Herzinfarkt (Myokardinfarkt):
Symptome, Ablauf & Behandlung

Auf einen Blick

HäufigkeitRund 300.000 Menschen erleiden in Deutschland pro Jahr einen Herzinfarkt — eine der häufigsten Todesursachen, aber bei schnellem Handeln gut behandelbar
Andere NamenMyokardinfarkt, Herzattacke, akutes Koronarsyndrom (als Oberbegriff)
LeitsymptomAnhaltender Brustschmerz oder Druck hinter dem Brustbein, oft mit Ausstrahlung — bei Frauen häufig atypisch (Übelkeit, Atemnot, Rücken)
DiagnoseEKG und Troponin im Blut, ergänzt durch den Herzkatheter — jede Minute zählt
ErstlinieSofortige Wiedereröffnung des verschlossenen Gefäßes per Herzkatheter mit Stent, danach dauerhafte Sekundärprävention
ICD-10I21 (akuter Myokardinfarkt)

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Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist ein Herzinfarkt?
  2. Herzinfarkt, Angina pectoris & KHK
  3. Symptome — bei Frauen oft anders
  4. Ursachen & Risikofaktoren
  5. Diagnose & erste Schritte in der Klinik
  6. Behandlung: Der Akut-Ablauf (Herzkatheter & Stent)
  7. Sekundärprävention: Medikamente im Klartext
  8. Reha, Verlauf & Alltag
  9. Warnzeichen & Notfall
  10. So hilft brite dir
  11. FAQ
  12. Verwandte Themen
Hinweis Bei jedem Verdacht auf einen Herzinfarkt — anhaltender Brustschmerz, Druck, Ausstrahlung, Kaltschweiß, Atemnot — sofort den Notruf 112 wählen. Niemals selbst ins Krankenhaus fahren und nicht abwarten.

1. Was ist ein Herzinfarkt?

Bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) wird ein Herzkranzgefäß plötzlich verschlossen, sodass ein Teil des Herzmuskels nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird. Die Herzkranzgefäße (Koronararterien) sind die feinen Adern, die den Herzmuskel selbst durchbluten. Verschließt sich eines davon, beginnt das dahinterliegende Muskelgewebe innerhalb von Minuten abzusterben — und stirbt umso mehr ab, je länger der Verschluss besteht. Genau deshalb gilt der Leitsatz: „Zeit ist Herzmuskel."

Auslöser ist fast immer ein Riss in einer verkalkten Ablagerung (Plaque) an der Gefäßinnenwand. An dieser Bruchstelle bildet sich blitzschnell ein Blutgerinnsel (Thrombus), das das Gefäß ganz oder teilweise verstopft. Der Herzinfarkt ist damit die dramatische Zuspitzung einer meist über Jahre unbemerkt fortgeschrittenen Gefäßverkalkung, der koronaren Herzkrankheit.

Warum ist die Zeit so entscheidend? Herzmuskelgewebe kann sich nicht neu bilden. Was in den ersten Stunden abstirbt, bleibt dauerhaft als Narbe zurück und schwächt die Pumpkraft des Herzens. Wird das Gefäß dagegen früh wieder eröffnet, lässt sich ein großer Teil des Muskels retten. Die überlebenswichtige Kette lautet deshalb: Symptome erkennen, sofort 112 wählen, das Gefäß im Herzkatheterlabor wieder öffnen — und danach mit der richtigen Behandlung einen zweiten Infarkt verhindern. Jeder dieser Schritte entscheidet über die spätere Belastbarkeit und Lebensqualität.

Die gute Nachricht Die Sterblichkeit beim Herzinfarkt ist in den letzten Jahrzehnten stark gesunken. Wer rechtzeitig behandelt wird, hat sehr gute Chancen — und kann mit konsequenter Nachsorge, Medikamenten und Reha das Risiko für einen erneuten Infarkt deutlich senken. Entscheidend ist, im Notfall keine Zeit zu verlieren.

2. Herzinfarkt, Angina pectoris & KHK

Drei Begriffe werden oft verwechselt, obwohl sie unterschiedlich dringend sind. Sie gehören zwar zusammen, beschreiben aber verschiedene Stadien und Situationen desselben Grundproblems — der Verengung der Herzkranzgefäße.

BegriffWas dahinterstecktDringlichkeit
Koronare Herzkrankheit (KHK)Chronische Verkalkung und Verengung der Herzkranzgefäße — die GrunderkrankungDauerhaft behandeln, planbar
Stabile Angina pectorisBrustenge nur bei Belastung, die in Ruhe rasch wieder verschwindetÄrztlich abklären
Instabile Angina pectorisNeu aufgetretene, zunehmende oder auch in Ruhe auftretende BrustengeNotfall — 112
Herzinfarkt (Myokardinfarkt)Kompletter oder weitgehender Gefäßverschluss, Herzmuskel stirbt abNotfall — 112
Tabelle nach rechts scrollbar

Der wichtigste praktische Unterschied ist die Dauer und der Auslöser der Beschwerden. Eine stabile Angina pectoris meldet sich zuverlässig bei Anstrengung — etwa beim Treppensteigen — und lässt in Ruhe oder nach einem Nitrospray innerhalb weniger Minuten wieder nach. Sie ist ein ernstes Warnsignal, aber kein akuter Notfall. Beim Herzinfarkt dagegen hält der Schmerz länger als etwa 15 bis 20 Minuten an, tritt oft in Ruhe auf und bessert sich weder durch Ausruhen noch durch Nitrospray. Instabile Angina und Herzinfarkt werden als akutes Koronarsyndrom zusammengefasst — beide gehören sofort in die Klinik, weil man in der ersten Minute noch nicht sicher unterscheiden kann, was genau vorliegt.

Im Zweifel immer 112 Niemand — auch kein Betroffener mit langjähriger Angina pectoris — kann von außen sicher beurteilen, ob ein Schmerz „nur" die bekannte Brustenge oder bereits ein Infarkt ist. Halten die Beschwerden länger als ein paar Minuten an oder sind sie stärker als gewohnt, gilt: lieber einmal zu oft den Notruf wählen.

3. Symptome — bei Frauen oft anders

Das klassische, oft aus Filmen bekannte Bild ist der starke Druck oder Schmerz hinter dem Brustbein, der in den linken Arm ausstrahlt. Dieses Bild stimmt — aber es ist nur ein Teil der Wahrheit. Gerade bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes verläuft ein Infarkt häufig atypisch, also ohne den lehrbuchhaften Brustschmerz. Genau diese untypischen Fälle werden gefährlich oft zu spät erkannt.

Typische Symptome, die auf einen Herzinfarkt hindeuten:

  • Anhaltender Schmerz oder Druck hinter dem Brustbein, oft als Enge, Brennen oder „Elefant auf der Brust" beschrieben (siehe Brustschmerzen)
  • Ausstrahlung in den linken Arm, aber auch in beide Arme, in Hals, Unterkiefer, Rücken oder Oberbauch
  • Atemnot und ein Gefühl der Luftknappheit (siehe Atemnot)
  • Kaltschweißigkeit, fahle Blässe, Übelkeit oder Erbrechen
  • Ein ausgeprägtes Gefühl von Angst und „Vernichtung" — das Gefühl, dass etwas Lebensbedrohliches passiert

Bei Frauen stehen häufig weniger der klassische Brustschmerz und stattdessen unspezifischere Beschwerden im Vordergrund: ausgeprägte Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch, im Rücken zwischen den Schulterblättern oder im Kiefer, dazu Atemnot, ungewöhnliche Müdigkeit und Schwächegefühl. Weil diese Zeichen leicht als Magenverstimmung, Verspannung oder Erschöpfung fehlgedeutet werden, warten Frauen im Schnitt länger, bis sie den Notruf wählen — und verlieren dabei wertvolle Zeit. Die Botschaft ist deshalb einfach: Auch ohne typischen Brustschmerz kann ein Infarkt vorliegen.

Bei Verdacht sofort 112 — nicht abwarten Anhaltender Brustschmerz oder -druck, Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Rücken, Kaltschweiß, Atemnot oder ein Vernichtungsgefühl sind ein Notfall. Wähle sofort den Notruf 112. Fahre niemals selbst ins Krankenhaus und lass dich nicht fahren — im Rettungswagen beginnt die Behandlung bereits, und bei einem Kreislaufstillstand kann sofort geholfen werden.

4. Ursachen & Risikofaktoren

Die eigentliche Ursache eines Herzinfarkts ist fast immer die Arteriosklerose — die Verkalkung und Verengung der Herzkranzgefäße über viele Jahre. Auf diesem Boden reißt eine Ablagerung ein, ein Gerinnsel entsteht, das Gefäß verschließt sich. Welche Faktoren diesen Prozess beschleunigen, ist gut untersucht — und viele davon lassen sich beeinflussen.¹

  • Rauchen: einer der stärksten und zugleich am besten vermeidbaren Risikofaktoren.
  • Bluthochdruck: schädigt die Gefäßwände dauerhaft und beschleunigt die Verkalkung.
  • Hohe Cholesterinwerte (vor allem LDL-Cholesterin), die sich in den Gefäßwänden ablagern.
  • Diabetes mellitus: erhöht das Infarktrisiko deutlich und führt oft zu atypischen Symptomen.
  • Übergewicht, Bewegungsmangel und eine ungünstige Ernährung.
  • Familiäre Veranlagung und Alter — Herzinfarkte in jungen Jahren bei nahen Verwandten sind ein Warnsignal.
  • Dauerstress und anhaltende seelische Belastung.

Wichtig zu verstehen: Die meisten dieser Faktoren wirken über Jahre und schleichend. Man spürt weder den steigenden Blutdruck noch das hohe Cholesterin — beides schädigt die Gefäße dennoch. Genau deshalb ist die Vorbeugung so wirksam: Wer nicht raucht, seinen Blutdruck und sein Cholesterin behandeln lässt und sich regelmäßig bewegt, senkt sein Infarktrisiko erheblich. Diese Faktoren zählen nach einem überstandenen Infarkt doppelt, denn dann geht es darum, einen zweiten zu verhindern.


5. Diagnose & erste Schritte in der Klinik

Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt läuft in der Klinik — und schon im Rettungswagen — ein eingespielter Ablauf ab. Ziel ist, in kürzester Zeit zu klären, ob ein Infarkt vorliegt und ob ein Gefäß sofort eröffnet werden muss.¹,²

  • EKG: Das wichtigste Sofort-Werkzeug. Es zeigt oft schon in Minuten, ob ein akuter Gefäßverschluss vorliegt (sogenannter STEMI) — dann muss das Gefäß umgehend eröffnet werden.
  • Troponin im Blut: Troponin ist ein Eiweiß, das bei Schädigung des Herzmuskels ins Blut übertritt. Ein Anstieg über mehrere Messungen bestätigt den Infarkt, auch wenn das EKG unauffällig ist.
  • Körperliche Untersuchung & Überwachung: Puls, Blutdruck, Sauerstoff und Herzrhythmus werden kontinuierlich überwacht, da im Infarkt gefährliche Rhythmusstörungen auftreten können.
  • Herzkatheter (Koronarangiografie): die entscheidende Untersuchung, die zugleich die Behandlung ist — dazu gleich mehr. Über sie wird das verschlossene Gefäß sichtbar gemacht und direkt wieder eröffnet.

Aus EKG und Troponin ergeben sich zwei große Infarkt-Typen: der STEMI, bei dem ein Gefäß komplett verschlossen ist und das Gefäß so schnell wie möglich eröffnet werden muss, und der NSTEMI, bei dem der Verschluss meist unvollständig ist und die Katheteruntersuchung je nach Risiko rasch, aber etwas weniger überstürzt erfolgt. Für dich als Betroffene oder Betroffener ändert das nichts am Wichtigsten: Beide Formen sind ein Notfall, und beide beginnen mit dem Anruf bei der 112.

6. Behandlung: Der Akut-Ablauf (Herzkatheter & Stent)

Die wichtigste Behandlung beim Herzinfarkt ist, das verschlossene Gefäß so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Denn erst wenn der Blutfluss zurückkehrt, hört der Herzmuskel auf abzusterben. Das Standardverfahren dafür ist der Herzkatheter mit Einsetzen eines Stents — Fachleute sprechen von einer perkutanen Koronarintervention (PCI).¹

Der Ablauf ist heute hochgradig eingespielt, und für dich als Patient meist erstaunlich schonend, weil er nur über einen kleinen Zugang erfolgt:

Akut Vom Notruf bis zum offenen Gefäß
Zugang über die Arterie
Über einen dünnen Schlauch (Katheter), meist am Handgelenk oder in der Leiste eingeführt, gelangt der Arzt bis zu den Herzkranzgefäßen. Das geschieht unter örtlicher Betäubung — du bist wach.
Gefäß sichtbar machen
Über ein Kontrastmittel wird der Verschluss auf dem Röntgenbild sichtbar. So sieht das Team genau, welches Gefäß betroffen ist und wo es verstopft ist.
Aufdehnen & Stent setzen
Ein winziger Ballon weitet die Engstelle auf. Anschließend hält ein Stent — ein feines Metallgittergerüst — das Gefäß dauerhaft offen. Der Blutfluss ist sofort wiederhergestellt.
Bypass als Alternative
Sind mehrere Gefäße stark betroffen oder ungünstig gelegen, kann statt Stents eine Bypass-Operation nötig sein, bei der die Engstelle mit einem körpereigenen Gefäß überbrückt wird.

Warum der Zeitdruck? Zwischen dem Beginn der Symptome und der Wiedereröffnung des Gefäßes sollte so wenig Zeit wie möglich liegen — bei einem kompletten Verschluss idealerweise unter zwei Stunden. Je früher das Gefäß offen ist, desto mehr Herzmuskel bleibt erhalten und desto besser ist die spätere Pumpleistung. Das ist der ganze Sinn hinter „Zeit ist Herzmuskel" — und der Grund, warum jede vergeudete Minute zwischen Symptombeginn und Notruf zählt.


7. Sekundärprävention: Medikamente im Klartext

Nach der Akutbehandlung beginnt der zweite, ebenso wichtige Teil: die Sekundärprävention. Ihr Ziel ist, einen erneuten Infarkt zu verhindern, den Stent offen zu halten und das Herz zu entlasten. Dafür gibt es eine feste Kombination von Medikamenten, die fast jeder Betroffene nach einem Infarkt dauerhaft einnimmt. Diese Tabletten sind kein Zeichen von Schwäche — sie sind der wirksamste Schutz vor dem nächsten Ereignis, und ihr Nutzen ist in großen Studien klar belegt.¹,³

Man kann sich die Standardtherapie als ein Team von Wirkstoffen vorstellen, die jeweils an einer anderen Stelle ansetzen. Hier die tragenden Bausteine im Klartext:

Basis Die Standard-Medikamente nach dem Infarkt
Thrombozytenhemmer 1 (ASS)
Acetylsalicylsäure in niedriger Dosis hemmt die Verklumpung der Blutplättchen und beugt so neuen Gerinnseln vor. Sie wird in der Regel dauerhaft, ein Leben lang eingenommen.
Thrombozytenhemmer 2 (z. B. Clopidogrel)
Ein zweiter Plättchenhemmer schützt vor allem den frischen Stent vor einem Verschluss. Diese duale Plättchenhemmung wird meist für etwa 12 Monate gegeben, danach oft auf ASS allein reduziert.
Statin (z. B. Atorvastatin)
Senkt das LDL-Cholesterin stark und stabilisiert die Ablagerungen in den Gefäßen. Nach einem Infarkt wird ein niedriger Zielwert angestrebt — das Statin wird unabhängig vom Ausgangswert gegeben.
Betablocker (z. B. Bisoprolol)
Senkt Puls und Blutdruck, entlastet das geschädigte Herz und beugt Rhythmusstörungen vor. Besonders wichtig, wenn die Pumpkraft nach dem Infarkt eingeschränkt ist.
ACE-Hemmer (z. B. Ramipril)
Entlastet das Herz, senkt den Blutdruck und schützt vor einem ungünstigen Umbau des Herzmuskels nach dem Infarkt. Bei Unverträglichkeit (Reizhusten) wird auf ein Sartan gewechselt.
Diese Tabletten niemals eigenmächtig absetzen Besonders die doppelte Plättchenhemmung ist heikel: Wird sie zu früh gestoppt, kann sich der frische Stent verschließen — mit dem Risiko eines erneuten Infarkts. Setze keines dieser Medikamente ohne Rücksprache ab, auch nicht vor einer geplanten Operation oder Zahnbehandlung. Sprich solche Situationen immer vorher mit deiner Kardiologie ab.

Welche Wirkstoffe und Dosierungen für dich genau passen, hängt von der Pumpkraft deines Herzens, deinem Blutdruck, deiner Nierenfunktion und der Verträglichkeit ab. Nebenwirkungen sind kein Grund, still aufzuhören — oft hilft schon eine Anpassung. Mehr dazu: Wechselwirkungen von Medikamenten.

Deine Herz-Medikamente sicher im Griff

Nach dem Infarkt zählt jede Tablette. brite erinnert dich zuverlässig und dokumentiert alles — bereit für die nächste Kontrolle.

  • Einnahme-Erinnerung für ASS, Statin & Co.
  • Blutdruck- und Pulsverlauf auf einen Blick
  • Wechselwirkungen im Check
Medikamentenplan anlegen

8. Reha, Verlauf & Alltag

Ein Herzinfarkt ist ein Einschnitt — aber für die allermeisten Menschen kein Grund, das aktive Leben aufzugeben. Im Gegenteil: Mit der richtigen Nachsorge kehren viele Betroffene zu ihrer gewohnten Belastbarkeit zurück. Zwei Bausteine sind dabei entscheidend: die kardiologische Reha und die konsequente Änderung der Risikofaktoren.²,³

Die Anschlussheilbehandlung (Reha) beginnt in der Regel kurz nach der Akutbehandlung. Unter fachlicher Aufsicht wird das Herz schrittweise wieder belastet, du lernst deine individuelle Belastungsgrenze kennen und bekommst Anleitung zu Bewegung, Ernährung und Umgang mit den Medikamenten. Die Reha senkt nachweislich das Risiko für erneute Ereignisse und gibt vielen Betroffenen die Sicherheit zurück, ihrem Herzen wieder etwas zuzumuten.

Für den Alltag danach zählen vor allem diese Punkte:

  • Nicht rauchen: der einzelne wirksamste Schritt. Ein Rauchstopp nach dem Infarkt senkt das Risiko für einen zweiten drastisch.
  • Regelmäßig bewegen: Ausdauertraining nach ärztlicher Freigabe stärkt das Herz. Was und wie viel, wird in der Reha individuell festgelegt.
  • Blutdruck und Cholesterin im Zielbereich halten: beides regelmäßig kontrollieren und die Medikamente zuverlässig nehmen.
  • Herzgesunde Ernährung: viel Gemüse, Obst, Vollkorn und Fisch, wenig verarbeitetes Fleisch und Zucker.
  • Auf Warnzeichen achten: neue oder wiederkehrende Brustenge, zunehmende Kurzatmigkeit oder Leistungsknick ärztlich abklären lassen.

Auch die Seele braucht Aufmerksamkeit: Nach einem Infarkt sind Ängste, Niedergeschlagenheit und Unsicherheit häufig und völlig normal. Sie lassen sich behandeln — sprich sie in der Reha oder bei deiner Ärztin offen an. Ein Vorhofflimmern oder eine Herzschwäche können sich nach einem Infarkt entwickeln und werden bei den Kontrollen mit überwacht.

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9. Warnzeichen & Notfall

Der wichtigste Abschnitt dieses Artikels: Ein Herzinfarkt ist immer ein Notfall, bei dem Minuten über das Ausmaß des Schadens entscheiden. Präge dir die folgenden Zeichen ein — für dich selbst und für Menschen in deiner Umgebung.

Herzinfarkt-Verdacht — sofort 112 Wähle umgehend den Notruf 112 bei: anhaltendem Brustschmerz oder -druck (länger als wenige Minuten), Ausstrahlung in Arm, Kiefer, Hals oder Rücken, Kaltschweiß, Atemnot, Übelkeit mit Schwächegefühl oder einem starken Vernichtungs-/Angstgefühl. Das gilt auch bei atypischen Beschwerden, besonders bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern. Fahre niemals selbst ins Krankenhaus und warte nicht ab, ob es besser wird. Bleib beim Betroffenen; wird die Person bewusstlos und atmet nicht normal, sofort mit der Herzdruckmassage beginnen.

Zwei häufige, gefährliche Denkfehler solltest du kennen. Erstens: „Es wird schon wieder besser" — beim Infarkt vergeht mit jeder Minute des Wartens rettbarer Herzmuskel. Zweitens: „Ich will keinen Fehlalarm auslösen" — der Rettungsdienst ist genau für diese Situation da, und ein falscher Verdacht ist immer besser als ein verschleppter Infarkt. Im Zweifel gilt ausnahmslos: 112.


So hilft brite dir nach einem Herzinfarkt

Nach einem Infarkt entscheidet die Sekundärprävention über die Zukunft — oft mit fünf oder mehr Medikamenten gleichzeitig. Ihr Schutz wirkt nur, wenn sie zuverlässig eingenommen werden und die Werte im Blick bleiben. Genau dabei unterstützt brite.

  • Einnahme-Erinnerung — ASS, zweiter Plättchenhemmer, Statin, Betablocker und ACE-Hemmer pünktlich und ohne Lücken. Gerade die doppelte Plättchenhemmung verzeiht keine vergessenen Dosen. Erinnerung einrichten
  • Gesundheitsverlauf — Blutdruck, Puls und Gewicht dokumentieren und als Kurve zur Kardiologie mitbringen. Ideal, um die Einstellung nach dem Infarkt zu überwachen. Verlauf tracken
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FAQ: Häufige Fragen zum Herzinfarkt

Typisch sind anhaltender Brustschmerz oder -druck, oft mit Ausstrahlung in Arm, Kiefer, Hals oder Rücken, dazu Kaltschweiß, Atemnot und Angst. Halten die Beschwerden länger als wenige Minuten an, ist das ein Notfall. Bei jedem Verdacht sofort die 112 wählen — lieber einmal zu oft als einmal zu spät.
Häufig ja. Frauen haben öfter atypische Beschwerden wie ausgeprägte Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch, Rücken oder Kiefer, Atemnot und ungewöhnliche Müdigkeit — auch ohne den klassischen Brustschmerz. Weil diese Zeichen leicht fehlgedeutet werden, warten Frauen oft zu lange. Auch ohne Brustschmerz gilt: bei Verdacht 112.
Eine stabile Angina pectoris ist eine Brustenge bei Belastung, die in Ruhe oder nach Nitrospray innerhalb weniger Minuten wieder verschwindet. Beim Herzinfarkt ist ein Gefäß verschlossen, der Schmerz hält länger als 15 bis 20 Minuten an und bessert sich nicht. Neu aufgetretene oder in Ruhe auftretende Brustenge ist ein Notfall.
Weil im Rettungswagen die Behandlung sofort beginnt und bei einem plötzlichen Kreislaufstillstand direkt geholfen werden kann. Selbst zu fahren ist gefährlich: Bei einer Bewusstlosigkeit am Steuer gefährdest du dich und andere. Der Rettungsdienst bringt dich außerdem gezielt in eine Klinik mit Herzkatheterlabor. Deshalb immer 112 rufen.
Über einen dünnen Schlauch am Handgelenk oder in der Leiste gelangt der Arzt unter örtlicher Betäubung bis zu den Herzkranzgefäßen. Ein Kontrastmittel macht den Verschluss sichtbar, ein Ballon weitet die Engstelle, und ein Stent — ein feines Metallgitter — hält das Gefäß dauerhaft offen. Der Blutfluss ist damit sofort wiederhergestellt.
Standard sind meist ASS dauerhaft, ein zweiter Plättchenhemmer (z. B. Clopidogrel) für etwa 12 Monate, ein Statin zur Cholesterinsenkung, ein Betablocker und ein ACE-Hemmer. Diese Kombination schützt den Stent, entlastet das Herz und beugt einem zweiten Infarkt vor. Die genaue Auswahl legt die Kardiologie individuell fest.
Niemals eigenmächtig. Besonders die doppelte Plättchenhemmung darf nicht zu früh gestoppt werden, weil sich sonst der frische Stent verschließen kann. Vor jeder Operation oder Zahnbehandlung muss die Kardiologie entscheiden, ob und wie pausiert wird. Informiere behandelnde Ärzte und Zahnärzte immer über deine Medikamente.
Meist folgt eine kardiologische Reha, in der das Herz unter Aufsicht wieder belastet wird und du Bewegung, Ernährung und Umgang mit den Medikamenten lernst. Danach kehren viele Menschen zu ihrer gewohnten Belastbarkeit zurück. Entscheidend sind ein Rauchstopp, regelmäßige Bewegung, gute Blutdruck- und Cholesterinwerte und die zuverlässige Einnahme der Medikamente.
Ja, und zwar sehr wirksam. Die Sekundärprävention aus Medikamenten (ASS, Statin, Betablocker, ACE-Hemmer) und Lebensstil senkt das Risiko für einen zweiten Infarkt deutlich. Am stärksten wirken ein Rauchstopp, ein gut eingestellter Blutdruck und niedrige Cholesterinwerte, dazu regelmäßige Bewegung und eine herzgesunde Ernährung.

11. Verwandte Themen

Quellen

  1. ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes (2023). European Society of Cardiology. escardio.org
  2. Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische KHK. awmf.org
  3. Deutsche Herzstiftung e. V.: Herzinfarkt. herzstiftung.de
  4. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Herzinfarkt. gesundheitsinformation.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Medikamente zur Sekundärprävention — insbesondere Blutverdünner und Plättchenhemmer — dürfen niemals eigenmächtig abgesetzt oder in der Dosis verändert werden; bei Fragen die behandelnde Praxis oder Kardiologie kontaktieren. Bei jedem Verdacht auf einen Herzinfarkt (anhaltender Brustschmerz, Ausstrahlung, Kaltschweiß, Atemnot, Vernichtungsgefühl) sofort den Notruf 112 wählen. Letzte Aktualisierung: Juli 2026.