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Sarah K., 34
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Auf einen Blick
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Keuchhusten (Pertussis) ist eine bakterielle Infektion der Atemwege. Der Erreger Bordetella pertussis bildet Giftstoffe, die die Flimmerhärchen der Bronchien lähmen und schädigen. Die Folge ist ein Husten, der in heftigen Anfällen kommt und sich über viele Wochen hinziehen kann — im Volksmund „100-Tage-Husten".¹
Lange galt Keuchhusten als Kinderkrankheit. Das stimmt heute nicht mehr: Laut RKI treten rund 60 Prozent der Erkrankungen bei Erwachsenen auf. Der Grund: Weder die Impfung noch eine durchgemachte Erkrankung schützen lebenslang. Nach der letzten Impfung hält der Schutz einige Jahre weitgehend, danach lässt er nach — jeder Mensch kann sich mehrmals im Leben anstecken.¹,² Nach pandemiebedingt ruhigen Jahren stiegen die Meldezahlen 2023 und vor allem 2024 steil an.
Keuchhusten ist in Deutschland meldepflichtig: Schon der Verdacht, die Erkrankung und jeder Labornachweis werden namentlich an das Gesundheitsamt gemeldet — das erledigt die Praxis oder das Labor.¹
Nach der Ansteckung vergehen meist 9 bis 10 Tage (Spanne 6 bis 20 Tage), bis erste Beschwerden auftreten. Bei Ungeimpften verläuft die Erkrankung klassisch in drei Stadien:¹
| Stadium | Dauer | Typische Beschwerden |
|---|---|---|
| Stadium catarrhale (Erkältungsstadium) | 1–2 Wochen | Schnupfen, leichter Husten, allenfalls leichtes Fieber — nicht von einer Erkältung zu unterscheiden. Die Ansteckungsgefahr ist jetzt am höchsten |
| Stadium convulsivum (Anfallsstadium) | 4–6 Wochen | Anfallsartige Hustenstöße (Stakkatohusten), danach ein ziehendes Einatmen („Keuchen"), Hervorwürgen von zähem Schleim, oft Erbrechen; nachts besonders häufig |
| Stadium decrementi (Abklingstadium) | 6–10 Wochen | Die Anfälle werden seltener und schwächer; Kälte, Anstrengung oder Rauch lösen sie noch lange aus |
Bei Jugendlichen, Erwachsenen und Geimpften fehlt das klassische Bild häufig. Oft bleibt nur ein langwieriger, trockener Husten, der nachts stärker ist und in Anfällen kommt. Deshalb wird Keuchhusten bei Erwachsenen oft erst spät oder gar nicht erkannt.¹,³
Der Husten ist so heftig, dass er Folgeschäden verursachen kann. Das RKI nennt unter anderem Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündungen, Rippenbrüche, Brüche der Bauchwand wie einen Leistenbruch, ungewollten Urinverlust sowie Einblutungen im Augenweiß.¹ Die häufigste ernste Komplikation ist eine Lungenentzündung, besonders bei Säuglingen und älteren Menschen. Wer schon vorher unter einer Belastungsinkontinenz litt, merkt oft eine deutliche Verschlechterung.
Keuchhusten wird über Tröpfchen beim Husten, Niesen und Sprechen übertragen und ist hochansteckend. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt schon am Ende der Inkubationszeit, ist im Erkältungsstadium am größten und kann ohne Behandlung bis zu drei Wochen nach Beginn der Hustenanfälle anhalten. Mit einem wirksamen Antibiotikum endet sie in der Regel nach etwa fünf Tagen.¹
Wie sich die Ursachen eines anhaltenden Hustens allgemein unterscheiden, erklärt der Symptom-Beitrag Husten.
Ein Verdacht auf Keuchhusten liegt nahe bei Husten über zwei Wochen mit Anfällen, Würgen oder ziehendem Einatmen — und erst recht nach Kontakt zu einem bestätigten Fall. Gesichert wird die Diagnose im Labor.¹
Warte mit dem Arztbesuch nicht, bis der Husten „von selbst weggeht": Je früher die Diagnose steht, desto eher lässt sich die Ansteckungskette unterbrechen. Ruf vorher an, damit die Praxis dich nicht ins volle Wartezimmer setzt.
Hier ist Ehrlichkeit wichtig: Ein Antibiotikum verkürzt den Keuchhusten nur, wenn es früh gegeben wird — im Erkältungsstadium oder in den ersten ein bis zwei Wochen der Hustenanfälle. Später hat das Gift der Bakterien die Atemwege schon geschädigt, und der Husten läuft trotz Behandlung weiter.¹
Trotzdem ist das Antibiotikum auch dann sinnvoll: Es beendet die Ansteckungsfähigkeit nach wenigen Tagen und schützt damit Babys, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen in deinem Umfeld. Die Entscheidung trifft die behandelnde Praxis.
Enge Kontaktpersonen, etwa im Haushalt, bekommen unter Umständen vorbeugend ein Antibiotikum (Chemoprophylaxe) — laut RKI alle, die nicht nach STIKO-Empfehlung geimpft sind oder deren letzte Keuchhusten-Impfung mehr als zehn Jahre zurückliegt, und auch vollständig Geimpfte, wenn gefährdete Menschen wie Säuglinge im Umfeld leben. Sie ist bis zu drei Wochen nach dem ersten Kontakt sinnvoll.¹
Das Standardmittel ist meist Azithromycin. Makrolide sind in der Regel gut verträglich; typisch sind Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall. Wichtiger für Menschen mit Dauermedikation sind die Wechselwirkungen.⁵
Den schnellsten Überblick bekommst du, wenn deine vollständige Medikamentenliste vorliegt — siehe Wechselwirkungen von Medikamenten.
Viele greifen zu Hustenstillern aus der Apotheke. Beim Keuchhusten ist ein Nutzen dafür nicht belegt; die Anfälle entstehen durch die Schädigung der Atemwege und lassen sich so kaum unterdrücken. Dazu kommen Risiken: Codein ist für Kinder unter 12 Jahren und in der Stillzeit nicht geeignet, und Dextromethorphan kann zusammen mit bestimmten Antidepressiven ein Serotonin-Syndrom auslösen. Frag vor jedem freiverkäuflichen Hustenmittel in der Apotheke nach.
brite prüft deine Medikamente auf Wechselwirkungen und erinnert dich an jede Antibiotika-Dosis.
Säuglinge sind in den ersten Lebensmonaten am stärksten gefährdet, und ihre eigene Impfung beginnt erst mit zwei Monaten. Die STIKO setzt deshalb auf zwei Schutzschichten:²
Die Impfung in der Schwangerschaft gilt nach aktuellem Wissensstand als sicher für Mutter und Kind. Allgemeine Hinweise zu Arzneimitteln in dieser Zeit stehen im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Für Erwachsene empfiehlt die STIKO, die nächste fällige Tetanus-Diphtherie-Auffrischung einmalig mit einer Keuchhusten-Komponente zu kombinieren (Tdap, bei Bedarf zusätzlich mit Polio). Einen Einzelimpfstoff gegen Keuchhusten gibt es in Deutschland nicht. Wer beruflich mit Säuglingen, Kindern oder Patientinnen und Patienten arbeitet, soll alle zehn Jahre aufgefrischt werden.²
Ehrlich eingeordnet: Die heutigen Impfstoffe schützen gut vor schweren Verläufen, aber nicht dauerhaft vor jeder Ansteckung. Auch Geimpfte können einige Jahre später erkranken — meist milder. Die Impfung bleibt trotzdem der wichtigste Schutz, vor allem für Säuglinge im Umfeld. Nebenwirkungen sind meist harmlos: Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle, gelegentlich Abgeschlagenheit. Wer Immunsuppressiva oder Cortison einnimmt, klärt den besten Zeitpunkt mit der Praxis — siehe Impfungen und Medikamente.
Keuchhusten zermürbt vor allem durch seine Dauer und die gestörten Nächte. Hilfreich ist, den Verlauf kurz zu notieren — wie viele Anfälle pro Nacht, mit oder ohne Erbrechen. So erkennst du die langsame Besserung, die im Alltag leicht untergeht, und die Praxis sieht, wenn etwas nicht passt.
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