Verapamil

Verapamil: Verstopfung, Grapefruit & warum nicht mit Betablocker

Verapamil ist ein Kalziumantagonist, der sich von den bekannteren Vertretern wie Amlodipin deutlich unterscheidet: Es erweitert nicht nur die Gefäße, sondern bremst zusätzlich Herzfrequenz und Erregungsleitung. Daraus ergeben sich seine besonderen Einsatzgebiete — und seine wichtigste Warnung, die Kombination mit Betablockern. Im Alltag sind vor allem zwei Themen relevant: hartnäckige Verstopfung und die Wechselwirkung mit Grapefruit.

Kostenlos in brite tracken

Verapamil sicher im Alltag führen

Erinnerung, Einnahmeverlauf und Wechselwirkungs-Check an einem Ort — kostenlos in der brite App.

Verapamil tracken

1. Auf einen Blick: Technisches Datenblatt

EigenschaftDetails
WirkstoffVerapamil (als Verapamilhydrochlorid)
ATC-CodeC08DA01
WirkstoffklasseKalziumantagonist vom Nicht-Dihydropyridin-Typ (Phenylalkylamin) — wirkt an Gefäßen und am Herzen
DarreichungsformenFilmtabletten (z. B. 40, 80, 120 mg) und Retardtabletten oder -kapseln (z. B. 120, 180, 240 mg)
HalbwertszeitRund 3 bis 7 Stunden, bei Dauereinnahme länger — deshalb mehrfach täglich oder als Retardform
Max. TagesdosisIn der Regel bis 480 mg laut Fachinformation; die individuelle Dosis legt die behandelnde Praxis fest
WirkungseintrittPuls und Blutdruck reagieren innerhalb von Stunden, die volle Blutdruckwirkung meist nach Wochen
RezeptpflichtVerschreibungspflichtig
BesonderheitBremst Sinus- und AV-Knoten; hemmt das Abbauenzym CYP3A4 und den Transporter P-Glykoprotein — daher viele Wechselwirkungen
Tabelle nach rechts scrollbar

2. Wirkungsweise: der Kalziumantagonist, der auch das Herz bremst

Kalzium ist der Auslöser für jede Muskelanspannung — in der Gefäßwand ebenso wie im Herzmuskel. Kalziumantagonisten blockieren die Kanäle, durch die Kalzium in diese Zellen strömt. Der Unterschied zwischen den Wirkstoffen liegt darin, wo sie das tun.

  • An den Gefäßen: Weniger Kalzium bedeutet entspanntere Gefäßmuskulatur, weitere Arterien, niedrigerer Blutdruck. Das können alle Kalziumantagonisten.
  • Am Herzen: Verapamil wirkt zusätzlich am Sinusknoten (dem Taktgeber) und am AV-Knoten (der Schaltstelle zwischen Vorhöfen und Kammern). Der Puls sinkt, die Überleitung wird langsamer, die Kraft der Herzkontraktion nimmt etwas ab.¹

Diese zweite Eigenschaft ist der Schlüssel zum ganzen Beitrag. Sie erklärt, warum Verapamil bei Vorhofflimmern zur Pulskontrolle taugt, warum es bei Angina pectoris hilft — und warum die Kombination mit einem Betablocker heikel ist. Sie erklärt auch, warum Verapamil bei einer Herzschwäche mit verminderter Pumpkraft nicht eingesetzt wird.

Der zweite Mechanismus: das Abbauenzym. Verapamil hemmt das Leberenzym CYP3A4 und den Transporter P-Glykoprotein. Beide bauen zahlreiche andere Medikamente ab beziehungsweise schleusen sie aus dem Körper. Wird diese Entsorgung gebremst, steigen die Spiegel der Begleitmedikamente — genau darum geht es in den Abschnitten 6 und 8.

3. Verapamil und Amlodipin: warum der Unterschied zählt

Beide heißen „Kalziumantagonist", beide senken den Blutdruck — im Alltag verhalten sie sich aber unterschiedlich. Amlodipin gehört zu den Dihydropyridinen und wirkt fast nur an den Gefäßen. Verapamil wirkt zusätzlich am Reizleitungssystem.

MerkmalVerapamilAmlodipin (Dihydropyridin)
AngriffspunktGefäße und Sinus-/AV-KnotenFast ausschließlich Gefäße
Wirkung auf den PulsSenkt die HerzfrequenzPuls bleibt gleich oder steigt leicht (Reflex)
Kombination mit BetablockerKritisch, nur unter ärztlicher KontrolleÜblich und gut etabliert
Typische NebenwirkungVerstopfungKnöchelödeme, Gesichtsrötung
Bei Herzschwäche mit reduzierter PumpfunktionNicht geeignetGilt als vertretbar
Rhythmus-IndikationJa, u. a. Frequenzkontrolle bei VorhofflimmernNein
Tabelle nach rechts scrollbar

Praktisch heißt das: Die beiden Wirkstoffe sind nicht austauschbar, auch wenn die Wirkstoffklasse gleich klingt. Ein Punkt fällt vielen positiv auf: Die geschwollenen Knöchel, die unter Amlodipin häufig sind, treten unter Verapamil deutlich seltener auf. Wer solche Wassereinlagerungen kennt, erlebt den Wechsel oft als Erleichterung — dafür kommt bei Verapamil das Darmthema aus Abschnitt 5 dazu.


4. Dosierung und Einnahme: Retard richtig verstehen

Die folgenden Angaben beschreiben, was in der Fachinformation als übliches Vorgehen steht. Sie sind keine Einnahmeempfehlung — deine Dosis legt die behandelnde Praxis fest.

  1. Retard oder nicht Retard? Schnellfreisetzende Tabletten werden meist mehrmals täglich genommen, Retardformen ein- bis zweimal. Beide Formen können denselben Wirkstoffnamen tragen — der Unterschied steht in der Packungsbezeichnung.
  2. Retardtabletten nicht mörsern oder zerkauen. Wird die Hülle zerstört, kommt die gesamte Menge auf einmal frei. Ob eine bestimmte Tablette geteilt werden darf, steht in der Packungsbeilage — Hintergrund im Ratgeber Tabletten teilen.
  3. Feste Zeiten einhalten. Bei mehrmals täglicher Einnahme zählt der gleichmäßige Abstand mehr als die exakte Uhrzeit. Grundregeln im Ratgeber Medikamente richtig einnehmen.
  4. Mit Wasser einnehmen — nicht mit Grapefruitsaft. Warum, steht in Abschnitt 6.
  5. Puls und Blutdruck dokumentieren. Unter Verapamil ist der Puls die zweite wichtige Zahl. Wie du korrekt misst, erklärt Blutdruck richtig messen.
Umstellung zwischen den Formen ist kein Selbstläufer. Von schnellfreisetzend auf Retard (oder umgekehrt) wird nicht einfach 1:1 umgerechnet — Tagesdosis und Verteilung ändern sich. Diese Umstellung gehört in die Hand der verordnenden Praxis oder der Apotheke.

Mehrmals täglich? Keine Dosis mehr vergessen

Erinnerungen und Einnahmeverlauf für Verapamil — kostenlos in der brite App.

Erinnerung einrichten

5. Verstopfung: die typische Nebenwirkung

Verstopfung ist unter Verapamil die mit Abstand häufigste Beschwerde — und der häufigste Grund, warum Menschen das Medikament eigenmächtig weglassen. Sie ist in der Fachinformation als häufige Nebenwirkung gelistet; in Untersuchungen wird sie je nach Dosis bei bis zu jedem vierten Behandelten beschrieben.¹

Der Grund ist derselbe Mechanismus wie am Herzen: Auch die glatte Muskulatur des Darms braucht Kalzium, um sich zusammenzuziehen. Wird der Kalziumeinstrom gebremst, arbeitet der Darm träger. Die Beschwerde ist also kein Zufall, sondern eine direkte Folge der Wirkung — und sie ist meist dosisabhängig.

  • Trinkmenge und Ballaststoffe zuerst. — Vollkornprodukte, Gemüse, Leinsamen oder Flohsamenschalen zusammen mit ausreichend Flüssigkeit. Ballaststoffe ohne Trinken verschlimmern das Problem eher.
  • Bewegung wirkt messbar. — Regelmäßige Spaziergänge bringen die Darmtätigkeit oft mehr in Gang als jedes Hausmittel.
  • Wenn das nicht reicht: — Häufig wird ein osmotisches Abführmittel wie Macrogol eingesetzt, das auch längerfristig als vertretbar gilt. Die Auswahl bespricht am besten die Apotheke oder Praxis.
  • Ansprechen statt absetzen. — Manchmal genügt eine Dosisanpassung oder ein Wechsel der Darreichungsform. Eigenmächtiges Weglassen ist die schlechteste Lösung.

Weitere Nebenwirkungen

  • Zu langsamer Puls und Überleitungsstörungen — die kalkulierte Wirkung, die über das Ziel hinausschießen kann. Warnzeichen sind Schwindel, Leistungsknick oder Ohnmachtsgefühl; auch Herzstolpern gehört abgeklärt.
  • Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, Schwindel, Müdigkeit — meist in der Einstellungsphase.
  • Verschlechterung einer Herzschwäche — zunehmende Luftnot oder rasche Gewichtszunahme sind Warnzeichen (Abschnitt 10).
  • Zahnfleischwucherungen — selten, aber typisch für Kalziumantagonisten; gute Mundhygiene beugt vor.
Wann du nicht abwarten solltest. Bei sehr langsamem Puls mit Beschwerden, bei Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht, bei neuer Luftnot in Ruhe oder rascher Gewichtszunahme mit geschwollenen Beinen brauchst du zeitnah ärztliche Abklärung. Ungewöhnliche Reaktionen melden — wie das geht, steht im Ratgeber Nebenwirkungen von Medikamenten.

6. Grapefruit: die Wechselwirkung, die im Alltag zählt

Grapefruit ist bei Verapamil kein Randthema, sondern gehört zu den praktisch wichtigsten Punkten. Inhaltsstoffe der Frucht hemmen das Enzym CYP3A4 in der Darmwand — genau das Enzym, das Verapamil beim ersten Durchgang teilweise abbaut. Fällt dieser Abbau weg, gelangt mehr Wirkstoff ins Blut als vorgesehen.

Die Folgen sind dieselben wie bei einer Überdosierung: stärkerer Blutdruckabfall, ausgeprägter Schwindel, ein zu langsamer Puls. Besonders tückisch ist, dass der Effekt nicht durch zeitlichen Abstand zu umgehen ist — die Hemmung hält viele Stunden bis über einen Tag an. Schon ein Glas Saft kann reichen.

Grapefruit unter Verapamil meiden. Das gilt für die Frucht, für Saft und für Mischgetränke, in denen Grapefruit enthalten ist — auch in Pomelo- und Bitterorangenprodukten steckt der gleiche Effekt. Orangen, Mandarinen und Zitronen sind davon nicht betroffen. Welche Lebensmittel sonst noch mit Medikamenten in Konflikt geraten, erklärt der Ratgeber Grapefruit und Medikamente.

Wenn du unsicher bist, ob du versehentlich Grapefruit erwischt hast: Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, an diesem Tag besonders auf Schwindel und Pulsabfall zu achten und beim Aufstehen langsam zu machen. Halten Beschwerden an, ist ärztlicher Rat sinnvoll.

7. Die wichtigste Warnung: Verapamil plus Betablocker

Verapamil bremst Herzfrequenz und Erregungsleitung. Betablocker tun dasselbe, nur über einen anderen Signalweg. Werden beide kombiniert, addieren sich die Effekte — und zwar an genau den Strukturen, die den Herzschlag am Laufen halten.

Diese Kombination gehört nie in Eigenregie. Verapamil zusammen mit einem Betablocker wie Metoprolol oder Bisoprolol kann die Herzfrequenz gefährlich absenken, die Überleitung bis zum AV-Block blockieren und die Pumpkraft so weit dämpfen, dass eine Herzschwäche entgleist. Beschrieben sind Bradykardie, Ohnmacht und im Extremfall ein Herzstillstand. Die Kombination wird in der Regel vermieden; wird sie ausnahmsweise gebraucht, geschieht das nur unter ärztlicher Kontrolle mit EKG und nicht als spontane Selbstmedikation. Bei Schwindel, Ohnmachtsgefühl oder sehr langsamem Puls suche zeitnah ärztliche Hilfe.

Praktisch wird das oft dann relevant, wenn zwei Praxen unabhängig voneinander verordnen — etwa Hausarztpraxis und Kardiologie — oder wenn nach einem Krankenhausaufenthalt ein neuer Plan mitkommt. Genau deshalb lohnt eine vollständige, aktuelle Medikamentenliste, die du bei jedem Termin vorzeigen kannst. Wie du kritische Paarungen erkennst, steht im Wechselwirkungs-Ratgeber.


8. Weitere Wechselwirkungen: das CYP3A4-Thema

Weil Verapamil das Abbauenzym CYP3A4 und den Transporter P-Glykoprotein hemmt, steigen die Spiegel vieler Begleitmedikamente. Die Wirkung wird dadurch nicht besser, sondern die Nebenwirkungen häufiger.

KombinationFolgeWas tun
Betablocker (Abschnitt 7)Puls, Überleitung und Pumpkraft werden zusätzlich gebremstIn der Regel vermeiden; sonst nur unter EKG-Kontrolle
SimvastatinDer Statin-Spiegel steigt deutlich, dadurch mehr Muskelschmerzen bis hin zum MuskelzerfallDie Fachinformation begrenzt die Simvastatin-Dosis; oft wird auf ein anderes Statin wie Rosuvastatin gewechselt
DigoxinDer Digoxinspiegel steigt — Übelkeit, Sehstörungen und Rhythmusstörungen möglichSpiegelkontrollen, häufig Dosisreduktion durch die Praxis
DabigatranHöherer Wirkspiegel, dadurch erhöhtes BlutungsrisikoEinnahmeabstand und Dosis werden ärztlich festgelegt
ColchicinDeutlich höhere Spiegel, VergiftungsgefahrKombination gezielt prüfen lassen
Carbamazepin, Ciclosporin, TheophyllinSpiegel steigen, mehr NebenwirkungenEngmaschige Kontrolle
AlkoholDer Alkoholspiegel kann höher ausfallen, Blutdruckabfall und Schwindel nehmen zuZurückhaltung, siehe Medikamente und Alkohol
Tabelle nach rechts scrollbar

Der praktisch häufigste Fall ist die Kombination mit einem Cholesterinsenker. Muskelschmerzen unter Statinen werden oft als „Alterserscheinung" abgetan — unter Verapamil lohnt es sich, genauer hinzusehen und die Kombination prüfen zu lassen, statt das Statin heimlich wegzulassen.


9. Einsatzgebiete: Blutdruck, Vorhofflimmern, Angina

  • Bluthochdruck: Verapamil senkt den Blutdruck zuverlässig, ist aber wegen seiner Herzwirkung nicht der Standard-Kalziumantagonist. Es kommt vor allem dann infrage, wenn zusätzlich der Puls gesenkt werden soll.
  • Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern: Hier ist die bremsende Wirkung am AV-Knoten der eigentliche Zweck — der oft zu schnelle Kammerpuls wird gedrosselt. Bei bestimmten Formen und bei begleitender Herzschwäche ist Verapamil allerdings nicht geeignet.²
  • Angina pectoris bei koronarer Herzkrankheit: Ein langsamerer, weniger kraftvoller Herzschlag braucht weniger Sauerstoff; zusätzlich erweitern sich die Herzkranzgefäße. Verapamil ist eine Option, wenn ein Betablocker nicht vertragen wird oder nicht infrage kommt.

Randnotiz: Clusterkopfschmerz

Außerhalb der Herz-Kreislauf-Medizin hat Verapamil einen festen Platz in der Vorbeugung von Clusterkopfschmerz — einer seltenen, extrem schmerzhaften Form von Kopfschmerzen mit attackenartigem Verlauf. In Deutschland erfolgt der Einsatz meist im Off-Label-Use, also außerhalb der Zulassung, und häufig in höheren Dosen als bei Bluthochdruck. Deshalb sind regelmäßige EKG-Kontrollen üblich. Diese Behandlung gehört in neurologische Hand und lässt sich nicht aus einem Blutdruckrezept ableiten.


10. Wann Verapamil nicht passt — und warum nicht abrupt absetzen

Verapamil hat klare Grenzen, die sich alle aus derselben Eigenschaft ergeben: Es bremst das Herz.

Nicht geeignet ist Verapamil unter anderem bei: Herzschwäche mit reduzierter Pumpfunktion — hier kann die zusätzliche Dämpfung der Kontraktionskraft die Situation verschlechtern; bei höhergradigen Überleitungsstörungen (AV-Block II. oder III. Grades) ohne Schrittmacher; bei Erkrankungen des Sinusknotens; bei sehr niedrigem Blutdruck und bei bestimmten Formen von Vorhofflimmern mit zusätzlicher Leitungsbahn. Die Abwägung trifft immer die behandelnde Praxis anhand von EKG und Herzfunktion.

In Schwangerschaft und Stillzeit wird Verapamil nur nach sorgfältiger Abwägung eingesetzt; für die Blutdruckbehandlung in der Schwangerschaft gibt es besser untersuchte Wirkstoffe. Einschätzungen bietet embryotox und der Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft. Im höheren Alter wird meist niedriger begonnen, weil Blutdruckabfälle das Sturzrisiko erhöhen und die Verstopfung stärker ins Gewicht fällt — siehe Medikamente im Alter.

Nicht abrupt absetzen

Verapamil wird nicht von heute auf morgen weggelassen. Besonders bei koronarer Herzkrankheit kann ein plötzlicher Stopp Angina-Beschwerden auslösen oder verstärken, und bei Vorhofflimmern kann der Kammerpuls unvermittelt hochschnellen. Soll die Therapie beendet oder umgestellt werden, geschieht das schrittweise und geplant, mit Kontrolle von Puls und Blutdruck. Wie das grundsätzlich abläuft, erklärt der Ratgeber Medikamente absetzen.


11. Verapamil-Erfahrungen: Was Patienten wirklich fragen

„Die Verstopfung macht mich fertig — muss ich das aushalten?"

Nein. Sie ist die häufigste Nebenwirkung und gleichzeitig die am besten behandelbare. Der erste Schritt sind Trinkmenge, Ballaststoffe und Bewegung; reicht das nicht, ist ein osmotisches Abführmittel eine etablierte Lösung. Wichtig ist die Reihenfolge: erst ansprechen, dann anpassen — nicht heimlich absetzen. Manchmal genügt schon eine kleinere Dosis oder ein Wechsel der Darreichungsform, um den Darm wieder in Gang zu bringen.

„Ich nehme schon einen Betablocker — kann ich Verapamil einfach dazunehmen?"

Nein, das ist genau die Kombination, die Abschnitt 7 beschreibt. Beide Wirkstoffe bremsen den Herzschlag, und zusammen können sie den Puls gefährlich weit absenken. Es gibt Situationen, in denen Kardiologinnen und Kardiologen diese Kombination bewusst und kontrolliert einsetzen — aber nie ohne EKG und nie als Eigeninitiative. Wenn dir zwei verschiedene Praxen Rezepte ausstellen, lege beim Termin immer die vollständige Liste vor.

„Ein Schluck Grapefruitsaft — muss ich mir jetzt Sorgen machen?"

Ein einzelner Schluck führt bei den meisten Menschen nicht zu einer dramatischen Reaktion. Trotzdem gilt: Der Effekt lässt sich nicht durch Abstand umgehen, weil die Enzymhemmung lange anhält. Achte an diesem Tag verstärkt auf Schwindel und einen ungewöhnlich langsamen Puls, steh langsam auf und verzichte künftig konsequent. Bei anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen.

„Mein Puls ist deutlich niedriger als früher — ist das gewollt?"

Teilweise ja: Ein etwas langsamerer Puls gehört bei Verapamil zur Wirkung, besonders wenn es zur Frequenzkontrolle eingesetzt wird. Entscheidend ist, wie es dir dabei geht. Ein niedriger Puls ohne Beschwerden ist meist unproblematisch; kommen Schwindel, Leistungsknick oder Ohnmachtsgefühl dazu, gehört das zeitnah abgeklärt. Ein dokumentierter Verlauf über einige Tage hilft der Praxis mehr als eine einzelne Messung.

Betablocker, Statin, Verapamil? Erst prüfen.

Der Wechselwirkungs-Check zeigt kritische Kombinationen, bevor du sie nimmst.

Kombination prüfen

FAQ: Häufige Fragen zu Verapamil

Amlodipin wirkt fast nur an den Blutgefäßen und lässt den Puls unverändert oder etwas ansteigen. Verapamil wirkt zusätzlich am Reizleitungssystem des Herzens und senkt dadurch die Herzfrequenz. Deshalb kann Verapamil auch bei Vorhofflimmern zur Frequenzkontrolle eingesetzt werden, ist dafür aber bei Herzschwäche mit reduzierter Pumpfunktion nicht geeignet. Die beiden Wirkstoffe sind nicht austauschbar.
Nicht ohne ärztliche Kontrolle. Beide bremsen Herzfrequenz und Erregungsleitung, sodass die Effekte sich addieren. Möglich sind ein gefährlich langsamer Puls, ein AV-Block und eine Verschlechterung der Pumpfunktion. Die Kombination wird in der Regel vermieden und nur in Ausnahmefällen unter EKG-Kontrolle eingesetzt.
Grapefruit hemmt in der Darmwand das Enzym CYP3A4, das Verapamil teilweise abbaut. Dadurch gelangt mehr Wirkstoff ins Blut, und Blutdruckabfall, Schwindel oder ein zu langsamer Puls werden wahrscheinlicher. Der Effekt hält viele Stunden an und lässt sich nicht durch zeitlichen Abstand umgehen. Betroffen sind auch Pomelo und Bitterorange, nicht aber Orangen und Zitronen.
Zuerst ausreichend trinken, Ballaststoffe erhöhen und sich regelmäßig bewegen. Reicht das nicht, wird häufig ein osmotisches Abführmittel wie Macrogol eingesetzt, das auch längerfristig als vertretbar gilt. Sprich die Beschwerde in der Praxis an, denn manchmal genügt eine Dosisanpassung. Setze Verapamil deswegen nicht eigenmächtig ab.
Nein. Ein plötzlicher Stopp kann bei koronarer Herzkrankheit Angina-Beschwerden auslösen oder verstärken, und bei Vorhofflimmern kann der Puls unvermittelt hochschnellen. Eine Beendigung oder Umstellung erfolgt schrittweise und unter Kontrolle von Puls und Blutdruck durch die behandelnde Praxis.
Mörsern oder zerkauen ist bei Retardformen nicht zulässig, weil dann die gesamte Wirkstoffmenge auf einmal freigesetzt wird. Ob eine bestimmte Tablette geteilt werden darf, hängt vom Präparat ab und steht in der Packungsbeilage. Frag im Zweifel in der Apotheke nach, bevor du eine Tablette zerkleinerst.
Verapamil hat einen festen Platz in der Vorbeugung von Clusterkopfschmerz, einer seltenen und sehr schmerzhaften Attackenerkrankung. In Deutschland erfolgt der Einsatz meist außerhalb der Zulassung und häufig in höheren Dosen, weshalb regelmäßige EKG-Kontrollen üblich sind. Diese Behandlung wird neurologisch begleitet.

Quellen

  1. Fachinformation Verapamilhydrochlorid (aktueller Stand, abrufbar über das Informationssystem der Zulassungsbehörden). pharmnet-bund.de
  2. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und Nationale VersorgungsLeitlinien zu Vorhofflimmern, koronarer Herzkrankheit und Hypertonie. awmf.org
  3. Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Bluthochdruck und Vorhofflimmern — Behandlung mit Medikamenten. Abgerufen 2026. gesundheitsinformation.de
  4. gesund.bund.de: Kalziumantagonisten, Vorhofflimmern und Clusterkopfschmerz. Abgerufen 2026. gesund.bund.de
  5. Embryotox, Charité — Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum: Verapamil in Schwangerschaft und Stillzeit. Abgerufen 2026. embryotox.de

Verapamil im Alltag sicher führen — mit brite

Erinnerung, Puls- und Blutdruckverlauf und Wechselwirkungs-Check an einem Ort. Kostenlos.

Medikationsplan anlegen
brite App
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Kombiniere Verapamil niemals eigenmächtig mit einem Betablocker und setze es nicht abrupt ab. Bei sehr langsamem Puls mit Beschwerden, bei Ohnmacht, neu auftretender Atemnot oder anhaltendem Druck in der Brust wende dich umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt beziehungsweise wähle im Notfall die 112. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: August 2026.