Bipolare Störung:
Symptome, Phasen & Behandlung

Auf einen Blick

HäufigkeitRund 1–3 von 100 Menschen sind im Laufe des Lebens betroffen — Männer und Frauen etwa gleich häufig, meist beginnt sie zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr
Andere NamenManisch-depressive Erkrankung, bipolar affektive Störung, früher „Manisch-Depressivität"
LeitsymptomWechsel zwischen depressiven Tiefs und manischen oder hypomanischen Hochphasen — mit beschwerdefreien Zeiten dazwischen
DiagnoseAusführliches ärztliches Gespräch zu bisherigen Stimmungsphasen — entscheidend ist der Nachweis mindestens einer manischen oder hypomanischen Episode
ErstliniePhasenprophylaxe mit einem Stimmungsstabilisierer (z. B. Lithium) plus Psychoedukation und stabiler Tagesrhythmus
ICD-10F31.9 (bipolare affektive Störung, nicht näher bezeichnet)

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Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine bipolare Störung?
  2. Die Formen: Bipolar I und Bipolar II
  3. Symptome: Manie und Depression
  4. Ursachen & Risikofaktoren
  5. Diagnose & Abgrenzung zur Depression
  6. Therapie: Grundlagen, Rhythmus & Schlaf
  7. Therapie: Medikamente im Klartext
  8. Verlauf & Phasenprophylaxe
  9. Alltag & Frühwarnzeichen
  10. So hilft brite dir
  11. FAQ
  12. Verwandte Themen
Hinweis Medikamente zur Phasenprophylaxe niemals eigenmächtig absetzen — auch nicht in stabilen Zeiten. Ein plötzlicher Stopp, besonders von Lithium, kann eine neue Krankheitsphase auslösen.

1. Was ist eine bipolare Störung?

Eine bipolare Störung ist eine psychische Erkrankung, bei der die Stimmung in Phasen weit über das normale Maß hinaus schwankt — nach unten in eine Depression und nach oben in eine Manie oder eine abgeschwächte Form, die Hypomanie. „Bipolar" bedeutet genau das: zwei Pole. Zwischen den Phasen liegen oft Wochen, Monate oder Jahre, in denen sich Betroffene völlig gesund und ausgeglichen fühlen.

Wichtig ist die Abgrenzung von normalen Stimmungsschwankungen, die jeder Mensch kennt. Bei einer bipolaren Störung sind die Phasen deutlich ausgeprägter, dauern länger (Tage bis Monate) und beeinträchtigen den Alltag, die Arbeit und Beziehungen erheblich. Es geht nicht um „mal gut, mal schlecht gelaunt", sondern um Zustände, die das Denken, den Antrieb, den Schlaf und das Urteilsvermögen tiefgreifend verändern.

Man kann sich die Erkrankung wie ein aus dem Takt geratenes Steuerungssystem für Stimmung und Energie vorstellen. In der Depression sind Antrieb, Interesse und Selbstwert wie heruntergedimmt; alltägliche Dinge werden zur Last. In der Manie geschieht das Gegenteil — Energie, Ideen und Selbstvertrauen schießen nach oben, oft verbunden mit einem gefährlich geringen Schlafbedürfnis und riskanten Entscheidungen. Beide Extreme können den Betroffenen und ihrem Umfeld schaden. Unbehandelt neigt die Erkrankung dazu, dass die Phasen im Lauf der Jahre häufiger und intensiver werden — deshalb ist eine frühzeitige, konsequente Behandlung so wichtig.

Die gute Nachricht Eine bipolare Störung ist gut behandelbar. Mit einer wirksamen Phasenprophylaxe, einem stabilen Tagesrhythmus und dem Wissen über die eigenen Frühwarnzeichen lassen sich Rückfälle deutlich reduzieren. Viele Betroffene führen ein stabiles, erfülltes Leben — entscheidend ist, dass die Behandlung dauerhaft läuft.

2. Die Formen: Bipolar I und Bipolar II

Die bipolare Störung ist keine einheitliche Erkrankung — je nachdem, wie stark die Hochphasen ausfallen, unterscheidet man verschiedene Formen. Der wichtigste Unterschied liegt zwischen einer Manie und einer Hypomanie: Beide bedeuten eine gehobene, überaktive Stimmung, aber die Manie ist deutlich stärker, dauert länger und stört das Leben massiv — bis hin zu psychotischen Symptomen oder einem Klinikaufenthalt.

FormHochphaseTiefphase
Bipolar IMindestens eine echte Manie (mind. 7 Tage oder Klinik nötig)Meist depressive Episoden, aber nicht zwingend für die Diagnose
Bipolar IIHypomanie (mind. 4 Tage, ohne schwere Beeinträchtigung)Mindestens eine ausgeprägte depressive Episode
ZyklothymieAnhaltend leichte Stimmungsschwankungen über mind. 2 JahreWechselnde leichte Hochs und Tiefs, unterschwellig
Rapid CyclingMindestens 4 Krankheitsphasen pro Jahr — schwerer zu behandeln
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Vereinfacht gesagt: Bei Bipolar I steht mindestens eine schwere Manie im Vordergrund. Bei Bipolar II überwiegen die depressiven Phasen, dazwischen liegen mildere Hochphasen (Hypomanien), die von Betroffenen oft gar nicht als krankhaft erlebt werden — im Gegenteil, sie fühlen sich dann besonders leistungsfähig und gut. Genau das macht Bipolar II tückisch: Weil die Hochs unauffällig bleiben und nur die Depressionen als belastend wahrgenommen werden, wird die Erkrankung häufig als „normale" Depression fehlgedeutet.

Warum die Unterscheidung zählt Ob Bipolar I oder II — die Diagnose entscheidet mit über die Behandlung. Wird eine bipolare Störung übersehen und wie eine reine Depression behandelt, kann ein Antidepressivum allein eine Hochphase auslösen. Deshalb ist die genaue Einordnung durch Fachleute so wichtig.

3. Symptome: Manie und Depression

Die Symptome hängen davon ab, in welcher Phase sich jemand befindet. Charakteristisch ist der Wechsel zwischen zwei sehr gegensätzlichen Zuständen — mit oft langen, beschwerdefreien Zeiten dazwischen. Manchmal treten Anzeichen beider Pole gleichzeitig auf; das nennt man eine gemischte Episode und sie ist besonders belastend.

In der manischen oder hypomanischen Phase zeigen sich typischerweise:

  • Vermindertes Schlafbedürfnis — nur wenige Stunden Schlaf, ohne sich müde zu fühlen. Oft eines der ersten und deutlichsten Warnzeichen.
  • Gesteigerter Antrieb und Rededrang — schnelles, sprunghaftes Reden, viele Ideen gleichzeitig, Gedankenrasen.
  • Übersteigertes Selbstbewusstsein bis hin zu Größenideen — das Gefühl, besonders wichtig, begabt oder unverwundbar zu sein.
  • Riskantes Verhalten — unüberlegte Ausgaben, riskante Geschäfte, erhöhte Risikobereitschaft im Straßenverkehr oder sexuell.
  • Reizbarkeit und Ungeduld, teils aggressive Gereiztheit statt Euphorie.
  • In schweren Fällen psychotische Symptome wie Wahnideen oder Realitätsverlust.

In der depressiven Phase stehen dagegen im Vordergrund:

  • Gedrückte Stimmung, Inter- und Freudlosigkeit über die meiste Zeit des Tages.
  • Antriebslosigkeit und starke Erschöpfung schon bei kleinen Aufgaben.
  • Schlafprobleme — zu wenig oder auffällig viel Schlaf, ohne Erholung.
  • Gefühle von Wertlosigkeit, Schuld und Hoffnungslosigkeit.
  • Konzentrations- und Entscheidungsprobleme, teils innere Unruhe oder Gedanken an den Tod.

Der Kontrast ist entscheidend: Dieselbe Person, die in der Depression morgens kaum aus dem Bett kommt, kann Wochen später in der Manie tagelang durcharbeiten und dabei jedes Maß verlieren. Weil sich viele Betroffene in der Hochphase gerade nicht krank fühlen, kommen sie meist erst in der Depression in Behandlung — die manischen Phasen bleiben dann unerwähnt. Genau deshalb ist es so wichtig, aktiv nach früheren Hochphasen zu fragen.


4. Ursachen & Risikofaktoren

Eine bipolare Störung entsteht nicht durch eine einzelne Ursache, sondern aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Am wichtigsten ist die erbliche Veranlagung: Die genetische Komponente ist bei kaum einer anderen psychischen Erkrankung so ausgeprägt. Wer nahe Verwandte mit einer bipolaren Störung hat, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko. Vererbt wird aber nicht die Krankheit selbst, sondern eine erhöhte Anfälligkeit.¹

  • Veranlagung: Die bipolare Störung tritt stark familiär gehäuft auf — Gene spielen eine zentrale Rolle.
  • Hirnstoffwechsel: Ein aus dem Gleichgewicht geratenes Zusammenspiel von Botenstoffen wie Dopamin, Noradrenalin und Serotonin.
  • Gestörter Rhythmus: Schlafmangel, Schichtarbeit, Jetlag oder ein unregelmäßiger Tagesablauf können Phasen auslösen.
  • Stress und Lebensereignisse: Belastende Umbrüche, Verluste, aber auch positive Aufregung können der Auslöser einer Episode sein.
  • Substanzen: Alkohol, Cannabis, Stimulanzien und manche Medikamente können Phasen begünstigen oder verstärken.

Ein besonderer Punkt: Schlaf ist bei der bipolaren Störung nicht nur Symptom, sondern auch Auslöser. Eine einzige durchwachte Nacht kann bei empfindlichen Menschen den Kipp-Punkt in eine Manie darstellen. Deshalb spielen ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus und der Umgang mit Schlafstörungen in der Behandlung eine so große Rolle. Die Veranlagung lässt sich nicht ändern — aber viele der auslösenden Faktoren lassen sich beeinflussen.


5. Diagnose & Abgrenzung zur Depression

Die Diagnose einer bipolaren Störung stellt eine psychiatrische oder psychotherapeutische Fachkraft — und sie braucht Zeit. Es gibt keinen Bluttest und kein Bild, das die Erkrankung beweist. Entscheidend ist ein ausführliches Gespräch über den bisherigen Verlauf der Stimmung, ergänzt durch Fragebögen und — mit Einverständnis — oft auch die Schilderung von Angehörigen.¹

Der Schlüssel zur Diagnose ist der Nachweis mindestens einer manischen oder hypomanischen Episode in der Vergangenheit. Genau hier liegt die große Schwierigkeit: Wer nur in der Depression Hilfe sucht, erinnert oder erwähnt die früheren Hochphasen häufig nicht — sie wirkten ja wie „besonders gute Zeiten". Im Durchschnitt vergehen deshalb mehrere Jahre von den ersten Beschwerden bis zur richtigen Diagnose.

  • Ausführliche Anamnese: Wann traten welche Phasen auf, wie lange dauerten sie, wie stark war die Beeinträchtigung?
  • Fremdanamnese: Angehörige nehmen manische Phasen oft deutlicher wahr als die Betroffenen selbst.
  • Gezielt nach Hochphasen fragen: Wenig Schlaf bei viel Energie, Rededrang, ungewöhnliche Ausgaben, Größenideen.
  • Ausschluss anderer Ursachen: Schilddrüse, Medikamente, Substanzkonsum und körperliche Erkrankungen werden abgeklärt.
Warum die Abgrenzung zur unipolaren Depression entscheidend ist Wird eine bipolare Störung fälschlich als reine (unipolare) Depression behandelt, kann ein Antidepressivum allein eine Manie oder ein Rapid Cycling auslösen. Deshalb muss vor jeder Depressionsbehandlung aktiv nach früheren Hochphasen gefragt werden — und bei bipolarer Störung wird ein Antidepressivum, wenn überhaupt, nur zusammen mit einem Stimmungsstabilisierer eingesetzt.

Auch die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen gehört zur Diagnose: Angststörungen, eine Aufmerksamkeitsstörung (ADHS), Persönlichkeitsstörungen oder Substanzkonsum können ähnliche Bilder erzeugen oder gleichzeitig bestehen. Eine sorgfältige Einordnung ist die Grundlage jeder wirksamen Behandlung.

6. Therapie: Grundlagen, Rhythmus & Schlaf

Die Behandlung einer bipolaren Störung steht auf mehreren Säulen: Medikamente zur Phasenprophylaxe, Psychotherapie und Psychoedukation sowie ein stabiler Lebensrhythmus. Keine dieser Säulen ersetzt die andere — erst zusammen entfalten sie ihre volle Wirkung. Ziel ist nicht nur, akute Phasen zu behandeln, sondern vor allem, neue Phasen zu verhindern.¹

Ein zentraler, oft unterschätzter Baustein ist der Rhythmus. Weil unregelmäßiger Schlaf und ein aus dem Takt geratener Alltag Phasen auslösen können, ist ein geregelter Tagesablauf keine nette Nebensache, sondern ein wirksamer Schutz. Feste Zeiten für Schlafen, Aufstehen, Essen und Aktivität stabilisieren die innere Uhr — ein Prinzip, das in der Fachwelt als soziale Rhythmustherapie bekannt ist. Die einzelnen Bausteine wirken dabei zusammen: Wer Schlaf, Struktur und Stressmanagement kombiniert, senkt sein Rückfallrisiko spürbar.

Basis Rhythmus & Lebensstil — schützt in jeder Phase
Regelmäßiger Schlaf
Feste Schlaf- und Aufstehzeiten sind der wichtigste Einzelfaktor. Schon eine durchwachte Nacht kann bei empfindlichen Menschen eine Manie anstoßen — deshalb hat guter Schlaf oberste Priorität.
Tagesstruktur
Feste Zeiten für Mahlzeiten, Arbeit und Aktivität halten die innere Uhr stabil. Große Umbrüche wie Schichtarbeit oder Fernreisen mit Bedacht planen.
Psychoedukation
Die eigene Erkrankung und die persönlichen Frühwarnzeichen zu kennen, ist eine der wirksamsten „Behandlungen" überhaupt. Sie erlaubt es, früh gegenzusteuern.
Substanzen meiden
Alkohol, Cannabis und Stimulanzien können Phasen auslösen und die Wirkung der Medikamente stören. Ein bewusster Verzicht stabilisiert den Verlauf.

Psychotherapie — vor allem verhaltenstherapeutische Ansätze und die genannte Rhythmustherapie — hilft, mit der Erkrankung umzugehen, Auslöser zu erkennen und Frühwarnzeichen zu deuten. Bei anhaltender innerer Unruhe oder Schlafproblemen ist sie eine wichtige Ergänzung zur medikamentösen Behandlung.


7. Therapie: Medikamente im Klartext

Das Herzstück der Langzeitbehandlung ist die Phasenprophylaxe — eine dauerhafte Medikation, die neue Hochs und Tiefs verhindern soll. Sie wird meist auch dann fortgeführt, wenn es einem gut geht, denn der stabile Zustand ist gerade das Ergebnis der Behandlung. Daneben gibt es Medikamente für die akute Manie und für die bipolare Depression. Welcher Wirkstoff passt, hängt von der Form, dem bisherigen Verlauf und der Verträglichkeit ab.¹,²

Erstlinie Stimmungsstabilisierer zur Phasenprophylaxe
Lithium
Der am besten belegte Stimmungsstabilisierer und häufig die erste Wahl. Schützt vor Manie und Depression und senkt nachweislich das Suizidrisiko. Wichtig: Der Blutspiegel muss regelmäßig kontrolliert werden, da der wirksame und der schädliche Bereich nah beieinander liegen.
Besonders wirksam gegen depressive Phasen und daher oft bei Bipolar II eingesetzt. Muss langsam eingeschlichen werden, um einen seltenen, aber ernsten Hautausschlag zu vermeiden.
Ein modernes Antipsychotikum, das sowohl in der Manie als auch in der Depression und zur Vorbeugung wirkt. Typische Nebenwirkungen: Müdigkeit, Gewichtszunahme — häufig abends eingenommen.
Valproat & weitere
Valproat wirkt gut in der Manie, ist aber bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht geeignet. Weitere Antipsychotika (z. B. Olanzapin, Aripiprazol) ergänzen je nach Situation die Behandlung.
Antidepressiva nur mit Vorsicht Ein Antidepressivum allein kann bei einer bipolaren Störung eine Manie oder einen schnellen Phasenwechsel auslösen. Deshalb werden Antidepressiva bei bipolarer Depression nur zurückhaltend und in der Regel nur zusammen mit einem Stimmungsstabilisierer eingesetzt. Genau das ist der Grund, warum die richtige Diagnose so entscheidend ist.

Kein Medikament sollte eigenmächtig abgesetzt werden — gerade bei Lithium kann ein abruptes Absetzen eine neue Phase provozieren. Nebenwirkungen sind kein Grund, still aufzuhören: Oft hilft schon eine Dosisanpassung oder ein Wechsel des Präparats. Wechselwirkungen mit anderen Mitteln lassen sich vorab prüfen; mehr dazu im Ratgeber Wechselwirkungen von Medikamenten.

Behalte deine Therapie im Griff

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8. Verlauf & Phasenprophylaxe

Die bipolare Störung ist in aller Regel eine lebenslange Erkrankung, die in Phasen verläuft. Zwischen den Episoden gibt es oft lange stabile Zeiten. Das Ziel der Behandlung ist es, diese stabilen Phasen so lang wie möglich zu machen und Rückfälle abzuschwächen oder ganz zu verhindern. Wie das im Einzelfall aussieht, ist unterschiedlich — deshalb wird die Therapie individuell angepasst.¹

SituationBehandlungszielHinweis
Akute ManieRasche Beruhigung, Schutz vor SchadenOft Antipsychotikum, ggf. Klinik
Bipolare DepressionStimmung heben ohne Manie auszulösenStimmungsstabilisierer bevorzugt
Stabile PhaseRückfälle verhindern (Prophylaxe)Medikation fortführen, Rhythmus halten
Rapid CyclingPhasenwechsel bremsenAntidepressiva meist meiden
KinderwunschSichere WirkstoffwahlValproat meiden, Planung mit Fachärztin
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Ein wirksames Werkzeug in der stabilen Phase ist der persönliche Krisenplan: eine gemeinsam mit Behandlern und Angehörigen erstellte Liste der eigenen Frühwarnzeichen und der Schritte, die bei einer beginnenden Phase helfen. Wer seine typischen ersten Anzeichen kennt — etwa weniger Schlaf, mehr Ausgaben, gereizte Stimmung — kann früh gegensteuern, oft bevor eine volle Episode entsteht. Regelmäßige Kontrolltermine und das Dokumentieren von Stimmung und Schlaf sind dabei die beste Grundlage.

Frühwarnzeichen früh erkennen

Halte in brite Stimmung und Schlaf fest und erkenne beginnende Phasen, bevor sie dich überrollen — ideal fürs nächste Arztgespräch.

Verlauf dokumentieren

9. Alltag & Frühwarnzeichen

Ein großer Teil der Behandlung findet im Alltag statt. Ein paar Gewohnheiten machen den Unterschied zwischen stabilen und instabilen Phasen:

  • Schlaf schützen: Feste Schlafzeiten einhalten, Nächte durchmachen vermeiden. Verändert sich der Schlaf, ist das oft das erste Warnzeichen.
  • Stimmung und Schlaf tracken: Kurze tägliche Notizen (oder eine App) machen Muster sichtbar und helfen, Phasen früh zu erkennen. Zum Termin mitbringen.
  • Medikamente zur festen Zeit: Eine feste Routine erhöht die Zuverlässigkeit. Bei vergessener Einnahme nicht einfach doppelt nehmen.
  • Angehörige einbeziehen: Vertraute Personen bemerken beginnende Hochphasen oft früher als man selbst — ein vereinbartes Signal hilft.
Akute Krise — sofort Hilfe holen Bei akuter Suizidalität, Gedanken, sich oder anderen etwas anzutun (Fremdgefährdung), oder bei psychotischen Symptomen wie Wahn oder Realitätsverlust: sofort den Notruf 112 wählen oder eine psychiatrische Klinik aufsuchen. Rund um die Uhr erreichbar ist auch die Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, anonym). Du musst mit einer Krise nicht allein bleiben.

So hilft brite dir bei bipolarer Störung

Eine bipolare Störung behandelt man nicht in Wochen, sondern über Jahre — oft mit mehreren Wirkstoffen. Die Therapie schützt nur, wenn sie zuverlässig läuft und Stimmung, Schlaf und Frühwarnzeichen im Blick bleiben. Genau dabei unterstützt brite.

  • Einnahme-Erinnerung — Lithium, Lamotrigin, Quetiapin oder deine Kombination pünktlich und ohne Lücken. Erinnerung einrichten
  • Gesundheitsverlauf — Stimmung, Schlaf und Energie dokumentieren und als Kurve zum Termin mitbringen. Die beste Grundlage, um Phasen früh zu erkennen. Verlauf tracken
  • Wechselwirkungs-Check — erkennt kritische Kombinationen, etwa Substanzen oder Medikamente, die eine Phase auslösen oder deine Stimmungsstabilisierer beeinflussen können. Jetzt prüfen
  • Digitaler Medikationsplan — alle Präparate übersichtlich für Psychiatrie, Hausarzt und Apotheke. Zum Medikationsplan
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FAQ: Häufige Fragen zur bipolaren Störung

Bei Bipolar I tritt mindestens eine echte, schwere Manie auf, die den Alltag massiv stört oder eine Klinik nötig macht. Bei Bipolar II gibt es nur mildere Hochphasen (Hypomanien), dafür ausgeprägte depressive Episoden. Bipolar II wird häufig übersehen, weil die Hochs als „besonders gute Zeiten" erlebt werden.
Der entscheidende Unterschied sind die Hochphasen: Bei einer bipolaren Störung gab es mindestens einmal eine manische oder hypomanische Episode, bei einer unipolaren Depression nie. Diese Abgrenzung ist wichtig, weil ein Antidepressivum allein bei bipolarer Störung eine Manie auslösen kann. Deshalb wird vor jeder Depressionsbehandlung nach früheren Hochphasen gefragt.
Typische Frühwarnzeichen sind ein deutlich vermindertes Schlafbedürfnis ohne Müdigkeit, gesteigerter Antrieb und Rededrang, viele Ideen und Gedankenrasen, übersteigertes Selbstbewusstsein bis zu Größenideen sowie riskantes Verhalten wie ungewöhnliche Ausgaben. Wer seine persönlichen ersten Anzeichen kennt, kann früh gegensteuern.
Heilen im Sinne von vollständig verschwinden lässt sie sich in der Regel nicht — sie ist meist eine lebenslange Erkrankung. Sie ist aber sehr gut behandelbar. Mit einer wirksamen Phasenprophylaxe, einem stabilen Rhythmus und Psychoedukation lassen sich Rückfälle deutlich reduzieren, und viele Betroffene führen ein stabiles, erfülltes Leben.
Schlaf ist bei der bipolaren Störung nicht nur Symptom, sondern auch Auslöser. Schon eine durchwachte Nacht kann bei empfindlichen Menschen eine manische Phase anstoßen. Deshalb sind feste Schlaf- und Aufstehzeiten sowie ein geregelter Tagesrhythmus ein wirksamer Schutz vor neuen Phasen.
Meist ja. Die Phasenprophylaxe wird in der Regel auch in stabilen Zeiten fortgeführt, denn der gute Zustand ist gerade das Ergebnis der Behandlung. Eigenmächtiges Absetzen ist gefährlich — besonders bei Lithium kann ein abrupter Stopp eine neue Phase auslösen. Änderungen immer mit der behandelnden Praxis besprechen.
Die wichtigsten Stimmungsstabilisierer sind Lithium (am besten belegt, senkt auch das Suizidrisiko), Lamotrigin (vor allem gegen depressive Phasen) und Quetiapin (wirkt in Manie, Depression und zur Vorbeugung). Valproat wirkt gut in der Manie, ist aber bei Frauen mit Kinderwunsch nicht geeignet. Welcher Wirkstoff passt, hängt vom individuellen Verlauf ab.
Sie können, wenn sie allein gegeben werden. Ein Antidepressivum ohne Stimmungsstabilisierer kann eine Manie oder einen schnellen Phasenwechsel (Rapid Cycling) auslösen. Deshalb werden Antidepressiva bei bipolarer Depression nur zurückhaltend und meist nur in Kombination mit einem Stimmungsstabilisierer eingesetzt — und die richtige Diagnose ist entscheidend.
Bei akuten Gedanken, dir oder anderen etwas anzutun, oder bei psychotischen Symptomen wie Wahn oder Realitätsverlust wähle sofort den Notruf 112 oder geh in eine psychiatrische Klinik. Rund um die Uhr erreichbar ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, anonym). Auch eine stark veränderte Stimmung unter der Therapie sollte rasch besprochen werden.

11. Verwandte Themen

Quellen

  1. S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bipolarer Störungen (DGBS/DGPPN). awmf.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen e. V. (DGBS). dgbs.de
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Bipolare Störung. gesundheitsinformation.de
  4. Stiftung Deutsche Depressionshilfe. deutsche-depressionshilfe.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Therapie. Medikamente zur Phasenprophylaxe sollten niemals eigenmächtig abgesetzt oder in der Dosis verändert werden — bei Fragen die behandelnde Praxis kontaktieren. Bei akuter Suizidalität, Fremdgefährdung oder psychotischen Symptomen sofort den Notruf 112 wählen oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 bzw. 0800 111 0 222 kontaktieren. Letzte Aktualisierung: Juli 2026.