Handgelenkschmerzen: Sehnenscheide, Karpaltunnel oder Rhizarthrose?

Auf einen Blick

Hier geht es nur ums HandgelenkSchmerzen an Handgelenk und Daumenwurzel haben meist eine örtliche Ursache — gereizte Sehnen, ein eingeengter Nerv, Verschleiß oder eine Verletzung. Tun mehrere Gelenke gleichzeitig weh, hilft der Beitrag zu Gelenkschmerzen bei der Einordnung.
Der Ort verrät vielSchmerz an der Daumenseite beim Greifen spricht für eine Sehnenscheidenentzündung oder eine Arthrose des Daumensattelgelenks (Rhizarthrose), nächtliches Kribbeln in Daumen bis Mittelfinger für das Karpaltunnelsyndrom, Schmerz an der Kleinfingerseite beim Drehen für die Knorpelscheibe dort.
Nach einem Sturz auf die Hand nicht abwartenEin Kahnbeinbruch zeigt sich oft nur als Druckschmerz an der Daumenseite und ist im ersten Röntgenbild manchmal unsichtbar.
Medikamente mitdenkenFluorchinolon-Antibiotika können Sehnen schädigen, Aromatasehemmer Gelenkbeschwerden und ein Karpaltunnelsyndrom auslösen, harntreibende Mittel Gicht begünstigen, langfristiges Kortison die Knochen schwächen.
Sofort abklären lassenein rotes, heißes, geschwollenes Handgelenk mit Fieber — besonders nach einem Tierbiss oder einer kleinen Stichverletzung — oder eine Fehlstellung nach einem Sturz: noch am selben Tag in die Notaufnahme. Plötzliche Schwäche oder Taubheit einer Körperseite: 112.

Die häufigsten Ursachen im Vergleich

UrsacheWo es wehtutTypisches MusterHäufig beiErster Schritt
Sehnenscheidenentzündung (de Quervain)Daumenseite des HandgelenksSchmerz beim Greifen, Heben, AuswringenFrauen, jungen Eltern, viel HandarbeitEntlasten, Daumenschiene
RhizarthroseDaumenwurzelSchmerz beim Aufdrehen, Schlüsseldrehen, ZwickenFrauen ab dem mittleren AlterSchiene, Gelenkschutz, ärztlich einordnen
KarpaltunnelsyndromBeugeseite, Daumen bis MittelfingerNachts Kribbeln und Taubheit, Ausschütteln hilftFrauen, Schwangerschaft, DiabetesNachtschiene, Nervenmessung
Ganglion (Überbein)Meist HandrückenPrall-elastische Beule, DruckgefühlJüngeren Erwachsenen, eher FrauenBeobachten, bei Beschwerden abklären
Kahnbein- oder SpeichenbruchDaumenseite bzw. ganzes HandgelenkNach Sturz auf die ausgestreckte HandKahnbein: Jüngeren; Speiche: Älteren mit OsteoporoseRöntgen am selben Tag
Knorpelscheibe (TFCC)KleinfingerseiteSchmerz beim Drehen, Abstützen, KlickenNach Sturz oder durch VerschleißSchonen, handchirurgisch abklären
Rheuma, Gicht, PseudogichtOft beide Seiten oder mehrere GelenkeSchwellung, Morgensteifigkeit, SchübeMittlerem und höherem AlterBlutwerte, rheumatologisch abklären
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Sehnen gereizt seit dem Antibiotikum?

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Die Ursachen im Detail

Dieser Beitrag bleibt bewusst beim Handgelenk und der Daumenwurzel. Schmerzen in mehreren Gelenken, wandernde Beschwerden oder Gelenkschmerzen mit Fieber und Abgeschlagenheit ordnet der Übersichtsbeitrag zu Gelenkschmerzen ein. Steht nächtliche Taubheit der Finger im Vordergrund, hilft der Beitrag zu eingeschlafenen Händen; die Erkrankung selbst beschreibt der Beitrag zum Karpaltunnelsyndrom.

Sehnenscheidenentzündung an der Daumenseite (de Quervain)

An der Daumenseite des Handgelenks laufen zwei Daumensehnen gemeinsam durch ein enges Sehnenfach. Ist ihre Sehnenscheide gereizt und verdickt (Tendovaginitis stenosans de Quervain), schmerzt es beim Greifen, Heben, Auswringen und bei Daumenbewegungen, oft mit einer leichten Schwellung über dem Knochenvorsprung an der Daumenseite. Betroffen sind häufig Frauen, besonders in der Schwangerschaft und in den Monaten nach der Geburt — auch, weil das Baby immer wieder mit abgespreiztem Daumen hochgehoben wird —, und Menschen mit vielen gleichförmigen Greifbewegungen in Beruf oder Hobby.

Erster Schritt: die auslösende Bewegung reduzieren und den Daumen mit einer Schiene ruhigstellen, die das Handgelenk einschließt. Reicht das nicht, gilt eine Kortisonspritze in die Sehnenscheide als wirksam; nur selten muss das Sehnenfach operativ gespalten werden. Auch die Strecksehnen am Handrücken können sich nach ungewohnter Belastung entzünden, etwa nach Renovierung oder Gartenarbeit.

Rhizarthrose: Verschleiß an der Daumenwurzel

Das Daumensattelgelenk verbindet den Daumen mit der Handwurzel und wird bei jedem Zwicken und Greifen belastet. Seine Arthrose (Rhizarthrose) gehört zu den häufigsten Formen der Hand-Arthrose und betrifft vor allem Frauen nach den Wechseljahren. Der Schmerz sitzt an der Daumenwurzel, wird aber oft als Handgelenkschmerz empfunden: beim Aufdrehen von Gläsern, beim Schlüsseldrehen, Schreiben oder Zwicken. Später lassen Kraft und Beweglichkeit nach, die Daumenbasis verdickt sich, der Daumen kann in eine Fehlstellung geraten.

Erster Schritt sind eine Daumenschiene, Gelenkschutz im Alltag und Ergotherapie; eine Kortisonspritze kann vorübergehend lindern. Bei starken Beschwerden kommt eine Operation infrage, etwa die Entfernung eines kleinen Handwurzelknochens (Trapezektomie) oder ein Gelenkersatz.

Karpaltunnelsyndrom: wenn der Nerv mitredet

Im Karpaltunnel auf der Beugeseite des Handgelenks kann der Mittelhandnerv eingeengt werden. Leitsymptom sind nächtliches Kribbeln und Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger; Schmerzen können vom Handgelenk bis in den Unterarm ziehen. Selbsttests und weitere Ursachen dazu stehen im oben verlinkten Beitrag zu eingeschlafenen Händen. Erster Schritt ist eine Nachtschiene, gesichert wird die Diagnose per Nervenmessung.

Ganglion: die Beule am Handgelenk

Ein Ganglion (Überbein) ist eine mit gallertiger Flüssigkeit gefüllte Ausstülpung der Gelenkkapsel oder Sehnenscheide, meist am Handrücken, seltener an der Beugeseite nahe der Pulsader. Es ist prall-elastisch, oft schmerzlos, kann aber drücken. Ein Ganglion ist harmlos und bildet sich nicht selten von selbst zurück. Vom früher empfohlenen „Zerschlagen" wird abgeraten; nach Punktion oder Operation kann es wiederkommen. Eine harte, nicht verschiebliche oder rasch wachsende Schwellung gehört dagegen ärztlich angesehen.

Nach einem Sturz: Speiche, Kahnbein und Bänder

Der typische Unfall ist der Sturz auf die ausgestreckte Hand. Der Bruch der Speiche nahe dem Handgelenk gehört zu den häufigsten Knochenbrüchen überhaupt und trifft besonders ältere Frauen mit Osteoporose — ein solcher Bruch nach einem einfachen Sturz ist ein Anlass, die Knochendichte prüfen zu lassen. Bei Jüngeren bricht nach Sportunfällen häufiger das Kahnbein, ein kleiner Handwurzelknochen an der Daumenseite: oft wenig Schwellung, aber Druckschmerz in der Grube an der Daumenseite (Tabatière). Im ersten Röntgenbild ist der Bruch nicht immer sichtbar; übersehen, heilt er womöglich schlecht und führt später zu Arthrose. Auch Bandverletzungen der Handwurzel werden leicht verkannt.

Schmerz an der Kleinfingerseite

Zwischen Elle und Handwurzel liegt eine Knorpelscheibe mit Bandverbindungen (TFCC, „Diskus" des Handgelenks). Sie kann bei einem Sturz einreißen oder mit den Jahren verschleißen, besonders wenn die Elle im Verhältnis zur Speiche etwas lang ist. Typisch sind Schmerzen an der Kleinfingerseite beim Drehen des Unterarms — Türklinke, Schraubendreher, Auswringen — und beim Abstützen, manchmal mit Klicken. Kribbeln in Ring- und Kleinfinger bei Radfahrenden spricht eher für einen eingeengten Ellennerv am Handgelenk. Erster Schritt: schonen, eventuell Schiene, bei anhaltenden Beschwerden handchirurgische Untersuchung, oft mit MRT.

Entzündliche Ursachen: Rheuma, Gicht und Pseudogicht

Bei der rheumatoiden Arthritis (siehe Rheuma) gehören die Handgelenke oft zu den ersten betroffenen Gelenken — meist beidseitig, zusammen mit Fingergrund- und Fingermittelgelenken, mit Schwellung und Morgensteifigkeit von mehr als einer halben Stunde. Eine frühe Behandlung ist entscheidend, deshalb sollte die rheumatologische Abklärung innerhalb weniger Wochen erfolgen. Bei älteren Menschen ist das Handgelenk ein typischer Ort für die Pseudogicht, bei der sich Kalziumkristalle im Gelenk ablagern und plötzlich eine heiße Schwellung auslösen. Die klassische Gicht trifft das Handgelenk seltener. Menschen mit Schuppenflechte können eine Gelenkentzündung entwickeln, die auch das Handgelenk betrifft.

Seltener: Mondbeinnekrose und Handgelenksarthrose

Bei der Lunatummalazie (Morbus Kienböck) ist die Durchblutung des Mondbeins gestört, eines zentralen Handwurzelknochens. Sie betrifft vor allem jüngere Erwachsene: Schmerz mitten auf dem Handrücken, nachlassende Griffkraft, früh nur in der MRT sichtbar. Eine Arthrose des eigentlichen Handgelenks entsteht meist als Spätfolge alter Verletzungen. Schmerzen, die vom Ellenbogen in den Unterarm ziehen, gehören dagegen eher zu Sehnenansätzen am Ellenbogen, etwa beim Tennisarm.


Selbsttests: erste Hinweise für zu Hause

Diese Tests ersetzen keine Diagnose und fallen auch bei Gesunden manchmal leicht positiv aus — vergleiche immer beide Seiten. Nach einem Sturz mit starker Schwellung oder Fehlstellung wird nicht getestet, sondern geröntgt.

  • Die Schmerzkarte: Zeige mit einem Finger auf die schmerzhafteste Stelle. Daumenseite des Handgelenks, Daumenwurzel, Beugeseite mit Kribbeln, Handrücken mit Beule, Kleinfingerseite oder das ganze, geschwollene Gelenk? Der Ort grenzt die Ursachen deutlich ein.
  • Der Faust-Test (Finkelstein-Test): Lege den Daumen in die Handfläche, schließe die Finger darüber und kippe die Faust sanft Richtung Kleinfinger. Ein stechender Schmerz an der Daumenseite des Handgelenks spricht für eine Sehnenscheidenentzündung de Quervain.
  • Der Mahl-Test: Fasse den Daumen nahe der Wurzel, drücke ihn leicht Richtung Handgelenk und drehe ihn dabei hin und her. Schmerz oder Reiben an der Daumenwurzel weist auf eine Rhizarthrose hin.
  • Der Tabatière-Druck: Spreize den Daumen ab, sodass an der Daumenseite des Handgelenks eine kleine Grube entsteht, und drücke hinein. Ist die Stelle nach einem Sturz deutlich druckschmerzhaft, gehört das Handgelenk noch am selben Tag geröntgt — auch bei geringer Schwellung.
  • Der Drehtest: Schmerzt es an der Kleinfingerseite, wenn du eine Türklinke drehst, ein Handtuch auswringst oder dich beim Aufstehen auf die Hand stützt, ist die Knorpelscheibe dort ein möglicher Kandidat.
  • Der Morgen-Check: Sind beide Handgelenke oder mehrere Fingergelenke morgens länger als eine halbe Stunde steif und geschwollen, spricht das für eine entzündliche Ursache — ein Fall für die rheumatologische Abklärung.

Warnzeichen: Wann du nicht abwarten solltest

  • Rotes, heißes, stark geschwollenes Handgelenk oder eine gerötete, pralle Schwellung entlang einer Sehne, besonders mit Fieber
  • Zunehmende Rötung und Schwellung nach einem Tierbiss — vor allem Katzenbisse gehen tief —, einer Stichverletzung oder einem Splitter
  • Nach einem Sturz: Fehlstellung, starke Schwellung, die Hand lässt sich nicht belasten oder die Tabatière ist deutlich druckschmerzhaft
  • Unter Gips oder Schiene: zunehmende Schmerzen, taube, blasse oder bläuliche Finger
  • Plötzliche Schwäche oder Taubheit von Hand und Arm, besonders mit hängendem Mundwinkel oder Sprachstörung, sowie Armschmerzen mit Brustdruck oder Atemnot
  • Nachlassende Griffkraft, ein flacher werdender Daumenballen oder Dinge, die dir aus der Hand fallen
  • Mehrere geschwollene Gelenke mit Morgensteifigkeit — zeitnah abklären, innerhalb weniger Wochen
Rot, heiß, Fieber oder nach einem Biss: heute noch in die Notaufnahme Eine bakterielle Infektion im Handgelenk oder in einer Sehnenscheide kann Gelenk und Sehnen innerhalb von Stunden bis Tagen schwer schädigen und muss oft operativ behandelt werden. Nach einem Tierbiss in die Hand, besonders von Katzen, entzündet sich die Wunde manchmal schon nach wenigen Stunden. Warte nicht bis zum nächsten Praxistermin, sondern lass dich noch am selben Tag in einer Notaufnahme oder Handchirurgie untersuchen.
Plötzlich schwach oder Brustdruck: sofort 112 Wird eine Hand plötzlich schwach oder taub, zusammen mit Gesicht, Sprache oder Sehen, kann ein Schlaganfall dahinterstecken — auch wenn die Zeichen rasch wieder verschwinden. Ziehen Schmerzen in Arm und Handgelenk zusammen mit Brustdruck, Atemnot oder kaltem Schweiß, kann es das Herz sein. In beiden Fällen: sofort die 112.
Nach dem Sturz: das Kahnbein nicht verpassen Ein unauffälliges erstes Röntgenbild schließt einen Kahnbeinbruch nicht sicher aus. Bleibt der Druckschmerz an der Daumenseite, wird das Handgelenk in der Regel ruhiggestellt und mit Spezialaufnahmen, CT oder MRT nachkontrolliert. Hartnäckige Schmerzen ein bis zwei Wochen nach einem Sturz sind ein Grund, erneut vorzustellen.

Der Behandlungspfad: Schritt für Schritt

Ohne Warnzeichen und ohne frischen Unfall geht die Abklärung in der Regel vom Einfachen zum Aufwendigen.

  1. Entlasten statt ruhigstellen. Die auslösende Tätigkeit reduzieren, Griffe variieren, bei frischer Reizung kurz kühlen. Ein gesundes Handgelenk sollte aber nicht wochenlang komplett ruhiggestellt werden.
  2. Gezielt schienen. Eine Daumenschiene bei Sehnenscheidenentzündung de Quervain und Rhizarthrose, eine Nachtschiene beim Karpaltunnelsyndrom. Allgemeine Bandagen aus dem Handel helfen dagegen oft wenig.
  3. Hausärztlich oder orthopädisch untersuchen lassen. Tasten, Funktionstests, Röntgen, Ultraschall; bei Entzündungsverdacht Blutwerte wie Entzündungswerte, Harnsäure und Rheuma-Antikörper — und ein Blick auf die Medikamentenliste.
  4. Spezialisiert weiter. Handchirurgie bei Band- und Knorpelverletzungen, Kahnbein oder Ganglion, Rheumatologie bei Verdacht auf entzündliches Rheuma, Neurologie zur Nervenmessung. Die MRT hilft bei Bandverletzungen und Durchblutungsstörungen der Handwurzelknochen.
  5. Spritze und Therapie. Eine Kortisonspritze kann bei Sehnenscheidenentzündung und Rhizarthrose lindern. Hand- und Ergotherapie vermitteln Übungen und Gelenkschutz für den Alltag.
  6. Operation, wenn nötig. Etwa die Spaltung des Sehnenfachs, die Erweiterung des Karpaltunnels, ein Eingriff am Daumensattelgelenk oder die Versorgung eines Bruchs. Ob und wann operiert wird, entscheidet immer die behandelnde Praxis gemeinsam mit dir.
Ehrlich eingeordnet Schmerztabletten lindern, heilen aber keine gereizte Sehne und keinen Verschleiß. Die Kortisonspritze wirkt bei der Sehnenscheidenentzündung de Quervain oft gut, bei der Rhizarthrose eher vorübergehend. Für Stoßwellen, Eigenbluttherapie oder Nahrungsergänzungsmittel am Handgelenk ist der Nutzen nicht ausreichend belegt.

Medikamenten-Blickwinkel: wenn die Therapie aufs Handgelenk geht

Einige Wirkstoffe reizen Sehnen und Gelenke direkt, andere erhöhen die Harnsäure oder schwächen die Knochen. Beginnen Handgelenkschmerzen ohne klaren Anlass, lohnt ein Blick auf den Medikationsplan.

Fluorchinolone: Sehnen unter Stress

Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone wie Ciprofloxacin oder Levofloxacin können Sehnenentzündungen und Sehnenrisse auslösen — am häufigsten an der Achillessehne, aber auch an anderen Sehnen. Die Beschwerden können in den ersten Tagen oder noch Monate nach der Einnahme beginnen; besonders gefährdet sind Ältere, Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion und alle, die gleichzeitig Kortison nehmen. Das BfArM hat den Einsatz 2019 deshalb eingeschränkt. Bei ersten Sehnenschmerzen: Belastung meiden und umgehend mit der Praxis sprechen.

Aromatasehemmer: Gelenke, Sehnenscheiden, Karpaltunnel

Aromatasehemmer wie Anastrozol, Letrozol oder Exemestan werden nach Brustkrebs oft über viele Jahre eingenommen. Gelenkschmerzen und Gelenksteifigkeit gehören zu ihren häufigsten Nebenwirkungen, besonders an Händen und Handgelenken; auch ein Karpaltunnelsyndrom und ein schnellender Finger werden in den Fachinformationen genannt. Bewegung und Krafttraining können lindern, manchmal hilft ein Wirkstoffwechsel. Brich die Therapie nicht eigenmächtig ab, sondern sprich mit deinem onkologischen Team.

Harnsäure, Knochen und weitere Kandidaten

Harntreibende Mittel wie Hydrochlorothiazid oder Furosemid, niedrig dosiertes ASS und Ciclosporin können die Harnsäure erhöhen und Gichtanfälle begünstigen. Langfristig eingenommenes Kortison wie Prednisolon schwächt die Knochen und macht einen Speichenbruch nach einem einfachen Sturz wahrscheinlicher; wiederholte Kortisonspritzen in dieselbe Stelle können Haut und Sehne schwächen. Für Diabetesmittel aus der Gruppe der Gliptine wie Sitagliptin sind Gelenkschmerzen als Nebenwirkung beschrieben, die sich nach dem Absetzen zurückbilden können. Statine verursachen gelegentlich Muskel- und selten Sehnenbeschwerden.

Schmerzmittel: lokal vor systemisch, begrenzte Dauer

Bei Arthrose der Hand raten die europäischen Empfehlungen (EULAR) zu entzündungshemmenden Gelen wie Diclofenac als erste medikamentöse Wahl, weil sie deutlich weniger Nebenwirkungen haben als Tabletten. Tabletten wie Ibuprofen oder Naproxen sind für kurze Zeiträume gedacht: Ohne ärztlichen Rat gilt laut Packungsbeilage in der Regel nicht länger als drei bis vier Tage am Stück. Bei Blutverdünnern, Nierenschwäche oder Magenproblemen ist Vorsicht nötig; vor einer Spritze oder Operation sollte die Praxis deine Blutverdünner kennen. Einen Überblick gibt der Schmerzmittel-Vergleich; welche Behandlung passt, entscheidet immer die behandelnde Praxis.

Zusammenhang prüfen, nichts eigenmächtig absetzen Neue Sehnen- oder Gelenkschmerzen nach einem Antibiotikum, unter einem Aromatasehemmer oder nach einer Dosisänderung sind ein Grund, zeitnah mit deiner Praxis zu sprechen. Aromatasehemmer, Entwässerungsmittel oder Kortison auf eigene Faust abzusetzen, kann gefährlicher sein als die Nebenwirkung selbst.

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So beugst du Handgelenkschmerzen vor

  • Griffe variieren, Pausen einplanen — bei Tastatur, Maus, Werkzeug oder Handarbeit das Handgelenk möglichst gerade halten, dicke Griffe nutzen und regelmäßig lockern.
  • Das Baby daumenschonend heben — mit der ganzen Hand und dem Unterarm stützen, statt es mit weit abgespreiztem Daumen unter den Achseln zu greifen.
  • Gelenke schützen — bei beginnender Rhizarthrose Hilfsmittel wie Glasöffner oder Schlüsselverlängerungen nutzen; Ergotherapie zeigt gelenkschonende Techniken.
  • Stürze abfangen, Knochen stärken — beim Inlineskaten oder Snowboarden Handgelenkschützer tragen, im Alter Sturzfallen beseitigen und eine Osteoporose rechtzeitig behandeln lassen.
  • Medikationsplan aktuell halten — Antibiotika-Kuren, Kortison und Langzeittherapien wie Aromatasehemmer darin vermerken, damit ein Zusammenhang schneller auffällt.

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Häufige Fragen zu Handgelenkschmerzen

Ohne Unfall und ohne Warnzeichen hilft es meist, die auslösende Bewegung zu reduzieren, das Handgelenk kurz zu kühlen und bei Bedarf eine passende Schiene zu tragen. Ein entzündungshemmendes Gel kann lindern. Nach einem Sturz, bei starker Schwellung oder Rötung mit Fieber solltest du das Handgelenk dagegen ärztlich untersuchen lassen.
Typisch sind Schmerzen entlang einer Sehne, die bei bestimmten Bewegungen zunehmen, manchmal mit Schwellung oder Knirschen. Die häufigste Form am Handgelenk sitzt an der Daumenseite und schmerzt beim Greifen und Heben. Schmerzt es stechend, wenn du den Daumen in die Faust nimmst und die Hand Richtung Kleinfinger kippst, ist das ein Hinweis.
Häufig ist es eine Sehnenscheidenentzündung de Quervain oder eine Arthrose des Daumensattelgelenks, die Rhizarthrose. Die Sehnenscheidenentzündung schmerzt eher beim Greifen und Heben, die Rhizarthrose beim Zwicken und Aufdrehen. Nach einem Sturz kann an dieser Stelle auch ein Kahnbeinbruch dahinterstecken.
Noch am selben Tag bei Fehlstellung, starker Schwellung, wenn du die Hand nicht belasten kannst oder die Grube an der Daumenseite deutlich druckschmerzhaft ist. Ein Kahnbeinbruch macht oft wenig Schwellung und ist im ersten Röntgenbild manchmal unsichtbar. Halten die Schmerzen länger als ein bis zwei Wochen an, lass dich erneut untersuchen.
Ja. Fluorchinolon-Antibiotika wie Ciprofloxacin können Sehnen schädigen, Aromatasehemmer nach Brustkrebs verursachen häufig Gelenkbeschwerden und können ein Karpaltunnelsyndrom auslösen. Entwässerungsmittel können über erhöhte Harnsäure Gicht begünstigen, Gliptine Gelenkschmerzen verursachen. Setze nichts eigenmächtig ab, sondern sprich mit deiner Praxis.
Das ist möglich, vor allem wenn beide Handgelenke geschwollen sind, Fingergelenke mitbetroffen sind und die Gelenke morgens länger als eine halbe Stunde steif bleiben. Dann ist eine rheumatologische Abklärung innerhalb weniger Wochen sinnvoll, weil eine frühe Behandlung Gelenkschäden verhindern kann. Einseitige, belastungsabhängige Schmerzen haben dagegen meist eine örtliche Ursache.

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Quellen

  • S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms (federführend: Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie, AWMF). Abgerufen 2026.
  • European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR): Empfehlungen zur Behandlung der Handarthrose (Update 2018). Abgerufen 2026.
  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh): S3-Leitlinie Management der frühen rheumatoiden Arthritis (2019). Abgerufen 2026.
  • Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH): Patienteninformationen zu Sehnenscheidenentzündung, Rhizarthrose, Ganglion und Kahnbeinbruch. Abgerufen 2026.
  • Gesundheitsinformation.de (IQWiG) und gesund.bund.de: Karpaltunnelsyndrom, Arthrose, rheumatoide Arthritis. Abgerufen 2026.
  • MSD Manual, Patientenausgabe: De-Quervain-Tendovaginitis, Handgelenkfrakturen, Ganglien, Pseudogicht. Abgerufen 2026.
  • BfArM: Rote-Hand-Brief zu Fluorchinolon-Antibiotika — schwerwiegende, lang anhaltende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen (2019). Abgerufen 2026.
  • Fachinformationen der genannten Wirkstoffe (u. a. Ciprofloxacin, Anastrozol, Letrozol, Hydrochlorothiazid, Sitagliptin). Abgerufen 2026.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Selbsttests — auch Faust-, Mahl- und Tabatière-Test — sind eine Orientierung und keine Diagnose. Bei einem roten, heißen, geschwollenen Handgelenk mit Fieber, nach einem Tierbiss, bei Fehlstellung nach einem Sturz oder bei plötzlicher Schwäche einer Körperseite wende dich bitte umgehend an eine Ärztin, einen Arzt oder den Rettungsdienst.