Eingeschlafene Hände: Warum nachts die Finger taub werden — Karpaltunnel und Co.

Auf einen Blick

Gelegentlich eingeschlafene Hände sind meist harmlosLiegt ein Nerv nachts zu lange unter Druck oder ist das Handgelenk stark abgeknickt, meldet er sich mit Kribbeln und Taubheit. Nach Lagewechsel und Ausschütteln ist das in wenigen Minuten vorbei.
Wachst du fast jede Nacht mit tauben Fingern auf,ist das Karpaltunnelsyndrom die häufigste Erklärung — besonders wenn Daumen, Zeige- und Mittelfinger betroffen sind und der kleine Finger frei bleibt.
Welche Finger taub werden, verrät den NervRing- und Kleinfinger sprechen eher für den Ellennerv am Ellenbogen, beide Hände „handschuhförmig" eher für eine Polyneuropathie, Nackenschmerz mit Ausstrahlung eher für die Halswirbelsäule.
Medikamente mitdenkenEinige Antibiotika und Chemotherapeutika können Nerven schädigen, Metformin kann über einen Vitamin-B12-Mangel wirken, Aromatasehemmer können ein Karpaltunnelsyndrom begünstigen. Schlafmittel und Alkohol machen Druckschäden wahrscheinlicher.
Sofort abklären lassenplötzliche Taubheit einer Hand zusammen mit hängendem Mundwinkel, Sprachstörung oder Schwäche einer Körperhälfte — sofort die 112. Zeitnah in die Praxis, wenn dir Dinge aus der Hand fallen oder der Daumenballen flacher wird.

Die häufigsten Ursachen im Vergleich

UrsacheBetroffene FingerTypisches MusterHäufig beiErster Schritt
Druck durch die SchlafhaltungWechselnd, je nach LageBeim Aufwachen, nach Bewegen und Ausschütteln in Minuten wegAllen Menschen, gelegentlichSchlafposition ändern, Handgelenke gerade halten
KarpaltunnelsyndromDaumen, Zeige-, Mittelfinger, halber RingfingerWeckt nachts auf, Ausschütteln hilft; später auch tagsüberFrauen, Schwangerschaft, Diabetes, SchilddrüsenunterfunktionNachtschiene, ärztliche Abklärung mit Nervenmessung
Ellennerv am EllenbogenRing- und KleinfingerStärker bei lange gebeugtem Ellenbogen, etwa im Schlaf oder beim TelefonierenMenschen, die sich viel aufstützenArme nachts eher gestreckt lagern, abklären lassen
HalswirbelsäuleMeist eine Hand, je nach NervenwurzelMit Nacken- und Armschmerz, abhängig von der KopfhaltungMittlerem und höherem AlterHausärztlich oder orthopädisch einordnen lassen
PolyneuropathieBeide Seiten, meist zuerst die FüßeAnhaltend, brennend, „wie auf Watte", in Ruhe stärkerDiabetes, Alkohol, Vitamin-B12-Mangel, MedikamentenBlutzucker, Vitamin B12 und Medikamentenliste prüfen
Durchblutung (Raynaud-Syndrom)Einzelne Finger, weiß oder bläulich verfärbtAnfallsartig bei Kälte oder Stress, nicht an die Lage gebundenEher jüngeren FrauenWärmen; bei Neuauftreten als Erwachsener abklären
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Die Ursachen im Detail

In diesem Beitrag geht es um ein ganz bestimmtes Muster: Hände und Finger, die nachts oder beim Aufwachen „eingeschlafen" sind. Kribbeln ohne Bezug zu Lage und Tageszeit ordnet der Beitrag zu Kribbeln in Händen und Füßen ein, eine anhaltende Gefühlsminderung der Beitrag zum Taubheitsgefühl. Die Erkrankung selbst mit allen Therapiedetails beschreibt der Beitrag zum Karpaltunnelsyndrom.

Druck im Schlaf: das harmlose Einschlafen

Ein Nerv braucht eine gute Durchblutung, um Signale sauber weiterzuleiten. Liegt er unter Druck — der Arm unter dem Kopfkissen, die Hand unter dem Körper, die Handgelenke stark eingeknickt wie bei der „Embryohaltung" mit Fäusten unter dem Kinn —, stockt die Weiterleitung. Du spürst zuerst Taubheit, beim Entlasten dann das bekannte Ameisenlaufen. Das ist unangenehm, aber in der Regel folgenlos, solange es nach wenigen Minuten vollständig verschwindet und nicht jede Nacht auftritt.

Eine Sonderform ist die Parkbanklähmung: Nach sehr tiefem Schlaf — oft nach Alkohol oder Schlafmitteln — lag der Arm stundenlang über einer Kante, und der Speichennerv am Oberarm ist gequetscht. Dann hängt die Hand schlaff herunter und lässt sich nicht anheben (Fallhand). Das bildet sich meist über Wochen zurück, gehört aber ärztlich angesehen.

Karpaltunnelsyndrom: der häufigste Grund für nächtliche Taubheit

Im Karpaltunnel, einem engen Kanal auf der Beugeseite des Handgelenks, verlaufen der Mittelhandnerv (Nervus medianus) und neun Beugesehnen unter einem straffen Band. Wird es dort eng, gerät der Nerv unter Druck. Typisch ist die nächtliche Taubheit von Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie der daumenseitigen Hälfte des Ringfingers; der kleine Finger bleibt frei, weil ihn ein anderer Nerv versorgt. Viele wachen mit Kribbeln oder brennenden Schmerzen auf, die bis in den Unterarm ziehen können, und schütteln die Hand aus, bis es besser wird.

Später kommen Beschwerden am Tag dazu, etwa beim Halten von Handy oder Lenkrad, dann können Feinmotorik und Kraft nachlassen und der Daumenballen flacher werden. Begünstigt wird das Syndrom durch alles, was den Tunnel zusätzlich einengt: Schwangerschaft (danach bessert es sich oft von selbst), Diabetes, eine Schilddrüsenunterfunktion, entzündliches Gelenkrheuma, Übergewicht und häufige kraftvolle Beugebewegungen oder Vibrationen im Beruf. Stehen Schmerzen am Handgelenk selbst im Vordergrund, hilft der Beitrag zu Handgelenkschmerzen bei der Einordnung.

Ellennerv: wenn Ring- und Kleinfinger einschlafen

Der Ellennerv (Nervus ulnaris) läuft an der Innenseite des Ellenbogens in einer knöchernen Rinne dicht unter der Haut — die Stelle, die beim Anstoßen „elektrisch" schmerzt. Wird der Ellenbogen lange stark gebeugt, wird der Nerv gedehnt und gedrückt. Wer mit angewinkelten Armen schläft, lange telefoniert oder sich viel aufstützt, spürt dann Kribbeln in Ring- und Kleinfinger. Hält die Reizung an, können die kleinen Handmuskeln schwächer werden. Seltener liegt die Engstelle am Handgelenk, etwa bei Radfahrenden mit viel Lenkerdruck.

Halswirbelsäule: wenn der Nerv schon im Nacken gereizt wird

Die Nerven für Arm und Hand verlassen das Rückenmark zwischen den Halswirbeln. Ein Bandscheibenvorfall oder verschleißbedingte Einengungen können dort eine Nervenwurzel reizen. Dann sind meist nur eine Hand und ein bestimmter Fingerbereich betroffen, oft zusammen mit Schmerzen, die vom Nacken in Schulter und Arm ausstrahlen und sich bei bestimmten Kopfbewegungen verstärken. Weil die Wurzel für Daumen und Zeigefinger ein Karpaltunnelsyndrom nachahmen kann, gehört die Halswirbelsäule bei unklaren Befunden zur Abklärung. Werden beide Hände ungeschickt und der Gang unsicher, kann das Rückenmark selbst eingeengt sein — ein Grund für eine rasche Untersuchung.

Polyneuropathie: wenn beide Seiten betroffen sind

Bei einer Polyneuropathie sind viele Nerven gleichzeitig geschädigt, und zwar zuerst die längsten. Deshalb beginnt sie meist an den Füßen, erst später folgen die Hände — symmetrisch, „strumpf- und handschuhförmig". Typisch sind Brennen, Kribbeln und ein Gefühl wie auf Watte, das in Ruhe und nachts deutlicher wird. Zu den häufigsten Ursachen zählen Diabetes und Alkohol, dazu Vitamin-B12-Mangel, Nierenschwäche, Schilddrüsenerkrankungen und Medikamente. Anders als das lagebedingte Einschlafen verschwindet das Gefühl nicht durch Ausschütteln.

Durchblutung, Atmung, Gehirn: selten, aber wichtig

Beim Raynaud-Syndrom verkrampfen sich die kleinen Fingerarterien bei Kälte oder Stress. Die Finger werden erst weiß, dann bläulich, beim Wiedererwärmen rot — und währenddessen taub. Das hängt an der Temperatur, nicht an der Schlafhaltung; mehr dazu unter kalte Hände und Füße. Kribbeln in beiden Händen und um den Mund bei Angst spricht für zu schnelles Atmen (Hyperventilation). Ein Schlaganfall zeigt sich anders: plötzlich, meist eine Körperseite samt Gesicht, unabhängig von der Lage und nicht wegzuschütteln.


Selbsttests: erste Hinweise für zu Hause

Diese Beobachtungen ersetzen keine Diagnose — einzelne Tests fallen auch bei Gesunden positiv und bei Betroffenen negativ aus. Zusammen geben sie aber eine gute Richtung vor.

  • Die Fingerkarte: Markiere beim nächsten Mal, welche Finger taub sind. Daumen bis Mittelfinger (kleiner Finger frei) passt zum Mittelhandnerv, Ring- und Kleinfinger zum Ellennerv, der daumenseitige Handrücken zum Speichennerv. Alle Finger beider Hände gleichmäßig passt eher zu einer Polyneuropathie.
  • Der Schütteltest: Wird es deutlich besser, wenn du die Hand ausschüttelst oder locker hängen lässt? Diese Beobachtung ist typisch für das Karpaltunnelsyndrom.
  • Der Beugetest (Phalen-Test): Lege die Handrücken vor der Brust aneinander, sodass beide Handgelenke rechtwinklig gebeugt sind, und halte das bis zu einer Minute. Kribbeln in Daumen bis Mittelfinger ist ein Hinweis auf einen engen Karpaltunnel.
  • Der Klopftest (Hoffmann-Tinel-Zeichen): Klopfe mit zwei Fingern der anderen Hand mittig auf die Beugeseite des Handgelenks. Ein elektrisierendes Gefühl, das in die Finger schießt, deutet auf einen gereizten Nerv an dieser Stelle.
  • Der Ellenbogentest: Beuge den Arm maximal und halte ihn etwa eine Minute. Schlafen dabei Ring- und Kleinfinger ein, ist eher der Ellennerv beteiligt.
  • Der Kraftcheck: Knöpfe schließen, eine Münze aufheben, die Daumenballen beider Hände vergleichen. Ist eine Seite deutlich flacher oder schwächer, ist das kein Fall mehr für Abwarten.
  • Das Zwei-Wochen-Protokoll: Notiere Nächte, Lage, Alkohol oder Schlafmittel und neue Medikamente. Das Muster sagt oft mehr als ein einzelner Test.

Warnzeichen: Wann du nicht abwarten solltest

  • Plötzliche Taubheit oder Schwäche einer Hand oder eines Arms, besonders zusammen mit Gesicht, Sprache oder Sehen — auch wenn es nach Minuten wieder vergeht
  • Taubheit, die von den Füßen innerhalb von Tagen aufsteigt und Beine und Hände schwach werden lässt
  • Beide Hände ungeschickt und taub, dazu unsicherer Gang oder Probleme mit Blase oder Darm
  • Eine hängende Hand, zunehmende Schwäche im Griff oder ein sichtbar flacher werdender Daumenballen
  • Taubheit nach einem Sturz, einem Unfall oder unter einem frisch angelegten Gips, besonders mit starker Schwellung und Schmerzen
  • Armbeschwerden zusammen mit Brustdruck, Atemnot oder kaltem Schweiß
Plötzlich taub auf einer Seite: sofort 112 Setzt Taubheit schlagartig ein und betrifft eine Körperhälfte, Gesicht oder Arm — womöglich mit hängendem Mundwinkel, Sprachstörung oder einseitiger Schwäche —, kann das ein Schlaganfall sein. Das gilt auch, wenn die Zeichen nach kurzer Zeit wieder verschwinden, und ebenso für Armbeschwerden mit Brustdruck, Atemnot oder kaltem Schweiß: Wähle die 112.
Aufsteigende Lähmung oder Blasenstörung: Notaufnahme Taubheit und Schwäche, die innerhalb von Tagen von den Füßen zu den Händen aufsteigt, oder taube, ungeschickte Hände mit Gangunsicherheit und Problemen beim Wasserlassen gehören noch am selben Tag in eine Notaufnahme — je früher, desto besser behandelbar.
Schwäche ist das Signal zum Handeln Macht ein eingeengter Nerv nur Gefühlsstörungen, bleibt meist Zeit für konservative Versuche. Lassen Kraft oder Muskulatur nach, erholt er sich nach langem Druck womöglich nicht mehr vollständig — dann innerhalb weniger Wochen abklären lassen, nicht erst nach Monaten.

Der Behandlungspfad: Schritt für Schritt

Ohne Warnzeichen geht die Abklärung in der Regel vom Einfachen zum Aufwendigen.

  1. Lage prüfen. Zwei Wochen bewusst mit geraden Handgelenken und lockeren Ellenbogen schlafen. Verschwinden die Beschwerden, war es sehr wahrscheinlich reiner Druck.
  2. Nachtschiene ausprobieren. Beim Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom hält eine Handgelenksschiene das Gelenk nachts in Neutralstellung. Laut Leitlinie ist das bei leichten bis mittelgradigen Beschwerden ein sinnvoller erster Schritt.
  3. Hausärztliche Basis. Untersuchung von Kraft, Gefühl und Reflexen, dazu je nach Befund Blutzucker, Schilddrüsenwert, Vitamin B12, Nierenwerte und Blutbild — und ein Blick auf die vollständige Medikamentenliste.
  4. Neurologische Messung. Die Elektroneurografie (Messung der Nervenleitgeschwindigkeit), oft ergänzt durch Nervenultraschall, zeigt, welcher Nerv wo und wie stark betroffen ist.
  5. Gezielte Behandlung. Beim Karpaltunnelsyndrom kann eine Kortisonspritze die Beschwerden für Wochen bis Monate lindern; beim Ellennerv hilft zunächst, Druck und Beugung zu vermeiden, bei der Halswirbelsäule Physiotherapie.
  6. Operation, wenn nötig. Bei ausgeprägtem Befund, Muskelschwund oder wenn konservative Maßnahmen nicht reichen, wird der Karpaltunnel in einem meist ambulanten Eingriff erweitert. Ob und wann operiert wird, entscheidet immer die behandelnde Praxis gemeinsam mit dir.
Ehrlich eingeordnet Tabletten spielen beim Karpaltunnelsyndrom eine kleine Rolle. Entzündungshemmende Schmerzmittel, Entwässerungsmittel und Vitamin B6 haben in Studien keinen überzeugenden Nutzen gezeigt. Wirksamer sind nach heutigem Wissensstand Schiene, Kortisonspritze und — bei fortgeschrittenem Befund — die Operation.

Medikamenten-Blickwinkel: wenn die Therapie auf die Nerven geht

Manche Wirkstoffe schädigen Nerven direkt, andere begünstigen einen Nährstoffmangel oder eine Engstelle, wieder andere verhindern den nächtlichen Lagewechsel.

Wirkstoffe, die Nerven schädigen können

Am bekanntesten sind Chemotherapeutika wie Platinverbindungen, Taxane, Vincristin oder Bortezomib: Taubheit und Kribbeln an Händen und Füßen gehören zu ihren typischen Nebenwirkungen. Melde neue Beschwerden früh dem onkologischen Team — dort kann die Therapie angepasst werden. Bei Antibiotika sind die Fluorchinolone wie Ciprofloxacin zu nennen, zu denen das BfArM vor lang anhaltenden, möglicherweise bleibenden Nebenwirkungen einschließlich Nervenschäden gewarnt hat. Bei längerer Anwendung können auch Metronidazol und Nitrofurantoin Nerven schädigen, ebenso Colchicin (vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion), Amiodaron und das Tuberkulosemittel Isoniazid.

Metformin und der Vitamin-B12-Speicher

Metformin kann bei langjähriger Einnahme die Aufnahme von Vitamin B12 verringern. Ein ausgeprägter Mangel kann eine Polyneuropathie auslösen oder eine diabetische Nervenschädigung verstärken. Die Fachinformation empfiehlt deshalb, den B12-Spiegel bei Risikofaktoren oder Nervenbeschwerden zu kontrollieren. Auch Magensäureblocker über viele Jahre können die B12-Aufnahme etwas verschlechtern. Metformin eigenmächtig abzusetzen, ist dagegen keine Lösung — der Mangel lässt sich gezielt ausgleichen.

Topiramat und Aromatasehemmer: bekannte Muster

Das Migräne- und Epilepsiemittel Topiramat verursacht sehr häufig Kribbeln in Fingern, Zehen und um den Mund, meist ohne Nervenschaden und oft mit der Zeit nachlassend; abrupt absetzen darfst du es nicht. Aromatasehemmer wie Anastrozol oder Letrozol, die nach Brustkrebs über Jahre eingenommen werden, führen das Karpaltunnelsyndrom in ihren Fachinformationen als Nebenwirkung auf. In beiden Fällen gilt: ansprechen statt abbrechen.

Schlafmittel, Beruhigungsmittel und Alkohol

Im normalen Schlaf wechselst du immer wieder die Position, bevor ein Nerv Schaden nimmt. Wirkstoffe, die tief sedieren — etwa Zolpidem, Benzodiazepine, sedierende Antihistaminika oder Opioide —, und besonders Alkohol unterdrücken diesen Schutzreflex. Dann steigt das Risiko für Druckschäden bis hin zur Parkbanklähmung.

Zu viel des Guten: Vitamin B6

Vitamin-B-Präparate werden gern gegen taube Finger gekauft. Ausgerechnet Vitamin B6 kann aber in hoher Dosis über längere Zeit selbst eine Nervenschädigung mit Kribbeln und Taubheit auslösen. Prüfe deshalb, wie viel B6 in deinen Nahrungsergänzungsmitteln steckt, und nimm sie in deinen Medikationsplan auf — mehr dazu im Ratgeber Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente.

Schmerzmittel: begrenzter Nutzen, begrenzte Dauer

Beim Karpaltunnelsyndrom helfen rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen wenig. Ohne ärztlichen Rat gilt laut Packungsbeilage in der Regel: nicht länger als drei bis vier Tage am Stück. Bei Nervenschmerzen durch eine Polyneuropathie nutzt die Praxis andere Wirkstoffe, etwa Pregabalin, Gabapentin, Duloxetin oder Amitriptylin. Einen Überblick gibt der Schmerzmittel-Vergleich. Welche Behandlung passt, entscheidet immer die behandelnde Praxis.

Zeitlichen Zusammenhang prüfen, nichts eigenmächtig absetzen Neue Taubheit innerhalb von Tagen bis Monaten nach einem neuen Wirkstoff, einer Dosiserhöhung oder einer Antibiotikakur ist auffällig. Notiere Datum, Präparat und Beschwerde und sprich zeitnah mit deiner Praxis. Chemotherapie, Epilepsiemittel und Diabetesmedikamente eigenmächtig abzusetzen, kann gefährlicher sein als die Nebenwirkung selbst. Bei Blutverdünnern ist vor einer Kortisonspritze oder Operation wichtig, dass die Praxis davon weiß.

Seit wann schlafen die Hände ein — und seit wann nimmst du das?

Der Verlauf beantwortet die Frage, an die sich im Termin niemand erinnert.

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So beugst du eingeschlafenen Händen vor

  • Handgelenke gerade, Ellenbogen locker — nicht auf den Händen, mit Armen unter dem Kissen oder stark gebeugten Ellenbogen schlafen. Eine Nachtschiene hält die Haltung auch im Tiefschlaf.
  • Pausen bei Handarbeit — bei langem Tippen oder vibrierenden Geräten regelmäßig lockern, Handgelenke nicht dauerhaft abknicken, Ellenbogen nicht aufstützen.
  • Grunderkrankungen gut einstellen — ein gut eingestellter Blutzucker und eine behandelte Schilddrüsenunterfunktion schützen die Nerven und nehmen dem Karpaltunnel Druck.
  • Alkohol und Schlafmittel zurückhaltend — beides unterdrückt den Lagewechsel im Schlaf. Wenn du Schlafmittel brauchst, besprich die Dauer mit deiner Praxis.
  • Medikamentenliste aktuell halten — inklusive Vitaminpräparaten. Bei Langzeittherapie mit Metformin oder Säureblockern kann die Praxis den B12-Wert im Blick behalten.

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Häufige Fragen zu eingeschlafenen Händen

Meist liegt ein Nerv im Schlaf zu lange unter Druck, etwa durch einen Arm unter dem Kissen oder stark gebeugte Handgelenke. Das verschwindet nach Lagewechsel und Ausschütteln in wenigen Minuten. Passiert es fast jede Nacht und betrifft Daumen bis Mittelfinger, ist das Karpaltunnelsyndrom die häufigste Ursache.
Gelegentlich eingeschlafene Hände sind in der Regel harmlos. Abklären lassen solltest du es, wenn es regelmäßig passiert, auch tagsüber auftritt oder Kraft und Feinmotorik nachlassen. Plötzliche Taubheit einer Körperseite mit Sprachstörung oder hängendem Mundwinkel ist dagegen ein Notfall für die 112.
Typisch betroffen sind Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie die daumenseitige Hälfte des Ringfingers. Der kleine Finger bleibt frei, weil ihn der Ellennerv versorgt. Sind vor allem Ring- und Kleinfinger taub, spricht das eher für eine Reizung des Ellennervs am Ellenbogen.
Bekannt sind vor allem Chemotherapeutika, Fluorchinolon-Antibiotika wie Ciprofloxacin sowie Metronidazol und Nitrofurantoin bei längerer Anwendung. Metformin kann über einen Vitamin-B12-Mangel wirken, Topiramat verursacht häufig Kribbeln, und Aromatasehemmer können ein Karpaltunnelsyndrom begünstigen. Setze nichts eigenmächtig ab, sondern besprich den zeitlichen Zusammenhang mit deiner Praxis.
Nur wenn tatsächlich ein Mangel vorliegt, etwa ein Vitamin-B12-Mangel, der sich per Blutuntersuchung nachweisen lässt. Beim Karpaltunnelsyndrom hat Vitamin B6 in Studien keinen überzeugenden Nutzen gezeigt. Hochdosiertes Vitamin B6 über längere Zeit kann sogar selbst Nervenschäden mit Kribbeln verursachen.

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Quellen

  • S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms (federführend: Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie, AWMF). Abgerufen 2026.
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S1-Leitlinie Diagnostik bei Polyneuropathien (2019). Abgerufen 2026.
  • Gesundheitsinformation.de (IQWiG) und gesund.bund.de: Karpaltunnelsyndrom. Abgerufen 2026.
  • MSD Manual, Patientenausgabe: Karpaltunnelsyndrom, Kubitaltunnelsyndrom und periphere Neuropathie. Abgerufen 2026.
  • BfArM: Rote-Hand-Brief zu Fluorchinolon-Antibiotika — schwerwiegende, lang anhaltende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen (2019). Abgerufen 2026.
  • Fachinformationen der genannten Wirkstoffe (u. a. Metformin, Topiramat, Anastrozol, Ciprofloxacin). Abgerufen 2026.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Selbsttests — auch Beuge- und Klopftest — sind eine Orientierung und keine Diagnose. Bei plötzlicher Taubheit oder Schwäche einer Körperseite, bei Sprach- oder Sehstörungen, bei rasch aufsteigender Lähmung oder bei Armbeschwerden mit Brustdruck wende dich bitte umgehend an eine Ärztin, einen Arzt oder den Rettungsdienst.