Häufige Infekte: Ursachen, Immunsystem und wann zum Arzt

Ständig erkältet? Erfahre, warum manche Menschen häufiger Infekte bekommen, welche Ursachen dahinterstecken und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.

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Auf einen Blick

Definition
wiederkehrende Atemwegs-, Harnwegs- oder Hautinfektionen, die häufiger auftreten als bei vergleichbar gesunden Menschen
Normal
Erwachsene: 2–4 Erkältungen pro Jahr; Kinder im Kita-Alter: 8–12 Infekte pro Jahr — meist harmlos
Auffällig
mehr als 8 Atemwegsinfekte pro Jahr bei Erwachsenen, wiederkehrende bakterielle Infekte, Antibiotika ohne durchschlagende Wirkung, ungewöhnlich schwere Verläufe
Häufige Ursachen
Stress, Schlafmangel, Eisen-/Vitamin-D-Mangel, Diabetes, chronische Erkrankungen, Medikamente (Kortison, Immunsuppressiva), seltener: primäre Immundefekte
ICD-10
Z87.0 (rezidivierende Atemwegsinfekte), D84.9 (Immundefekt, nicht näher bezeichnet)

1. Was sind häufige Infekte?

Von häufigen Infekten spricht man, wenn jemand deutlich öfter krank wird als der Durchschnitt — und zwar wiederholt mit Atemwegsinfekten (Erkältung, Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung), Harnwegsinfekten, Hautinfekten oder kombiniert.

Die Häufigkeit allein sagt aber noch nichts über das Immunsystem aus. Entscheidend ist, wie schwer die Infekte verlaufen, wie schnell sie aufeinanderfolgen und ob ungewöhnliche Erreger beteiligt sind. Ein gesundes Immunsystem braucht regelmäßigen Kontakt mit Krankheitserregern — besonders bei Kindern ist eine erhöhte Infektrate normaler Bestandteil der Immunreifung.

Wichtig ist die Unterscheidung: Häufige, milde Infekte deuten meistens auf erhöhte Belastung (Stress, Schlafmangel, Mangel-Ernährung) oder Exposition (Kinder, Pflegeberufe) hin. Schwere, atypische oder bakteriell-rezidivierende Infekte können dagegen Hinweise auf eine echte Immunschwäche sein.

2. Was ist normal — und was nicht?

Normale Häufigkeit

  • Erwachsene: 2–4 Erkältungen pro Jahr — meist im Herbst und Winter
  • Kinder im Kita-Alter: 8–12 Atemwegsinfekte pro Jahr — die Immunreifung dauert mehrere Jahre
  • Schulkinder: 4–8 Infekte pro Jahr — meist deutlich milder als bei Kleinkindern
  • Senioren: häufig längere Erholungszeiten, aber nicht zwangsläufig mehr Infekte

Anzeichen für eine relevante Immunschwäche

Die ELVIS-Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Immunologie helfen bei der Einordnung. Auffällig sind:

  • Erreger: ungewöhnliche oder opportunistische Erreger (z. B. Pneumocystis jirovecii, atypische Mykobakterien)
  • Lokalisation: Infekte an untypischen Stellen (Hirnabszess, Knochenmark)
  • Verlauf: ungewöhnlich schwer, langwierig oder rezidivierend
  • Intensität: schwere Verläufe trotz adäquater Therapie
  • Summe: mehr als 8 Atemwegsinfekte/Jahr bei Erwachsenen, mehr als 2 schwere Sinusitis-/Pneumonie-Episoden/Jahr, wiederkehrende Hautabszesse, wiederkehrende invasive Infekte
Auch bei nur einem Punkt der ELVIS-Kriterien sollte die Möglichkeit einer Immunschwäche oder Grunderkrankung ärztlich abgeklärt werden.

3. Häufige Ursachen bei Erwachsenen

Stress und Schlafmangel

Chronischer Stress erhöht Cortisol — das dämpft die Immunantwort. Schlafstörungen und Schlafdefizit (weniger als 6 Stunden) verdoppeln nachweislich das Infektionsrisiko bei Erkältungsviren.

Eisen-, Vitamin-D- und Zink-Mangel

Eisenmangelanämie schwächt die zelluläre Immunantwort. Vitamin-D-Mangel ist in Deutschland besonders im Winter sehr häufig und mit erhöhter Infektanfälligkeit assoziiert. Zinkmangel beeinträchtigt die T-Zell-Funktion. Diese Mängel sind im Blut messbar und gut behandelbar.

Diabetes mellitus

Diabetes — besonders schlecht eingestellt — schwächt das Immunsystem deutlich. Typische Folgen: häufigere Harnwegsinfekte, schlechter heilende Wunden, Hautinfektionen, vermehrte Atemwegsinfekte.

Chronische Erkrankungen

COPD, Asthma, chronische Nierenerkrankungen, Leberzirrhose, HIV-Infektion, Krebserkrankungen und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn gehen oft mit erhöhter Infektanfälligkeit einher.

Rauchen und Alkohol

Rauchen schädigt das Flimmerepithel der Atemwege und macht anfälliger für Bronchitis und Lungenentzündungen. Chronischer Alkoholkonsum unterdrückt die Immunfunktion und erhöht das Risiko für Pneumonien deutlich.

Primäre Immundefekte (PID)

Angeborene Defekte des Immunsystems sind selten, aber wichtig — die häufigste Form ist der selektive IgA-Mangel (ca. 1:500) und das variable Immundefekt-Syndrom (CVID). Erstmanifestation oft im Erwachsenenalter, viele Jahre unterdiagnostiziert. Hinweise: rezidivierende bakterielle Atemwegsinfekte, chronische Durchfälle, Autoimmunphänomene.

4. Häufige Infekte bei Kindern

Bei Kindern ist eine erhöhte Infektrate in den ersten Lebensjahren physiologisch — das Immunsystem reift erst durch wiederholte Erregerkontakte. Besonders im ersten Kita-Jahr sind 8–12 Atemwegsinfekte pro Jahr normal.

Auffällig bei Kindern:

  • rezidivierende eitrige Mittelohrentzündungen (mehr als 8/Jahr)
  • wiederholte Lungenentzündungen oder Bronchitiden mit Antibiotikabedarf
  • ungewöhnliche Erreger (Pneumocystis, atypische Mykobakterien)
  • Gedeihstörung, anhaltende Durchfälle, Mundsoor jenseits des Säuglingsalters
  • Familiäre Belastung mit Immundefekten
Bei diesen Hinweisen sollte eine kinderärztliche oder immunologische Abklärung erfolgen. Frühzeitige Diagnose primärer Immundefekte verbessert die Prognose erheblich.

5. Wann zum Arzt? (Warnzeichen)

Zeitnah ärztlich abklären lassen, wenn:

  • Infekte deutlich häufiger auftreten als bei Vergleichspersonen
  • Antibiotika wiederholt keine durchschlagende Wirkung zeigen
  • Infekte ungewöhnlich schwer oder lang verlaufen
  • wiederkehrende Lungenentzündungen, schwere Sinusitiden oder Hautabszesse auftreten
  • begleitend ungewollter Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Müdigkeit oder Lymphknotenschwellungen bestehen
  • Hinweise auf familiäre Immundefekte vorliegen
  • neue Medikamente (Kortison, Immunsuppressiva, Biologika) eingenommen werden
Sofort ärztliche Hilfe bei hohem Fieber mit reduzierter Allgemeinverfassung, Atemnot, Bewusstseinsveränderung, starkem Schüttelfrost oder Hinweisen auf eine Sepsis (kalter Schweiß, Verwirrtheit, sehr schnelle Atmung).

6. Diagnostik: was der Arzt macht

Die Abklärung erfolgt stufenweise:

  • Anamnese: Häufigkeit, Verlauf, betroffene Organsysteme, Familienanamnese, Medikamente, Lebensstil
  • Blutuntersuchung Basis: Blutbild mit Differenzialblutbild, CRP, BSG, Ferritin, Vitamin D, ggf. Zink, TSH, HbA1c, Leber- und Nierenwerte, HIV-Test
  • Immunologische Basisdiagnostik: Immunglobuline (IgG, IgA, IgM, IgE), Lymphozyten-Subpopulationen, ggf. Impfantikörper-Titer (Tetanus, Pneumokokken)
  • Weiterführende Diagnostik bei Auffälligkeiten: spezielle Antikörper-Profile, Komplementfaktoren, Funktionstests der Granulozyten, ggf. genetische Untersuchung
  • Bildgebung: Röntgen-Thorax, Nasennebenhöhlen-CT bei rezidivierender Sinusitis, ggf. CT-Thorax bei Bronchiektasen

Mehr: Arzttermin vorbereiten, Blutwerte verstehen.

7. Was du selbst tun kannst

  • Schlaf priorisieren: 7–9 Stunden pro Nacht — chronisches Defizit ist ein nachgewiesener Immun-Schwächer
  • Stressreduktion: regelmäßige Bewegung, Entspannungsverfahren, ausreichend Erholungspausen
  • Ernährung: ausreichend Eiweiß, frisches Obst und Gemüse, ballaststoffreiche Kost für ein gesundes Mikrobiom
  • Vitamin D im Winter überprüfen lassen und ggf. supplementieren — besonders bei dunkler Haut, wenig Sonnenlicht oder höherem Alter
  • Eisenstatus prüfen: vor allem bei Frauen mit starker Menstruation, Vegetarier:innen, Sportler:innen, älteren Menschen
  • Rauchstopp und Alkoholreduktion — kurzfristig spürbare Effekte
  • Bewegung: moderate Ausdaueraktivität stärkt nachweislich die Immunfunktion — Übertraining dagegen schwächt sie
  • Hygiene: Händewaschen, in der Erkältungszeit Abstand zu Erkrankten, FFP2 in Wartezimmern für Risikogruppen sinnvoll

8. Medikamente und Immunsystem

Mehrere Medikamentengruppen können das Immunsystem schwächen und so häufige Infekte begünstigen:

  • Kortison (Glukokortikoide) in höheren Dosen oder über lange Zeit: unterdrückt die Immunantwort deutlich
  • Immunsuppressiva (Methotrexat, Azathioprin, Ciclosporin): erhöhen das Infektionsrisiko und erfordern engmaschige Kontrollen
  • Biologika (TNF-Alpha-Hemmer, JAK-Inhibitoren, Rituximab): erhöhtes Risiko für Atemwegsinfekte, Reaktivierung von Tuberkulose und Hepatitis B
  • Chemotherapie: vorübergehende Knochenmark-Suppression mit erhöhter Infektanfälligkeit
  • PPI (Pantoprazol, Omeprazol) Langzeit: leicht erhöhtes Risiko für Atemwegs- und Magen-Darm-Infekte

Mehr: Wechselwirkungen von Medikamenten, Medikamente richtig einnehmen.

9. Impfungen als Schutz

Bei häufigen Infekten und in Risikogruppen sind aktualisierte Impfungen besonders wichtig. Empfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission):

  • Grippe-Impfung: jährlich für Senioren ab 60, Schwangere, chronisch Kranke, medizinisches Personal
  • Pneumokokken: Senioren ab 60 und chronisch Kranke — Schutz vor Lungen- und Hirnhautentzündung
  • COVID-19: Auffrischung nach STIKO-Empfehlung, besonders für Risikogruppen
  • RSV: Schutz für Säuglinge und Senioren ab 75 sowie Risikopatienten ab 60
  • Tetanus, Diphtherie, Pertussis: Auffrischung alle 10 Jahre
  • Herpes zoster (Gürtelrose): ab 60 — bei Risikopatienten ab 50

Bei primären Immundefekten kann die Impfantwort vermindert sein — hier helfen Titerkontrollen und ggf. passive Immunisierung mit Immunglobulinen.

So hilft brite dir bei häufigen Infekten

brite unterstützt dich dabei, Häufige Infekte besser einzuordnen und den Überblick über deine Medikamente zu behalten.

  • Einnahme-Erinnerung — Vitamin D, Eisenpräparate oder verordnete Medikamente regelmäßig einnehmen: brite erinnert pünktlich. Erinnerung einrichten
  • Wechselwirkungs-Check — Kortison, Immunsuppressiva oder Antibiotika auf Wechselwirkungen kostenlos prüfen. Jetzt prüfen
  • Gesundheitsverlauf — Häufigkeit, Schwere und Dauer der Infekte über die Zeit dokumentieren — wertvoll für die ärztliche Abklärung.
  • Impfpass digital — Impftermine und Auffrischungen im Blick behalten.
  • Digitaler Medikationsplan — alle Medikamente übersichtlich für Hausarzt, Apotheke und Spezialisten. Zum Medikationsplan
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FAQ: Häufige Fragen

Erwachsene haben durchschnittlich 2–4 Erkältungen pro Jahr, Kinder im Kita-Alter 8–12. Erst deutlich darüberliegende Werte oder schwere Verläufe sollten ärztlich abgeklärt werden.
Die meisten häufigen Infekte beruhen auf Stress, Schlafmangel, Mangel-Ernährung oder chronischen Grunderkrankungen — nicht auf einer angeborenen Immunschwäche. Hinweise auf eine echte Immunschwäche sind ungewöhnlich schwere oder atypische Infekte, rezidivierende bakterielle Infekte und unzureichende Wirkung von Antibiotika.
Vitamin C kann die Dauer einer Erkältung leicht verkürzen, verhindert sie aber bei Gesunden nicht. Wirksamer als Hochdosis-Vitamin C: ausreichend Schlaf, Stressreduktion und ein gut eingestellter Vitamin-D-Status — besonders im Winter.
Antibiotika selbst schwächen das Immunsystem nicht direkt, verändern aber das Mikrobiom (Darmflora). Das kann nach der Einnahme zu Durchfall oder Pilzinfekten führen. Wichtig: Antibiotika nur bei nachgewiesener bakterieller Infektion, nicht bei viralen Erkältungen.
Bestimmte Probiotika (z. B. Lactobacillus, Bifidobacterium) können die Häufigkeit von Atemwegsinfekten leicht reduzieren — die Evidenz ist moderat. Besonders sinnvoll nach Antibiotikatherapie und bei Reizdarm-Begleitsymptomen.
Die Evidenz für Echinacea und andere pflanzliche Immunbooster ist begrenzt. Wirksamer sind nachgewiesen: Schlaf, Bewegung, Stressreduktion, ausreichend Mikronährstoffe und Impfungen. Bei Autoimmunerkrankungen sollten immunaktivierende Präparate vorher ärztlich besprochen werden.
Ein normales Immunsystem bewältigt die meisten Infekte selbstständig innerhalb weniger Tage. Bei einer Immunschwäche kommen Infekte häufiger, schwerer oder mit untypischen Erregern vor, und die Erholung dauert länger. Diagnostik erfolgt über Immunglobuline und Lymphozyten-Subpopulationen im Blut.

Quellen

  1. IQWiG — gesundheitsinformation.de: Immunsystem und Erkältung. — https://www.gesundheitsinformation.de/
  2. S2k-Leitlinie Diagnostik von primären Immundefekten (AWMF 112-001). — https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/112-001.html
  3. Robert Koch-Institut — STIKO-Empfehlungen. — https://www.rki.de/
  4. Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI) — ELVIS-Kriterien. — https://www.dgfi.org/
  5. Jeffrey Modell Foundation — 10 Warning Signs of Primary Immunodeficiency. — https://www.info4pi.org/
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei Verdacht auf eine Immunschwäche, ungewöhnlich schweren oder rezidivierenden Infekten sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Bei hohem Fieber mit reduzierter Allgemeinverfassung oder Sepsiszeichen sofort 112.