicht, eine Operation.

Welche Bausteine im Vordergrund stehen, hängt vom betroffenen Gelenk, vom Stadium und von deinen persönlichen Risiken ab.

Medikamente: die Stufen der Schmerztherapie

Bei den Medikamenten gilt: so gezielt und so niedrig dosiert wie möglich. Statt pauschal zur Tablette zu greifen, geht man am besten stufenweise vor.

Stufe Was Wann sinnvoll Wichtig zu wissen
1 Lokale NSAR als Gel (z. B. Diclofenac, Ibuprofen) Erste Wahl bei Knie- und Handarthrose Nur wenig Wirkstoff gelangt in den Körper, daher meist gut verträglich
2 Orale NSAR als Tablette (z. B. Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac) Bei stärkeren Schmerzen oder mehreren Gelenken Niedrigste wirksame Dosis, kürzeste Zeit; bei Magenrisiko mit Magenschutz (PPI)
3 Kortison-Spritze ins Gelenk Bei akuten, starken Schmerzphasen Wirkt einige Wochen, nur begrenzt wiederholen, keine Dauerlösung
4 Weitere Optionen (z. B. Duloxetin, Capsaicin-Creme) Bei chronischen Schmerzen oder wenn NSAR nicht infrage kommen Reserveoptionen, die individuell abgewogen werden

Tabelle seitlich scrollen →

Diclofenac (als Gel oder Tablette)
Als Gel: oft die erste Wahl bei Knie- und Handarthrose, weil nur wenig in den Körper gelangt. Als Tablette: stärker wirksam, aber mit höherem Risiko für Magen und Herz-Kreislauf. Details: Diclofenac.
Naproxen (Tablette)
Was: ein NSAR mit vergleichsweise günstigerem Herz-Kreislauf-Profil, das bei entsprechendem Risiko oft bevorzugt wird. Wie alle NSAR: niedrigste Dosis, kürzeste Zeit, bei Magenrisiko mit Magenschutz. Details: Naproxen.
NSAR nicht dauerhaft auf eigene Faust Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wirken gut, können aber bei längerer Einnahme Magen, Nieren und Herz-Kreislauf belasten. Nimm sie so kurz und so niedrig dosiert wie möglich und sprich eine Dauereinnahme immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Was wenig bringt

Einige bekannte Mittel werden oft eingesetzt, obwohl ihr Nutzen bei Arthrose gering oder nicht belegt ist:

  • Paracetamol allein: bei Arthrose kaum wirksam, höchstens kurzfristig als Ergänzung.
  • Glucosamin und Chondroitin: kein überzeugender Wirknachweis, von Leitlinien nicht empfohlen.
  • Opioide: nur in seltenen Ausnahmefällen und mit klaren Risiken.
  • Hyaluronsäure-Spritzen: der Nutzen ist umstritten, meist werden sie nicht empfohlen.

Bewegung und Physiotherapie

Bewegung ist bei Arthrose nicht nur erlaubt, sondern eine der wirksamsten Maßnahmen überhaupt. Entscheidend ist, dass es die richtige Bewegung ist. Pauschale Ratschläge wie einfach mehr laufen greifen zu kurz. Worauf es ankommt:

  • Krafttraining der umliegenden Muskeln stabilisiert das Gelenk. Bei Kniearthrose ist vor allem die Oberschenkelmuskulatur (Quadrizeps) wichtig.
  • gelenkschonende Ausdauer wie Radfahren, Schwimmen oder Aquagymnastik hält das Gelenk in Bewegung, ohne es zu stauchen.
  • Physiotherapie hilft, die richtigen Übungen zu lernen und Fehlbelastungen zu korrigieren.

Besonders wirksam ist die Kombination aus Bewegung und Gewichtsreduktion. Schon 5 bis 10 Prozent weniger Körpergewicht können die Schmerzen im Knie deutlich verringern, denn bei jedem Schritt lastet ein Mehrfaches des Körpergewichts auf dem Gelenk.

Medikationsplan

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Wenn nichts mehr hilft: künstliches Gelenk

Wenn die konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind und die Schmerzen die Lebensqualität stark einschränken, kann ein künstliches Gelenk (Endoprothese) sinnvoll sein, vor allem an Knie und Hüfte. Der Eingriff ersetzt die verschlissenen Gelenkflächen, lindert die Schmerzen oft deutlich und verbessert die Beweglichkeit.

Eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) mit Knorpelglättung wird bei reiner Kniearthrose dagegen nicht empfohlen, weil sie keinen belegten Nutzen bringt.

Wann zum Arzt?

Ein Arztbesuch ist sinnvoll, wenn die Beschwerden dich einschränken. Du musst nicht warten, bis gar nichts mehr geht. In folgenden Situationen solltest du ärztlichen Rat einholen:

  • Die Schmerzen schränken deinen Alltag oder deinen Schlaf ein.
  • Das Gelenk wird trotz Behandlung schlechter.
  • Du möchtest Schmerzmittel länger einnehmen und brauchst dafür eine Beratung.
Sofort abklären lassen Ein Gelenk, das plötzlich stark anschwillt, gerötet und überwärmt ist, womöglich zusammen mit Fieber, ist keine normale Arthrose. Dahinter kann ein Gelenkinfekt oder ein akuter Gichtanfall stecken. Auch ein Gelenk, das sich plötzlich blockiert oder einklemmt, gehört rasch untersucht. Warte damit nicht ab.

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  • Einnahme-Erinnerung: denk an Gel oder Tablette, jeden Tag zur richtigen Zeit.
  • Symptom-Tagebuch: halte Schmerz und Beweglichkeit fest und erkenne, was wirkt.
  • Wechselwirkungs-Check: sieh auf einen Blick, ob sich deine Medikamente vertragen.
  • Medikationsplan: immer aktuell und griffbereit für den nächsten Arzttermin.
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Häufige Fragen

Nein, der verlorene Knorpel lässt sich nicht zurückbilden. Die gute Nachricht: Die Beschwerden lassen sich oft gut behandeln, und mit Bewegung, Gewichtsreduktion und der richtigen Therapie kann man das Fortschreiten verlangsamen.

Arthrose ist ein Verschleiß des Gelenkknorpels. Arthritis bezeichnet eine Entzündung im Gelenk, zum Beispiel die rheumatoide Arthritis. Beides kann zusammen auftreten: Eine entzündlich gereizte Arthrose nennt man aktivierte Arthrose.

Bei Knie und Hand sind lokale NSAR als Gel die erste Wahl. Reicht das nicht, kommen NSAR als Tablette (zum Beispiel Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac) niedrig dosiert und für kurze Zeit infrage. Paracetamol allein wirkt bei Arthrose kaum.

Gezielte Bewegung hilft. Sie stärkt die Muskeln rund um das Gelenk, hält es beweglich und versorgt den Knorpel mit Nährstoffen. Wichtig ist die Wahl gelenkschonender Aktivitäten wie Radfahren, Schwimmen oder gezieltes Krafttraining.

Für diese Nahrungsergänzungsmittel gibt es keinen überzeugenden Wirknachweis. Die aktuellen Leitlinien empfehlen sie zur Behandlung der Arthrose nicht.

Ein künstliches Gelenk kommt infrage, wenn die konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind und die Schmerzen sowie die eingeschränkte Beweglichkeit die Lebensqualität stark mindern. Am häufigsten betrifft das Knie und Hüfte.

Besonders häufig sind Knie (Gonarthrose), Hüfte (Coxarthrose) und die Hände betroffen. Auch die kleinen Gelenke der Wirbelsäule können verschleißen.

Hilfreich sind ein normales Körpergewicht, regelmäßige gelenkschonende Bewegung und kräftige Muskeln. Gelenkverletzungen sollten gut behandelt und einseitige Überlastungen vermieden werden.

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Quellen

  1. DGOOC: S2k-Leitlinie „Gonarthrose“ (AWMF-Registernummer 033-004), Stand 2018. register.awmf.org/de/leitlinien/detail/033-004
  2. NICE: Osteoarthritis in over 16s, diagnosis and management (NG226), 2022. nice.org.uk/guidance/ng226
  3. IQWiG / gesundheitsinformation.de: Informationen zu Arthrose und Kniearthrose. gesundheitsinformation.de
  4. EULAR und OARSI: Empfehlungen zum Management der Hand-, Hüft- und Kniearthrose.
  5. Deutsche Rheuma-Liga: Patienteninformationen zu Arthrose. rheuma-liga.de
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Welche Behandlung der Arthrose für dich geeignet ist, hängt von deiner persönlichen Situation ab und sollte mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden. Stand: Juni 2026.