Metronidazol

Metronidazol: Alkohol-Frage, Metallgeschmack & richtige Anwendung

Metronidazol ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Nitroimidazole und wirkt gezielt gegen Bakterien, die ohne Sauerstoff leben, sowie gegen bestimmte Parasiten. Eingesetzt wird es unter anderem bei bakterieller Vaginose, Divertikulitis, Zahninfektionen und in der Helicobacter-Therapie. Berühmt ist es für die Warnung vor Alkohol — die dieser Beitrag ehrlich einordnet.

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Metronidazol tracken

1. Auf einen Blick: Technisches Datenblatt

EigenschaftDetails
WirkstoffMetronidazol
ATC-CodeJ01XD01
WirkstoffklasseNitroimidazol-Antibiotikum (wirkt auch gegen bestimmte Parasiten)
DarreichungsformenFilmtabletten (üblich 400 mg), Vaginalzäpfchen und -creme, Gel für die Haut, Infusionslösung in der Klinik
HalbwertszeitRund 8 Stunden — daher meist zwei bis drei Einnahmen pro Tag
Max. TagesdosisJe nach Indikation bis 2.000 mg laut Fachinformation; die individuelle Dosis legt die behandelnde Praxis fest
WirkungseintrittWirkspiegel nach wenigen Stunden; Besserung der Beschwerden meist innerhalb von 2 bis 3 Tagen
RezeptpflichtVerschreibungspflichtig
BesonderheitWirkt gezielt gegen sauerstoffmeidende Bakterien und Protozoen; bekannt für die Alkohol-Warnung und den Metallgeschmack
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2. Wirkungsweise und Einsatzgebiete: warum es nur Anaerobier trifft

Metronidazol ist ein sogenanntes Prodrug — es wird erst im Körper des Erregers scharfgeschaltet. Das funktioniert nur in Zellen, die ohne Sauerstoff arbeiten: Anaerobe Bakterien und bestimmte Parasiten (Protozoen) besitzen Enzymsysteme, die Metronidazol in reaktive Zwischenstufen umwandeln. Diese zerschneiden die Erbsubstanz des Erregers, der daran zugrunde geht.¹

Daraus folgt die besondere Zielgenauigkeit: Normale, sauerstoffliebende Bakterien — und auch die meisten menschlichen Zellen — aktivieren den Wirkstoff kaum. Metronidazol trifft also präzise die Keime, gegen die viele Standard-Antibiotika schwach sind. Typische Einsatzgebiete:

  • Bakterielle Vaginose: Die häufigste Ursache für verändertes, fischig riechendes Scheidensekret. Metronidazol — als Tablette oder vaginal — ist hier eine Standardtherapie.
  • Divertikulitis: Bei der entzündeten Darmwandaussackung sind fast immer Anaerobier beteiligt; Metronidazol wird dann meist mit einem zweiten Antibiotikum kombiniert.²
  • Helicobacter-pylori-Eradikation: Als Baustein von Kombinationsschemata gegen den Magenkeim, der Gastritis und Geschwüre verursacht — immer zusammen mit Säureblocker und weiteren Antibiotika wie Amoxicillin.³
  • Zahnmedizin: Abszesse und schwere Zahnfleischentzündungen bis zur Parodontitis werden von Anaerobiern dominiert — Metronidazol ist hier ein Klassiker.
  • Parasiten: Trichomonaden, Giardien und Amöben sprechen auf Metronidazol an.
  • Äußerlich als Gel oder Creme bei Rosazea — hier geht es um die entzündungshemmende Wirkung auf der Haut, nicht um eine Infektion.

3. Dosierung: übliche Schemata laut Fachinformation

Die folgenden Angaben beschreiben, was Fachinformation und Leitlinien als übliche Schemata nennen. Sie sind keine Einnahmeempfehlung — Dosis und Dauer legt die behandelnde Praxis fest.¹

  • Übliche Dosis: 400 mg zwei- bis dreimal täglich, je nach Infektion.
  • Therapiedauer: Meist 5 bis 7 Tage; die Fachinformation begrenzt die Behandlung in der Regel auf 10 Tage, weil mit der Dauer das Risiko für Nervenstörungen steigt.
  • Bakterielle Vaginose: Üblich sind mehrtägige Tablettenschemata oder eine vaginale Anwendung; auch Einmalschemata mit höherer Dosis sind beschrieben.
  • Helicobacter-Eradikation: Feste Kombischemata über 7 bis 14 Tage — die Zusammensetzung richtet sich nach der Resistenzlage.
  • Leberfunktionsstörung: Bei schwerer Einschränkung wird die Dosis reduziert, weil der Abbau verlangsamt ist.
Vaginal heißt nicht „halb so wichtig". Auch Vaginalzäpfchen und -cremes mit Metronidazol sind eine echte Therapie: Anwendung wie verordnet zu Ende führen, am besten abends vor dem Liegen. Bei Tabletten und Zäpfchen parallel hilft ein fester Tagesrhythmus, nichts zu vergessen.

4. Einnahme: Mahlzeiten, Verträglichkeit und feste Zeiten

Metronidazol stellt wenige Ansprüche an den Einnahmezeitpunkt — die wichtigsten Regeln:

  1. Zu oder nach einer Mahlzeit einnehmen. Das ist keine Wirkungs-, sondern eine Verträglichkeitsfrage: Mit etwas Essen im Magen sind Übelkeit und Magendrücken deutlich seltener.
  2. Gleichmäßige Abstände. Bei zweimal täglicher Einnahme etwa alle 12 Stunden, bei dreimal täglicher etwa alle 8 Stunden — so bleibt der Wirkspiegel stabil.
  3. Mit einem Glas Wasser schlucken. Keine Abstandsregeln zu Milch oder Mineralstoffen — anders als bei Tetracyclinen.
  4. Vergessene Dosis: In der Regel nachholen, sobald es auffällt — außer die nächste Einnahme steht kurz bevor. Nie die doppelte Menge nehmen.
  5. Keinen Alkohol während der Therapie und 48 Stunden danach — warum, liest du in Abschnitt 6.
Der Urin kann sich dunkel färben. Rotbraun bis fast schwarz verfärbter Urin unter Metronidazol sieht dramatisch aus, ist aber harmlos: Er entsteht durch Abbauprodukte des Wirkstoffs, nicht durch Blut oder einen Nierenschaden. Nach dem Ende der Kur normalisiert sich die Farbe von selbst.

Alle 8 oder 12 Stunden — ohne Nachdenken

Die Einnahme-Erinnerung hält den Rhythmus, du hältst die Kur durch.

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5. Nebenwirkungen: Metallgeschmack, dunkler Urin und Magen-Darm

Die typischen Metronidazol-Beschwerden sind unangenehm, aber überwiegend harmlos — und sie haben nachvollziehbare Ursachen.

Häufig und meist harmlos

  • Metallischer, bitterer Geschmack: Das Markenzeichen von Metronidazol. Der Wirkstoff gelangt in den Speichel und verändert den Geschmackseindruck — Essen schmeckt „blechern". Harmlos, verschwindet nach der Kur. Kaugummi und intensiv schmeckende Speisen überdecken ihn teilweise.
  • Übelkeit und Appetitlosigkeit: Die häufigsten Nebenwirkungen; Einnahme mit Mahlzeit hilft.
  • Durchfall oder weicher Stuhl: Wie bei jedem Antibiotikum leidet die Darmflora mit.
  • Dunkler Urin: Durch Abbauprodukte, ohne Krankheitswert (siehe Abschnitt 4).
  • Zungenbrennen, belegte Zunge, Pilzbesiedlung im Mund — gelegentlich, nach der Kur rückläufig.

Seltener, aber wichtig zu kennen

  • Nervenstörungen bei langer Anwendung: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Brennen in Händen und Füßen können auf eine periphere Neuropathie (Schädigung der langen Nervenbahnen) hinweisen. Sie tritt vor allem bei hohen Dosen und Behandlungen über die übliche Dauer hinaus auf — deshalb begrenzt die Fachinformation die Therapiedauer. Melde solche Beschwerden zeitnah der Praxis.
  • Zentralnervöse Effekte: Kopfschmerzen und Schwindel kommen vor; sehr selten sind Krampfanfälle oder Koordinationsstörungen beschrieben — ein Grund für sofortige ärztliche Rücksprache.
  • Schwerer, anhaltender Durchfall nach oder unter der Therapie gehört abgeklärt.
Kribbeln nicht aussitzen. Taubheit oder Kribbeln in Händen oder Füßen unter Metronidazol ist ein Stopp-und-nachfragen-Signal, kein „das gehört wohl dazu". Früh erkannt, bildet sich eine Neuropathie meist zurück. Wie du Nebenwirkungen dokumentierst und meldest, zeigt der Ratgeber Nebenwirkungen von Medikamenten.

6. Die Alkohol-Frage: Mythos, Evidenz und was trotzdem gilt

Kein Antibiotikum ist so eng mit einer Alkohol-Warnung verknüpft wie Metronidazol. Zeit für eine ehrliche Einordnung — in drei Schritten.

Die klassische Lehre: Metronidazol hemme den Abbau von Alkohol auf der Stufe des Zwischenprodukts Acetaldehyd — ähnlich wie der Wirkstoff Disulfiram, der früher gezielt zur Alkohol-Entwöhnung eingesetzt wurde. Sammelt sich Acetaldehyd an, drohen Gesichtsrötung, Hitzegefühl, pochende Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Herzrasen — die sogenannte Disulfiram-ähnliche Reaktion. Diese Warnung steht seit Jahrzehnten in Lehrbüchern und Beipackzetteln.

Die Evidenz: Nüchtern betrachtet ist die Datenlage dünner als der Ruf. Die Warnung stützt sich vor allem auf ältere Fallberichte; kontrollierte Untersuchungen konnten den unterstellten Mechanismus nicht durchgängig bestätigen, und in kleinen Studien vertrugen Probanden die Kombination teils ohne Reaktion. Ausgeschlossen ist eine Unverträglichkeitsreaktion damit aber nicht — es gibt dokumentierte Fälle, und wer im Einzelfall betroffen ist, lässt sich nicht vorhersagen.

Was daraus folgt: Die Fachinformation empfiehlt weiterhin, während der Behandlung und mindestens 48 Stunden nach der letzten Dosis auf Alkohol zu verzichten.¹ Das ist keine Panikmache, sondern eine vernünftige Güterabwägung: Der Verzicht kostet wenige Tage, eine mögliche Reaktion wäre heftig, und Alkohol bremst ohnehin die Erholung von einer Infektion. Es gibt schlicht keinen guten Grund, es auszuprobieren.

Auch versteckten Alkohol mitdenken. Hustensäfte, pflanzliche Tropfen und manche Mundspülungen enthalten Alkohol. Während einer Metronidazol-Kur lohnt der Blick aufs Etikett. Wie Alkohol generell mit Medikamenten zusammenspielt, erklärt der Ratgeber Medikamente und Alkohol.

Falls du versehentlich doch ein Glas getrunken hast: kein Grund zur Panik. Beobachte dich auf die genannten Symptome, trink Wasser und verzichte auf weiteren Alkohol. Bei ausgeprägter Reaktion — starkem Erbrechen, Herzrasen, Kreislaufproblemen — ärztliche Hilfe holen.

7. Wechselwirkungen: Gerinnungshemmer, Lithium und mehr

Verglichen mit Makroliden wie Clarithromycin ist die Wechselwirkungsliste von Metronidazol kurz — aber die Einträge, die es gibt, haben es in sich:

KombinationFolgeWas tun
Alkohol (auch in Arzneitropfen und Mundspülungen)Mögliche Disulfiram-ähnliche Reaktion: Flush, Übelkeit, HerzrasenKein Alkohol während der Therapie und 48 Stunden danach (Abschnitt 6)
Phenprocoumon (Vitamin-K-Antagonist)Gerinnungshemmung verstärkt sich, INR steigt, BlutungsrisikoEngmaschige INR-Kontrollen während und nach der Kur
Lithium (bei bipolaren Störungen)Lithiumspiegel kann steigen, Vergiftungszeichen möglichSpiegel- und Nierenwertkontrollen, Symptome wie Zittern oder Durchfall melden
DisulfiramVerwirrtheit und psychotische Reaktionen beschriebenKombination vermeiden; Abstand von etwa zwei Wochen wird empfohlen
Ciclosporin, Tacrolimus (Immunsuppressiva)Spiegel können steigenSpiegelkontrollen durch die Praxis
Busulfan, 5-Fluorouracil (Krebstherapie)Erhöhte Giftigkeit der KrebsmedikamenteNur nach onkologischer Rücksprache
Phenobarbital, Rifampicin (Enzym-Beschleuniger)Metronidazol wird schneller abgebaut, Wirkung kann nachlassenVorab angeben, ggf. Schema anpassen lassen
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Praktisch am wichtigsten ist die Kombination mit Gerinnungshemmern: Unter Phenprocoumon (Marcumar) steigt der INR-Wert oft mit einigen Tagen Verzögerung — kontrolliert wird deshalb während und noch kurz nach der Antibiotika-Kur. Achte selbst auf Blutungszeichen wie ungewöhnliche blaue Flecken oder Zahnfleischbluten. Wer Lithium nimmt, sollte die Verordnung aktiv ansprechen: Der Spiegelanstieg entwickelt sich schleichend.

Der einfachste Schutz vor allen Einträgen dieser Tabelle: die komplette Medikationsliste — inklusive rezeptfreier Mittel und Tropfen — einmal gegenchecken. Wie das systematisch geht, zeigt der Ratgeber Wechselwirkungen von Medikamenten, oder du nutzt direkt den Wechselwirkungs-Check der brite App.


8. Kur zu Ende nehmen: Rückfälle und Resistenzen vermeiden

Bei Metronidazol gilt die alte Antibiotika-Regel ausnahmsweise fast wörtlich: Die verordnete Kur wird zu Ende genommen. Dafür gibt es zwei handfeste Gründe.

  • Rückfälle: Gerade bakterielle Vaginose und Anaerobier-Infektionen neigen dazu, nach zu kurzer Therapie zurückzukehren — die Beschwerden verschwinden schneller als die Erreger. Ein Rückfall bedeutet eine zweite Kur mit allen Nebenwirkungen.
  • Resistenzen: Bei Helicobacter pylori ist die Metronidazol-Resistenz in Deutschland ein reales Problem und beeinflusst, welches Eradikationsschema überhaupt gewählt werden kann. Jede halbherzige Therapie züchtet unempfindliche Keime — beim einzelnen Menschen und in der Bevölkerung.³

Gleichzeitig gilt die Regel nicht blind: Die Dauer legt die Praxis fest, und bei ernsten Nebenwirkungen — etwa Kribbeln in Händen und Füßen — wird die Therapie ärztlich überprüft und nicht stur durchgezogen. „Zu Ende nehmen" heißt: die verordnete Dauer einhalten, nicht eigenmächtig verlängern und nicht bei der ersten Besserung abbrechen. Die Hintergründe erklären die Ratgeber Antibiotika richtig einnehmen und Antibiotika-Resistenzen.


9. Sonderfälle: Schwangerschaft, Stillzeit, Leber, lange Anwendung

Schwangerschaft: Hier lohnt der differenzierte Blick statt pauschaler Angst. Das Beratungszentrum Embryotox stuft Metronidazol nach umfangreicher Erfahrung als eines der besser untersuchten Antibiotika ein; Hinweise auf Fehlbildungen haben sich nicht bestätigt. Es darf in der Schwangerschaft eingesetzt werden, wenn es medizinisch begründet ist — die Entscheidung über Präparat, Form (vaginal oder Tablette) und Zeitpunkt trifft die behandelnde Praxis. Eine bereits erfolgte Einnahme ist kein Grund zur Sorge, aber ein Grund, es beim nächsten Termin zu erwähnen. Mehr Orientierung gibt der Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Stillzeit: Metronidazol geht in die Muttermilch über und kann ihr einen bitteren Geschmack geben. Embryotox hält kurze Therapien unter Beobachtung des Kindes für vertretbar; bei hohen Einmaldosen wird teils eine kurze Stillpause diskutiert. Auch das ist eine Einzelfallentscheidung mit der Praxis — nicht abstillen auf Verdacht.

Leber: Metronidazol wird über die Leber abgebaut. Bei schwerer Leberfunktionsstörung wird die Dosis reduziert oder das Intervall verlängert. Was generell bei Organschwäche gilt, steht im Ratgeber Medikamente bei Nieren- und Lebererkrankungen.

Lange oder wiederholte Anwendung: Die Fachinformation begrenzt die übliche Therapiedauer, weil mit kumulativer Dosis das Risiko für Nervenstörungen steigt (Abschnitt 5). Wer Metronidazol wiederholt braucht — etwa bei wiederkehrender Vaginose oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen — sollte Nutzen und Risiko regelmäßig ärztlich neu bewerten lassen.


10. Metronidazol-Erfahrungen: Was Patienten wirklich fragen

„Alles schmeckt nach Metall — kann ich dagegen etwas tun?"

Der Metallgeschmack ist die klassische Metronidazol-Nebenwirkung und leider kaum ganz abzustellen, solange die Therapie läuft. Er entsteht, weil der Wirkstoff in den Speichel übertritt. Was hilft: direkt nach der Einnahme etwas trinken oder essen, Kaugummi, saure Bonbons, intensiv gewürzte Speisen. Wichtig zu wissen: Der Geschmack ist harmlos, kein Zeichen einer Vergiftung — und er verschwindet nach der letzten Tablette innerhalb weniger Tage von selbst. Ein Grund, die Kur abzubrechen, ist er nicht.

„Mein Urin ist fast schwarz — muss ich in die Notaufnahme?"

Wenn es unter Metronidazol passiert und dir sonst nichts fehlt: nein. Die Rotbraun- bis Dunkelfärbung entsteht durch Abbauprodukte des Wirkstoffs und ist ohne Krankheitswert. In die Praxis gehört die Verfärbung dann, wenn sie nach dem Ende der Therapie anhält, wenn Schmerzen beim Wasserlassen, Fieber oder Flankenschmerzen dazukommen — oder wenn du gar kein Metronidazol (mehr) nimmst.

„Ich habe auf einer Feier zwei Gläser Sekt getrunken — was jetzt?"

Erst einmal: nicht in Panik verfallen. Viele Menschen vertragen die Kombination folgenlos, und eine eventuelle Reaktion zeigt sich innerhalb kurzer Zeit — als Gesichtsrötung, Hitzegefühl, Übelkeit oder Herzklopfen. Beobachte dich, trink Wasser, lass weiteren Alkohol weg. Nur bei heftigen Symptomen wie anhaltendem Erbrechen, Herzrasen oder Kreislaufproblemen brauchst du ärztliche Hilfe. Und für den Rest der Kur gilt die 48-Stunden-Regel wieder — nicht als Strafe, sondern als simple Risikovermeidung.

„Nach der Kur ist der Ausfluss wieder da — hat das Antibiotikum versagt?"

Nicht unbedingt. Die bakterielle Vaginose hat auch nach korrekt durchgeführter Therapie eine hohe Rückfallquote, weil das Scheidenmilieu Zeit braucht, um sich zu stabilisieren. Ein Rückfall ist deshalb kein Beweis für Resistenz und kein Anlass für Selbstmedikation mit übrig gebliebenen Tabletten — sondern ein Fall für die gynäkologische Praxis, die das weitere Vorgehen festlegt. Reste einer alten Packung gehören nicht in Eigenregie aufgebraucht.

„Darf ich Sport machen und in die Sonne?"

Moderater Sport ist erlaubt, sobald du dich fit genug fühlst — die Infektion selbst ist meist der begrenzende Faktor, nicht das Medikament. Eine besondere Sonnenempfindlichkeit wie bei Doxycyclin ist unter Metronidazol kein typisches Thema. Hör auf deinen Körper: Eine Infektion plus Antibiotikum ist keine Woche für Bestleistungen.

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FAQ: Häufige Fragen zu Metronidazol

Die Fachinformation empfiehlt, während der gesamten Behandlung und mindestens 48 Stunden nach der letzten Dosis auf Alkohol zu verzichten. Hintergrund ist eine mögliche Disulfiram-ähnliche Reaktion mit Gesichtsrötung, Übelkeit und Herzrasen. Die wissenschaftliche Evidenz dafür ist begrenzt, aber die Reaktion ist im Einzelfall nicht vorhersehbar — der kurze Verzicht ist die vernünftigere Wahl.
Möglich ist eine Unverträglichkeitsreaktion mit Hitzegefühl, Gesichtsrötung, pochenden Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Herzklopfen. Viele Menschen vertragen die Kombination allerdings folgenlos — wer reagiert, lässt sich nicht vorhersagen. Nach einem versehentlichen Glas gilt: beobachten, Wasser trinken, keinen weiteren Alkohol; bei heftigen Symptomen ärztliche Hilfe holen.
Der Wirkstoff tritt in den Speichel über und reizt dort die Geschmacksknospen — daher der metallisch-bittere Beigeschmack. Er ist harmlos und verschwindet nach dem Ende der Kur innerhalb weniger Tage. Kaugummi, saure Bonbons und Trinken nach der Einnahme mildern ihn.
Nein. Die rötlich-braune bis dunkle Färbung entsteht durch Abbauprodukte des Wirkstoffs und hat keinen Krankheitswert. Sie verschwindet nach dem Ende der Therapie von selbst. Abklären lassen solltest du die Verfärbung nur, wenn sie ohne Metronidazol auftritt, anhält oder Schmerzen und Fieber dazukommen.
Ja — die verordnete Dauer gilt, auch wenn die Beschwerden früher verschwinden. Zu kurze Therapien begünstigen Rückfälle, etwa bei bakterieller Vaginose, und fördern resistente Erreger, was besonders bei Helicobacter pylori ein Problem ist. Nur bei ernsten Nebenwirkungen wie Kribbeln in Händen oder Füßen wird die Therapie ärztlich überprüft.
Nach Einschätzung des Beratungszentrums Embryotox gehört Metronidazol zu den gut untersuchten Antibiotika; Hinweise auf Fehlbildungen haben sich nicht bestätigt. Es darf eingesetzt werden, wenn es medizinisch begründet ist — die Entscheidung über Form und Zeitpunkt trifft die behandelnde Praxis. Eine bereits erfolgte Einnahme ist kein Grund zur Sorge, sollte aber beim nächsten Termin erwähnt werden.
Kribbeln oder Taubheit in Händen und Füßen kann auf eine periphere Neuropathie hinweisen — eine Reizung der langen Nervenbahnen, die vor allem bei hohen Dosen und langer Anwendung auftritt. Früh erkannt, bildet sie sich meist zurück. Melde solche Beschwerden deshalb zeitnah der Praxis, statt sie auszusitzen.
Wirksame Blutspiegel erreicht der Wirkstoff wenige Stunden nach der Einnahme. Eine spürbare Besserung stellt sich bei den meisten Infektionen innerhalb von zwei bis drei Tagen ein. Bleibt sie aus oder verschlechtert sich der Zustand, gehört das in die Praxis — dann passt möglicherweise Erreger oder Diagnose nicht zum Medikament.

Quellen

  1. Fachinformation Metronidazol (aktueller Stand, abrufbar über das Informationssystem der Zulassungsbehörden). pharmnet-bund.de
  2. S3-Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis (DGVS/DGAV, AWMF Reg-Nr. 021-020, aktuelle Fassung). awmf.org
  3. S2k-Leitlinie Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit (DGVS, AWMF Reg-Nr. 021-001, aktuelle Fassung). awmf.org
  4. Embryotox, Charité — Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum: Metronidazol in Schwangerschaft und Stillzeit. Abgerufen 2026. embryotox.de
  5. Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Antibiotika — Wirkung und richtige Anwendung. Abgerufen 2026. gesundheitsinformation.de

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Brich eine verordnete Metronidazol-Kur nicht eigenmächtig ab und verzichte während der Behandlung sowie 48 Stunden danach auf Alkohol. Bei Kribbeln oder Taubheitsgefühlen in Händen und Füßen, Krampfanfällen oder heftigen Unverträglichkeitsreaktionen wende dich umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt beziehungsweise wähle im Notfall die 112. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: August 2026.