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Häufige Infekte: Ursachen, Immunsystem und wann zum Arzt
Ständig erkältet? Erfahre, warum manche Menschen häufiger Infekte bekommen, welche Ursachen dahinterstecken und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.
wiederkehrende Atemwegs-, Harnwegs- oder Hautinfektionen, die häufiger auftreten als bei vergleichbar gesunden Menschen
Normal
Erwachsene: 2–4 Erkältungen pro Jahr; Kinder im Kita-Alter: 8–12 Infekte pro Jahr — meist harmlos
Auffällig
mehr als 8 Atemwegsinfekte pro Jahr bei Erwachsenen, wiederkehrende bakterielle Infekte, Antibiotika ohne durchschlagende Wirkung, ungewöhnlich schwere Verläufe
Von häufigen Infekten spricht man, wenn jemand deutlich öfter krank wird als der Durchschnitt — und zwar wiederholt mit Atemwegsinfekten (Erkältung, Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung), Harnwegsinfekten, Hautinfekten oder kombiniert.
Die Häufigkeit allein sagt aber noch nichts über das Immunsystem aus. Entscheidend ist, wie schwer die Infekte verlaufen, wie schnell sie aufeinanderfolgen und ob ungewöhnliche Erreger beteiligt sind. Ein gesundes Immunsystem braucht regelmäßigen Kontakt mit Krankheitserregern — besonders bei Kindern ist eine erhöhte Infektrate normaler Bestandteil der Immunreifung.
Wichtig ist die Unterscheidung: Häufige, milde Infekte deuten meistens auf erhöhte Belastung (Stress, Schlafmangel, Mangel-Ernährung) oder Exposition (Kinder, Pflegeberufe) hin. Schwere, atypische oder bakteriell-rezidivierende Infekte können dagegen Hinweise auf eine echte Immunschwäche sein.
2. Was ist normal — und was nicht?
Normale Häufigkeit
Erwachsene: 2–4 Erkältungen pro Jahr — meist im Herbst und Winter
Kinder im Kita-Alter: 8–12 Atemwegsinfekte pro Jahr — die Immunreifung dauert mehrere Jahre
Schulkinder: 4–8 Infekte pro Jahr — meist deutlich milder als bei Kleinkindern
Senioren: häufig längere Erholungszeiten, aber nicht zwangsläufig mehr Infekte
Anzeichen für eine relevante Immunschwäche
Die ELVIS-Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Immunologie helfen bei der Einordnung. Auffällig sind:
Erreger: ungewöhnliche oder opportunistische Erreger (z. B. Pneumocystis jirovecii, atypische Mykobakterien)
Lokalisation: Infekte an untypischen Stellen (Hirnabszess, Knochenmark)
Verlauf: ungewöhnlich schwer, langwierig oder rezidivierend
Summe: mehr als 8 Atemwegsinfekte/Jahr bei Erwachsenen, mehr als 2 schwere Sinusitis-/Pneumonie-Episoden/Jahr, wiederkehrende Hautabszesse, wiederkehrende invasive Infekte
Auch bei nur einem Punkt der ELVIS-Kriterien sollte die Möglichkeit einer Immunschwäche oder Grunderkrankung ärztlich abgeklärt werden.
3. Häufige Ursachen bei Erwachsenen
Stress und Schlafmangel
Chronischer Stress erhöht Cortisol — das dämpft die Immunantwort. Schlafstörungen und Schlafdefizit (weniger als 6 Stunden) verdoppeln nachweislich das Infektionsrisiko bei Erkältungsviren.
Eisen-, Vitamin-D- und Zink-Mangel
Eisenmangelanämie schwächt die zelluläre Immunantwort. Vitamin-D-Mangel ist in Deutschland besonders im Winter sehr häufig und mit erhöhter Infektanfälligkeit assoziiert. Zinkmangel beeinträchtigt die T-Zell-Funktion. Diese Mängel sind im Blut messbar und gut behandelbar.
Diabetes mellitus
Diabetes — besonders schlecht eingestellt — schwächt das Immunsystem deutlich. Typische Folgen: häufigere Harnwegsinfekte, schlechter heilende Wunden, Hautinfektionen, vermehrte Atemwegsinfekte.
Chronische Erkrankungen
COPD, Asthma, chronische Nierenerkrankungen, Leberzirrhose, HIV-Infektion, Krebserkrankungen und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn gehen oft mit erhöhter Infektanfälligkeit einher.
Rauchen und Alkohol
Rauchen schädigt das Flimmerepithel der Atemwege und macht anfälliger für Bronchitis und Lungenentzündungen. Chronischer Alkoholkonsum unterdrückt die Immunfunktion und erhöht das Risiko für Pneumonien deutlich.
Primäre Immundefekte (PID)
Angeborene Defekte des Immunsystems sind selten, aber wichtig — die häufigste Form ist der selektive IgA-Mangel (ca. 1:500) und das variable Immundefekt-Syndrom (CVID). Erstmanifestation oft im Erwachsenenalter, viele Jahre unterdiagnostiziert. Hinweise: rezidivierende bakterielle Atemwegsinfekte, chronische Durchfälle, Autoimmunphänomene.
4. Häufige Infekte bei Kindern
Bei Kindern ist eine erhöhte Infektrate in den ersten Lebensjahren physiologisch — das Immunsystem reift erst durch wiederholte Erregerkontakte. Besonders im ersten Kita-Jahr sind 8–12 Atemwegsinfekte pro Jahr normal.
Auffällig bei Kindern:
rezidivierende eitrige Mittelohrentzündungen (mehr als 8/Jahr)
wiederholte Lungenentzündungen oder Bronchitiden mit Antibiotikabedarf
Gedeihstörung, anhaltende Durchfälle, Mundsoor jenseits des Säuglingsalters
Familiäre Belastung mit Immundefekten
Bei diesen Hinweisen sollte eine kinderärztliche oder immunologische Abklärung erfolgen. Frühzeitige Diagnose primärer Immundefekte verbessert die Prognose erheblich.
5. Wann zum Arzt? (Warnzeichen)
Zeitnah ärztlich abklären lassen, wenn:
Infekte deutlich häufiger auftreten als bei Vergleichspersonen
Antibiotika wiederholt keine durchschlagende Wirkung zeigen
Infekte ungewöhnlich schwer oder lang verlaufen
wiederkehrende Lungenentzündungen, schwere Sinusitiden oder Hautabszesse auftreten
begleitend ungewollter Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Müdigkeit oder Lymphknotenschwellungen bestehen
Hinweise auf familiäre Immundefekte vorliegen
neue Medikamente (Kortison, Immunsuppressiva, Biologika) eingenommen werden
Sofort ärztliche Hilfe bei hohem Fieber mit reduzierter Allgemeinverfassung, Atemnot, Bewusstseinsveränderung, starkem Schüttelfrost oder Hinweisen auf eine Sepsis (kalter Schweiß, Verwirrtheit, sehr schnelle Atmung).
Erwachsene haben durchschnittlich 2–4 Erkältungen pro Jahr, Kinder im Kita-Alter 8–12. Erst deutlich darüberliegende Werte oder schwere Verläufe sollten ärztlich abgeklärt werden.
Die meisten häufigen Infekte beruhen auf Stress, Schlafmangel, Mangel-Ernährung oder chronischen Grunderkrankungen — nicht auf einer angeborenen Immunschwäche. Hinweise auf eine echte Immunschwäche sind ungewöhnlich schwere oder atypische Infekte, rezidivierende bakterielle Infekte und unzureichende Wirkung von Antibiotika.
Vitamin C kann die Dauer einer Erkältung leicht verkürzen, verhindert sie aber bei Gesunden nicht. Wirksamer als Hochdosis-Vitamin C: ausreichend Schlaf, Stressreduktion und ein gut eingestellter Vitamin-D-Status — besonders im Winter.
Antibiotika selbst schwächen das Immunsystem nicht direkt, verändern aber das Mikrobiom (Darmflora). Das kann nach der Einnahme zu Durchfall oder Pilzinfekten führen. Wichtig: Antibiotika nur bei nachgewiesener bakterieller Infektion, nicht bei viralen Erkältungen.
Bestimmte Probiotika (z. B. Lactobacillus, Bifidobacterium) können die Häufigkeit von Atemwegsinfekten leicht reduzieren — die Evidenz ist moderat. Besonders sinnvoll nach Antibiotikatherapie und bei Reizdarm-Begleitsymptomen.
Die Evidenz für Echinacea und andere pflanzliche Immunbooster ist begrenzt. Wirksamer sind nachgewiesen: Schlaf, Bewegung, Stressreduktion, ausreichend Mikronährstoffe und Impfungen. Bei Autoimmunerkrankungen sollten immunaktivierende Präparate vorher ärztlich besprochen werden.
Ein normales Immunsystem bewältigt die meisten Infekte selbstständig innerhalb weniger Tage. Bei einer Immunschwäche kommen Infekte häufiger, schwerer oder mit untypischen Erregern vor, und die Erholung dauert länger. Diagnostik erfolgt über Immunglobuline und Lymphozyten-Subpopulationen im Blut.
Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI) — ELVIS-Kriterien. — https://www.dgfi.org/
Jeffrey Modell Foundation — 10 Warning Signs of Primary Immunodeficiency. — https://www.info4pi.org/
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei Verdacht auf eine Immunschwäche, ungewöhnlich schweren oder rezidivierenden Infekten sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Bei hohem Fieber mit reduzierter Allgemeinverfassung oder Sepsiszeichen sofort 112.