Polyneuropathie:
Symptome, Ursachen & Behandlung

Auf einen Blick

HäufigkeitSehr häufig — Schätzungen gehen von mehreren Prozent der Bevölkerung aus, im höheren Alter und bei Diabetes deutlich mehr
Andere NamenPeriphere Neuropathie, PNP, Nervenschädigung, bei Diabetes: diabetische Neuropathie
LeitsymptomKribbeln, Taubheit und Brennen, das strumpf- oder handschuhförmig an Füßen und Händen beginnt
DiagnoseNeurologische Untersuchung, Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und gezielte Laborwerte zur Ursachensuche
ErstlinieDie Ursache behandeln plus bei Bedarf gezielte Schmerztherapie und konsequente Fußpflege
ICD-10G62.9 (Polyneuropathie, nicht näher bezeichnet)

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Symptome tracken

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine Polyneuropathie?
  2. Das typische Muster: Strumpf und Handschuh
  3. Symptome
  4. Ursachen & Risikofaktoren
  5. Diagnose: Nervenmessung & Labor
  6. Therapie: Die Ursache behandeln
  7. Therapie: Nervenschmerzen im Klartext
  8. Fußpflege & Alltag
  9. Verlauf & Warnzeichen
  10. So hilft brite dir
  11. FAQ
  12. Verwandte Themen
Hinweis Eine rasch über Tage aufsteigende Schwäche oder Lähmung ist ein Notfall. Sie kann auf ein Guillain-Barré-Syndrom hindeuten — dann sofort den Notruf 112 wählen.

1. Was ist eine Polyneuropathie?

Bei einer Polyneuropathie sind mehrere periphere Nerven gleichzeitig geschädigt. Das Wort setzt sich aus dem Griechischen zusammen: „poly" für viele, „neuro" für Nerv und „pathie" für Erkrankung — also eine Erkrankung vieler Nerven. Gemeint sind die Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark, die wie ein feines Kabelnetz den ganzen Körper durchziehen und Signale in beide Richtungen leiten.

Diese peripheren Nerven haben drei Aufgaben. Die sensiblen Fasern melden Berührung, Temperatur, Schmerz und die Stellung der Gelenke ans Gehirn. Die motorischen Fasern steuern die Muskeln. Und die vegetativen (autonomen) Fasern regeln unbewusste Vorgänge wie Schwitzen, Blutdruck, Verdauung und die Blasenfunktion. Je nachdem, welche Fasern betroffen sind, entstehen ganz unterschiedliche Beschwerden — von Kribbeln über Muskelschwäche bis zu Kreislaufproblemen.

Man kann sich einen Nerv wie ein Stromkabel vorstellen: innen der Leiter (die Nervenfaser), außen die Isolierschicht (die Myelinscheide). Eine Polyneuropathie schädigt entweder vor allem die Faser selbst (axonale Form) oder die Isolierung (demyelinisierende Form). Meist beginnt der Schaden an den längsten Nerven — und die führen zu den Füßen. Deshalb starten die Beschwerden fast immer dort und wandern langsam nach oben. Wichtig zu wissen: Eine Polyneuropathie ist keine eigenständige Krankheit, sondern das gemeinsame Endergebnis sehr vieler möglicher Ursachen. Sie zu finden ist der Schlüssel zur Behandlung.

Die gute Nachricht Wird die Ursache früh erkannt und behandelt, lässt sich das Fortschreiten in vielen Fällen bremsen oder stoppen. Selbst wenn geschädigte Nerven sich nur langsam erholen, sind die belastenden Nervenschmerzen heute gut behandelbar — und konsequente Fußpflege beugt den gefährlichsten Folgen vor.

2. Das typische Muster: Strumpf und Handschuh

Das charakteristische Erkennungszeichen der häufigsten Polyneuropathie ist ihr Verteilungsmuster. Weil zuerst die längsten Nervenfasern leiden, beginnen die Beschwerden symmetrisch an beiden Füßen und breiten sich langsam nach oben aus. Erst wenn sie etwa die Höhe der Waden erreichen, kommen häufig auch die Fingerspitzen dazu. Mediziner sprechen deshalb vom strumpf- und handschuhförmigen Muster: Betroffen ist genau der Bereich, den ein Kniestrumpf und ein Handschuh bedecken würden.

Dieses Muster ist so typisch, dass es der Ärztin oder dem Arzt schon einen wichtigen Hinweis gibt. Es unterscheidet die Polyneuropathie zum Beispiel von einem eingeklemmten Nerv, der nur ein einzelnes Areal betrifft. Grob lassen sich mehrere Formen unterscheiden:

EinteilungWas ist betroffenTypisch
SensibelGefühlsfasernKribbeln, Taubheit, Brennen, Gangunsicherheit
MotorischFasern zu den MuskelnSchwäche, Muskelschwund, Stolpern
AutonomVegetative FasernSchwitzstörungen, Kreislauf, Verdauung, Blase
Symmetrisch (Strumpf/Handschuh)Längste Nerven zuerst, beidseitigHäufigste Form, z. B. bei Diabetes
Fokal / asymmetrischEinzelne NervenUmschriebene Ausfälle, andere Ursachen
Tabelle nach rechts scrollbar

In der Praxis überschneiden sich diese Formen oft: Bei einer diabetischen Neuropathie sind zum Beispiel meist sensible und autonome Fasern gemeinsam betroffen. Für dich als Betroffene oder Betroffener ist vor allem eines wichtig — wenn Beschwerden symmetrisch an beiden Füßen beginnen und langsam höher steigen, passt das gut zum klassischen Bild und sollte neurologisch abgeklärt werden.


3. Symptome

Die Beschwerden entwickeln sich meist langsam und schleichend über Monate bis Jahre. Am Anfang stehen fast immer Gefühlsstörungen an den Füßen, die viele zunächst gar nicht ernst nehmen. Typisch ist eine Mischung aus Reizerscheinungen (etwas ist zu viel zu spüren) und Ausfällen (etwas fehlt):

  • Kribbeln — ein Ameisenlaufen oder Prickeln, oft das erste Zeichen, besonders nachts.
  • Taubheitsgefühl — die Füße fühlen sich pelzig oder wie in Watte gepackt an, als trüge man ständig Socken.
  • Brennen — brennende oder stechende Schmerzen, die nachts oft schlimmer werden und den Schlaf stören.
  • Gangunsicherheit — weil die Rückmeldung von den Füßen fehlt, wird der Gang unsicher, vor allem im Dunkeln oder auf unebenem Boden. Das Sturzrisiko steigt.
  • Muskelschmerzen, Krämpfe und Schwäche — bei Beteiligung der motorischen Fasern, etwa als Wadenkrämpfe oder Schwierigkeiten, sich auf die Zehenspitzen zu stellen.
  • Überempfindlichkeit — schon eine Bettdecke oder ein leichter Druck kann als schmerzhaft empfunden werden (Allodynie).

Sind auch die vegetativen Nerven betroffen, kommen weniger offensichtliche Beschwerden hinzu: Schwindel beim Aufstehen, veränderte Schweißbildung, Verdauungsprobleme oder Störungen der Blasen- und Sexualfunktion. Gerade bei Diabetes ist ein Symptom besonders tückisch — durch die Taubheit werden kleine Verletzungen an den Füßen nicht mehr bemerkt. Ein Steinchen im Schuh oder eine Blase bleibt unentdeckt und kann sich zu einer schlecht heilenden Wunde entwickeln. Deshalb gehört die tägliche Fußkontrolle zum festen Bestandteil der Behandlung.


4. Ursachen & Risikofaktoren

Es gibt über hundert mögliche Ursachen für eine Polyneuropathie — von Stoffwechselstörungen über Mangelzustände bis zu Medikamenten. In Deutschland stehen jedoch zwei Auslöser klar an der Spitze und erklären zusammen den Großteil aller Fälle:

  • Diabetes mellitus: die häufigste Ursache. Dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt die feinen Nerven und ihre Blutgefäße. Mehr dazu unter Diabetes Typ 2.
  • Alkohol: regelmäßiger, hoher Alkoholkonsum wirkt direkt nervenschädigend und geht oft mit einem Mangel an B-Vitaminen einher.

Daneben gibt es weitere wichtige Ursachen, die gezielt gesucht werden, weil viele davon gut behandelbar sind:

  • Vitamin-B12-Mangel: Vitamin B12 ist für gesunde Nerven unverzichtbar. Ein Mangel — etwa bei einseitiger Ernährung, nach Magen-Operationen oder unter bestimmten Medikamenten — kann eine Polyneuropathie auslösen und ist durch Ersatz gut behandelbar.
  • Medikamente: Einige Wirkstoffe können Nerven schädigen, allen voran bestimmte Chemotherapeutika, aber auch manche Antibiotika und andere Substanzen.
  • Nierenerkrankungen: Bei fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung reichern sich Stoffwechselprodukte an, die die Nerven belasten.
  • Schilddrüsen- und andere Stoffwechselstörungen sowie entzündliche und autoimmune Ursachen.
  • Erblich bedingte Formen, die familiär gehäuft und oft schon früher im Leben auftreten.

Trotz gründlicher Suche bleibt bei einem Teil der Betroffenen die Ursache zunächst unklar — man spricht dann von einer idiopathischen Polyneuropathie. Auch dann ist die Abklärung nicht umsonst: Sie schließt gefährliche und gut behandelbare Ursachen aus und ermöglicht eine gezielte Schmerztherapie.


5. Diagnose: Nervenmessung & Labor

Am Anfang steht das Gespräch und die neurologische Untersuchung. Dabei prüft die Ärztin oder der Arzt gezielt die Funktion der Nerven: Berührungs- und Temperaturempfinden, das Vibrationsempfinden mit einer Stimmgabel, die Reflexe (die an den Füßen oft als Erstes ausfallen) und die Muskelkraft. Schon dieses Muster gibt wichtige Hinweise. Danach folgen zwei Säulen — die Messung der Nervenfunktion und die Suche nach der Ursache im Labor.¹,²

  • Nervenleitgeschwindigkeit (NLG): Über kleine Elektroden auf der Haut wird gemessen, wie schnell und stark ein Nerv Signale weiterleitet. Das ist die zentrale Untersuchung und zeigt, ob eher die Nervenfaser (axonal) oder die Isolierschicht (demyelinisierend) geschädigt ist.
  • Elektromyografie (EMG): Über eine feine Nadel wird die elektrische Aktivität der Muskeln erfasst — das zeigt, ob und wie stark die motorischen Fasern betroffen sind.
  • Laboruntersuchung: Blutwerte suchen gezielt nach den häufigen Ursachen — Langzeitblutzucker (HbA1c), Vitamin B12, Nieren- und Schilddrüsenwerte, Entzündungszeichen und weitere je nach Verdacht.
  • Weitere Schritte bei unklaren Fällen: gelegentlich eine Untersuchung des Nervenwassers, ein Ultraschall der Nerven oder — selten — eine kleine Gewebeprobe von Nerv oder Haut.

Ziel der Diagnostik ist immer, die behandelbaren Ursachen nicht zu übersehen. Ein entdeckter Vitamin-B12-Mangel oder ein schlecht eingestellter Diabetes lässt sich gezielt angehen — und das kann den Verlauf entscheidend verändern. Deshalb lohnt sich die Abklärung auch dann, wenn die Beschwerden zunächst gering erscheinen.

6. Therapie: Die Ursache behandeln

Die wichtigste Behandlung der Polyneuropathie setzt nicht bei den Symptomen an, sondern bei ihrer Ursache. Denn nur wenn der auslösende Prozess gestoppt wird, lässt sich das Fortschreiten der Nervenschädigung bremsen — und in günstigen Fällen erholen sich die Nerven sogar teilweise. Welcher Weg der richtige ist, hängt vollständig davon ab, was die Diagnostik ergeben hat.¹

Deshalb gilt: Die Ursachenbehandlung und die Schmerztherapie laufen parallel. Die eine schützt die Nerven vor weiterem Schaden, die andere macht die aktuellen Beschwerden erträglich. Hier die wichtigsten Ansatzpunkte je nach Auslöser:

Ursache Behandlung je nach Auslöser
Diabetes
Eine gute, stabile Einstellung des Blutzuckers ist der entscheidende Hebel. Sie kann das Fortschreiten der diabetischen Neuropathie deutlich verlangsamen. Wichtig ist eine gleichmäßige Einstellung, nicht ein zu schnelles Absenken.
Alkohol
Konsequenter Verzicht auf Alkohol ist die Grundlage. Häufig kombiniert mit dem Ausgleich eines begleitenden Vitaminmangels, vor allem der B-Vitamine.
Vitamin-B12-Mangel
Gezielter Ersatz von Vitamin B12 — je nach Ursache als Spritze oder Tablette. Wird ein Mangel früh behoben, ist die Prognose oft gut.
Medikamente
Lässt sich ein nervenschädigendes Medikament als Auslöser identifizieren, wird gemeinsam mit der behandelnden Praxis geprüft, ob eine Umstellung oder Dosisanpassung möglich ist. Nie eigenmächtig absetzen.

Bei entzündlichen oder autoimmunen Formen kommen spezielle Behandlungen zum Einsatz, die in neurologischen Zentren gesteuert werden. Ergänzend spielen bei vielen Formen Physiotherapie und regelmäßige Bewegung eine wichtige Rolle: Sie erhalten Muskelkraft und Koordination, verbessern die Gangsicherheit und beugen so Stürzen vor.


7. Therapie: Nervenschmerzen im Klartext

Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen) fühlen sich anders an als normale Schmerzen — brennend, elektrisierend, einschießend. Deshalb helfen die üblichen Schmerzmittel aus der Hausapotheke wie Ibuprofen oder Paracetamol hier meist nicht. Stattdessen kommen Wirkstoffe zum Einsatz, die ursprünglich aus anderen Bereichen stammen und gezielt die überaktiven Nerven beruhigen.¹,²

Zwei Dinge sind bei allen wichtig zu wissen: Die Wirkung setzt oft erst nach ein bis zwei Wochen ein, und die Dosis wird langsam gesteigert (einschleichen), um Nebenwirkungen gering zu halten. Etwas Geduld gehört also dazu. Hier die tragenden Wirkstoffe:

Erstlinie Wirkstoffe gegen Nervenschmerzen
Beruhigt überaktive Nervenfasern und dämpft die Schmerzweiterleitung. Häufig eingesetzt, meist zweimal täglich. Typische Nebenwirkungen: Müdigkeit, Schwindel und manchmal Wassereinlagerungen — vor allem am Anfang.
Aus derselben Wirkstoffgruppe wie Pregabalin. Wird über den Tag verteilt eingenommen und langsam aufdosiert. Ebenfalls sehr gebräuchlich, mit ähnlichem Nebenwirkungsprofil (Müdigkeit, Schwindel).
Duloxetin
Ein Wirkstoff, der ursprünglich gegen Depressionen entwickelt wurde und die körpereigene Schmerzhemmung stärkt. Besonders bei der diabetischen Neuropathie gut belegt. Kann anfangs Übelkeit verursachen.
Weitere Optionen
Trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) in niedriger Dosis sowie örtlich wirkende Mittel wie Capsaicin-Pflaster oder Lidocain für umschriebene Areale. In schweren Fällen speziell gesteuerte Schmerztherapien.
Geduld und feste Absprachen Nervenschmerzmittel wirken nicht sofort und müssen langsam ein- und wieder ausgeschlichen werden. Setze sie nie abrupt selbst ab und steigere die Dosis nicht eigenmächtig. Wenn ein Wirkstoff nicht hilft oder schlecht vertragen wird, lohnt sich der Wechsel — das ist normal und kein Rückschlag.

Welcher Wirkstoff passt, hängt von Begleiterkrankungen, anderen Medikamenten und der Verträglichkeit ab. Weil hier verschiedene Substanzen kombiniert werden, ist ein Blick auf mögliche Wechselwirkungen besonders wichtig.

Behalte deine Nervenschmerz-Therapie im Griff

brite erinnert dich an jede Tablette und dokumentiert, wie sich deine Beschwerden entwickeln — bereit fürs nächste Arztgespräch.

  • Einnahme-Erinnerung für jede Dosis
  • Symptom- und Schmerzverlauf auf einen Blick
  • Wechselwirkungen im Check
Medikamentenplan anlegen

8. Fußpflege & Alltag

Gerade bei einer diabetischen Polyneuropathie ist die konsequente Fußpflege kein nebensächlicher Rat, sondern ein zentraler Teil der Behandlung. Der Grund: Durch die Taubheit werden Druckstellen, kleine Wunden oder ein Fremdkörper im Schuh nicht mehr gespürt. Unbemerkt können daraus schlecht heilende Geschwüre entstehen — die häufigste Ursache für schwere Fußkomplikationen bei Diabetes. Die gute Nachricht: Ein Großteil davon lässt sich durch einfache tägliche Gewohnheiten vermeiden.

  • Täglich kontrollieren: Füße jeden Abend ansehen, auch die Sohlen und Zehenzwischenräume — bei Bedarf mit einem Handspiegel. Auf Rötungen, Blasen, Risse und Druckstellen achten.
  • Richtig pflegen: Füße lauwarm (nicht heiß) waschen, gut abtrocknen und mit einer harnstoffhaltigen Creme geschmeidig halten. Die Wassertemperatur mit dem Ellenbogen prüfen, nicht mit dem tauben Fuß.
  • Verletzungen vermeiden: Nägel feilen statt schneiden, Hornhaut nicht mit scharfen Werkzeugen bearbeiten. Bei Bedarf professionelle medizinische Fußpflege (Podologie) nutzen.
  • Passendes Schuhwerk: gut sitzende, weiche Schuhe ohne drückende Nähte tragen und vor dem Anziehen auf Fremdkörper prüfen. Nie barfuß laufen.

Über die Füße hinaus helfen im Alltag ein paar weitere Gewohnheiten. Regelmäßige Bewegung und Physiotherapie erhalten Kraft und Koordination. Weil die Gangsicherheit leidet, lohnt es sich, Stolperfallen in der Wohnung zu beseitigen und für gute Beleuchtung zu sorgen. Und wer seine Beschwerden und Medikamente notiert, erkennt Veränderungen früher und hat beim Arzttermin die beste Grundlage für Entscheidungen.

Deinen Verlauf immer im Blick

Halte in brite fest, wie sich Kribbeln, Taubheit und Schmerzen entwickeln — so erkennst du Veränderungen früh und hast fürs nächste Arztgespräch alles beisammen.

Verlauf dokumentieren

9. Verlauf & Warnzeichen

Die häufigen Formen der Polyneuropathie entwickeln sich langsam über Monate und Jahre. Der Verlauf hängt stark von der Ursache ab: Wird ein behandelbarer Auslöser wie ein Vitamin-B12-Mangel früh behoben oder der Blutzucker gut eingestellt, lässt sich das Fortschreiten oft aufhalten. Bereits verlorene Nervenfunktion kehrt nur langsam und teils unvollständig zurück, weil sich Nerven nur mit wenigen Millimetern pro Tag regenerieren. Umso wichtiger ist es, früh zu handeln.

Neben dem langsamen Verlauf gibt es aber eine seltene, gefährliche Ausnahme, die du kennen solltest — eine rasch fortschreitende Nervenschädigung:

Rasch aufsteigende Lähmung — sofort 112 Eine über Stunden bis wenige Tage rasch aufsteigende Schwäche oder Lähmung, die typischerweise an den Beinen beginnt und nach oben wandert, kann Zeichen eines Guillain-Barré-Syndroms sein. Kommen Atem- oder Schluckbeschwerden hinzu, ist das ein akuter Notfall. Wähle sofort den Notruf 112 — diese Erkrankung muss im Krankenhaus behandelt werden.

Auch abseits dieses Notfalls gilt: Neu aufgetretene oder sich rasch verschlechternde Schwäche, zunehmende Gangunsicherheit mit Stürzen, eine nicht heilende Wunde am Fuß oder Beschwerden, die trotz Behandlung deutlich zunehmen, gehören zeitnah ärztlich abgeklärt. Bei plötzlichen einseitigen Ausfällen wie hängendem Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen ist an andere Ursachen wie einen Schlaganfall zu denken — dann ebenfalls sofort 112.


So hilft brite dir bei Polyneuropathie

Eine Polyneuropathie behandelt man nicht in Wochen, sondern über lange Zeit — mit Ursachentherapie, Schmerzmitteln und täglicher Fußpflege. Das wirkt nur, wenn es zuverlässig läuft und die Beschwerden im Blick bleiben. Genau dabei unterstützt brite.

  • Einnahme-Erinnerung — Pregabalin, Gabapentin, Duloxetin oder die Vitamin-B12-Gabe pünktlich und ohne Lücken, auch wenn die Wirkung erst nach Tagen einsetzt. Erinnerung einrichten
  • Gesundheitsverlauf — Kribbeln, Taubheit und Schmerzstärke dokumentieren und als Kurve zum Termin mitbringen. So wird sichtbar, ob die Therapie anschlägt. Verlauf tracken
  • Wechselwirkungs-Check — erkennt kritische Kombinationen, etwa wenn mehrere dämpfende Wirkstoffe gegen Nervenschmerzen zusammenkommen. Jetzt prüfen
  • Digitaler Medikationsplan — alle Präparate übersichtlich für Hausarzt, Neurologie, Diabetologie und Apotheke. Zum Medikationsplan
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FAQ: Häufige Fragen zu Polyneuropathie

Bei einer Polyneuropathie sind mehrere periphere Nerven gleichzeitig geschädigt — also Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Weil zuerst die längsten Nerven leiden, beginnen die Beschwerden meist an den Füßen mit Kribbeln, Taubheit oder Brennen und wandern langsam nach oben. Sie ist keine eigene Krankheit, sondern Folge vieler möglicher Ursachen.
In Deutschland sind Diabetes mellitus und regelmäßiger, hoher Alkoholkonsum die beiden häufigsten Ursachen. Daneben spielen ein Vitamin-B12-Mangel, bestimmte Medikamente und Nierenerkrankungen eine wichtige Rolle. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt die Ursache trotz gründlicher Suche unklar (idiopathisch).
Weil zuerst die längsten Nervenfasern geschädigt werden — und die führen zu den Füßen. Deshalb starten die Beschwerden dort und breiten sich langsam nach oben aus. Erst wenn sie etwa die Waden erreichen, kommen oft die Fingerspitzen dazu. Dieses strumpf- und handschuhförmige Muster ist typisch.
Das hängt von der Ursache ab. Wird ein behandelbarer Auslöser wie ein Vitamin-B12-Mangel früh behoben oder der Blutzucker gut eingestellt, kann sich der Verlauf stoppen und teils bessern. Bereits verlorene Nervenfunktion kehrt aber nur langsam und oft unvollständig zurück. Deshalb ist frühes Handeln so wichtig.
Übliche Schmerzmittel wie Ibuprofen helfen bei Nervenschmerzen meist nicht. Eingesetzt werden vor allem Pregabalin, Gabapentin und Duloxetin, ergänzend trizyklische Antidepressiva oder örtliche Mittel wie Capsaicin-Pflaster. Die Wirkung setzt oft erst nach ein bis zwei Wochen ein, und die Dosis wird langsam gesteigert.
Durch die Taubheit werden kleine Wunden, Druckstellen oder ein Steinchen im Schuh nicht mehr bemerkt. Unbehandelt können daraus schlecht heilende Geschwüre entstehen. Deshalb gehören tägliche Fußkontrolle, gute Pflege, passendes Schuhwerk und bei Bedarf professionelle Fußpflege fest zur Behandlung — sie beugen schweren Komplikationen vor.
Am Anfang stehen das Gespräch und die neurologische Untersuchung von Gefühl, Reflexen und Kraft. Zentral ist die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, oft ergänzt durch eine Elektromyografie. Parallel sucht eine Laboruntersuchung gezielt nach Ursachen wie Diabetes, Vitamin-B12-Mangel oder Nieren- und Schilddrüsenstörungen.
Ja. Regelmäßige Bewegung und Physiotherapie erhalten Muskelkraft und Koordination, verbessern die Gangsicherheit und beugen so Stürzen vor. Sie ersetzen nicht die Ursachenbehandlung, sind aber ein wichtiger Baustein. Welches Training passt, sollte an die individuellen Beschwerden und die Gangsicherheit angepasst werden.
Sofort den Notruf 112 wählen bei einer über Stunden bis wenige Tage rasch aufsteigenden Schwäche oder Lähmung, besonders mit Atem- oder Schluckbeschwerden — das kann ein Guillain-Barré-Syndrom sein. Zeitnah ärztlich abklären lassen solltest du zunehmende Schwäche, häufige Stürze oder eine nicht heilende Wunde am Fuß.

11. Verwandte Themen

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S1/S2k-Leitlinien Diagnostik bei Polyneuropathien. awmf.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). dgn.org
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Polyneuropathie und diabetische Neuropathie. gesundheitsinformation.de
  4. Nationale VersorgungsLeitlinie: Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter. leitlinien.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Medikamente gegen Nervenschmerzen sollten niemals eigenmächtig abgesetzt oder in der Dosis verändert werden — bei Fragen die behandelnde Praxis kontaktieren. Bei einer rasch aufsteigenden Schwäche oder Lähmung, besonders mit Atem- oder Schluckbeschwerden, sofort den Notruf 112 wählen. Letzte Aktualisierung: Juli 2026.