Etoricoxib

Etoricoxib: starke Wirkung, aber der Blutdruck steigt mit

Etoricoxib ist ein selektiver COX-2-Hemmer (Coxib) und damit ein entzündungshemmendes Schmerzmittel aus der NSAR-Familie. Es schont die Magenschleimhaut deutlich besser als Ibuprofen oder Diclofenac, treibt dafür aber den Blutdruck stärker nach oben als andere Wirkstoffe der Gruppe. Ein unbehandelter oder schlecht eingestellter Bluthochdruck ist deshalb ein Ausschlussgrund.

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Etoricoxib tracken

1. Auf einen Blick: Technisches Datenblatt

EigenschaftDetails
WirkstoffEtoricoxib
ATC-CodeM01AH05
WirkstoffklasseSelektiver COX-2-Hemmer („Coxib"), Untergruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR)
DarreichungsformenFilmtabletten, üblich 30 mg, 60 mg, 90 mg und 120 mg
HalbwertszeitRund 22 Stunden — deshalb reicht eine Einnahme pro Tag
Max. TagesdosisJe nach Anwendungsgebiet unterschiedlich; 120 mg sind laut Fachinformation dem akuten Gichtanfall vorbehalten und auf wenige Tage begrenzt
WirkungseintrittSchmerzlinderung meist innerhalb von etwa einer Stunde
AbbauÜberwiegend in der Leber, hauptsächlich über das Enzym CYP3A4
RezeptpflichtVerschreibungspflichtig
BesonderheitDeutlich magenfreundlicher als klassische NSAR; im Gegenzug der ausgeprägteste Blutdruckanstieg der Gruppe
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2. Wirkungsweise: was COX-2-Selektivität bedeutet

Schmerz und Entzündung entstehen unter anderem über Botenstoffe namens Prostaglandine. Gebildet werden sie von zwei verwandten Enzymen: COX-1 und COX-2.¹

  • COX-1 arbeitet dauerhaft im Hintergrund. Sie sorgt für die Schutzschicht der Magenschleimhaut, unterstützt die Nierendurchblutung und ist an der Blutgerinnung über die Blutplättchen beteiligt.
  • COX-2 wird vor allem bei Entzündungen hochgefahren. Sie liefert die Botenstoffe, die Schmerz, Schwellung und Rötung erzeugen.

Klassische NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac hemmen beide Enzyme. Sie wirken deshalb gut gegen Entzündungsschmerz — und greifen gleichzeitig den Magenschutz an. Etoricoxib hemmt gezielt COX-2 und lässt COX-1 weitgehend in Ruhe. Daraus folgt der Hauptvorteil: deutlich weniger Magengeschwüre und Magenblutungen.

Der Haken steckt im selben Mechanismus. COX-2 ist nicht nur ein Entzündungsenzym; sie ist auch an der Regulation von Blutdruck, Salz- und Wasserhaushalt in der Niere beteiligt. Wird sie gehemmt, hält der Körper mehr Natrium und Wasser zurück, und die Gefäßregulation verschiebt sich. Genau daraus entsteht die Eigenschaft, die diesen Wirkstoff von den anderen unterscheidet: der Blutdruck steigt — bei Etoricoxib in der Regel stärker als bei anderen NSAR und deutlich dosisabhängig.¹,²


3. Einsatzgebiete: Gicht, Arthrose, Rheuma

Etoricoxib ist ein entzündungshemmendes Schmerzmittel und wird dort eingesetzt, wo Entzündung den Schmerz treibt.

  • Akuter Gichtanfall: Hier spielt Etoricoxib seine Stärke aus — schnelle, kräftige Entzündungshemmung. Die höchste Wirkstärke ist laut Fachinformation ausdrücklich nur für diese Situation und nur für wenige Tage vorgesehen. Alternativen sind Colchicin oder Kortison; die Dauertherapie zur Harnsäuresenkung mit Allopurinol ersetzt es nicht.
  • Arthrose: Zur symptomatischen Behandlung von Schmerz und Entzündung, in der niedrigsten wirksamen Dosis und möglichst nicht dauerhaft. Bewegung, Physiotherapie und Gewichtsentlastung bleiben die Basis — daran ändert kein Schmerzmittel etwas.³
  • Rheumatoide Arthritis und Morbus Bechterew: Zur Linderung von Schmerz und Steifigkeit. Die krankheitsmodifizierende Therapie, etwa mit Methotrexat, wird dadurch nicht ersetzt.

Bei unklaren Gelenkschmerzen gehört die Ursache geklärt, bevor dauerhaft entzündungshemmend behandelt wird. Wie sich die gängigen Schmerzmittel unterscheiden, ordnet der Ratgeber Schmerzmittel im Vergleich ein.


4. Dosierung und Einnahme: einmal täglich, so kurz wie möglich

Die folgenden Angaben beschreiben, was in der Fachinformation als übliches Vorgehen steht. Sie sind keine Einnahmeempfehlung — Wirkstärke und Dauer legt die behandelnde Praxis fest.

  1. Einmal täglich, feste Uhrzeit. Durch die Halbwertszeit von rund 22 Stunden genügt eine Gabe pro Tag.
  2. Mit oder ohne Essen möglich. Auf nüchternen Magen tritt die Wirkung etwas schneller ein — bei akutem Schmerz ein praktisches Detail.
  3. Niedrigste wirksame Wirkstärke, kürzest mögliche Dauer. Das ist bei allen NSAR die zentrale Sicherheitsregel und bei Etoricoxib besonders wichtig, weil sowohl der Blutdruckeffekt als auch das Herz-Kreislauf-Risiko mit Dosis und Dauer zunehmen.
  4. Nicht mit anderen NSAR kombinieren. Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen zusätzlich zu nehmen, addiert die Risiken, nicht die Wirkung. Paracetamol oder Metamizol wirken über andere Wege und sind nach Rücksprache eher kombinierbar.
  5. Vergessene Dosis: nachholen, wenn der Tag noch lang ist — sonst auslassen. Die doppelte Menge ist nie die Lösung.
Vor dem ersten Einnahmetag: Blutdruck messen. Ein Ausgangswert ist der einzige Weg, später zu erkennen, ob sich etwas verändert hat. Wie du korrekt misst, steht im Ratgeber Blutdruck richtig messen.

Einnahmedauer und Blutdruck dokumentieren

Damit aus „kurzzeitig" nicht unbemerkt eine Dauertherapie wird.

Verlauf anlegen

5. Nebenwirkungen und was dagegen hilft

Häufiger

  • Blutdruckanstieg — die typischste und relevanteste Nebenwirkung, ausführlich im nächsten Abschnitt.
  • Wassereinlagerungen in Beinen und Knöcheln — Folge der veränderten Salz- und Wasserausscheidung. Neue oder zunehmende Schwellungen gehören besprochen, besonders bei Herz- oder Nierenerkrankungen.
  • Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit — meist mild.
  • Magen-Darm-Beschwerden — seltener als unter klassischen NSAR, aber nicht ausgeschlossen: Sodbrennen, Magenschmerzen, Übelkeit.
  • Erhöhte Leberwerte — vor allem bei längerer Anwendung höherer Wirkstärken.

Seltener, aber ernst

  • Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall — das Risiko steigt mit Dosis und Behandlungsdauer.
  • Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zum akuten Nierenversagen, besonders bei Flüssigkeitsmangel.
  • Magen-Darm-Blutungen und Geschwüre — seltener als unter klassischen NSAR, aber möglich.
  • Schwere Hautreaktionen und allergische Reaktionen — selten, aber Grund zum sofortigen Absetzen und ärztlichen Kontakt.
Sofort handeln. Bei schwarzem Stuhl, Bluterbrechen oder plötzlichen heftigen Bauchschmerzen besteht der Verdacht auf eine Magen-Darm-Blutung. Bei Brustschmerz, Atemnot, halbseitiger Schwäche oder Sprachstörungen besteht der Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall. In beiden Fällen: Medikament absetzen und sofort die 112 wählen. Auch großflächiger Hautausschlag mit Blasenbildung oder Beteiligung der Schleimhäute gehört umgehend abgeklärt — siehe Nebenwirkungen von Medikamenten.

6. Der Blutdruck steigt mit — der wichtigste Abschnitt

Alle NSAR können den Blutdruck anheben. Bei Etoricoxib ist dieser Effekt jedoch besonders ausgeprägt und dosisabhängig — er ist der Hauptgrund, warum dieser Wirkstoff strenger gehandhabt wird als andere Schmerzmittel derselben Familie.¹,²

Der Mechanismus ist bekannt: Durch die Hemmung von COX-2 in der Niere werden weniger gefäßerweiternde Botenstoffe gebildet, Natrium und Wasser werden zurückgehalten, das Blutvolumen steigt. Das Ergebnis ist ein Anstieg, der über Wochen schleichend entsteht und ohne Messung schlicht unbemerkt bleibt — Bluthochdruck tut nicht weh.

Kontraindikation, nicht Empfehlung. Laut Fachinformation darf Etoricoxib bei nicht ausreichend eingestelltem Bluthochdruck nicht angewendet werden. Wer also weiß, dass seine Werte schwanken oder zu hoch liegen, muss das vor der ersten Tablette ansprechen — auch dann, wenn das Rezept schon in der Hand ist. Hintergründe zur Erkrankung im Beitrag Bluthochdruck.

Der Messplan, den die Fachinformation vorsieht

  • Vor Therapiebeginn: Blutdruck bestimmen und dokumentieren — ohne Ausgangswert ist jede spätere Messung nur eine Momentaufnahme.
  • In den ersten zwei Wochen: erneut messen. In diesem Zeitfenster zeigt sich ein Anstieg typischerweise zuerst.
  • Danach regelmäßig, solange die Behandlung läuft.
  • Bei deutlichem Anstieg: Die Behandlung wird überdacht — nicht einfach ein zusätzlicher Blutdrucksenker daraufgesetzt.

Miss immer unter gleichen Bedingungen: in Ruhe, im Sitzen, nach einigen Minuten Pause, am besten morgens und abends. Die Anleitung dazu steht im Ratgeber Blutdruck richtig messen. Eine gemessene Reihe ist beim nächsten Termin ungleich mehr wert als der Satz „war eigentlich immer okay".

7. Magenschonung im Vergleich: Etoricoxib, Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen

Der Grund, warum Etoricoxib überhaupt verordnet wird, ist meist der Magen. Wer klassische NSAR nicht verträgt oder ein erhöhtes Blutungsrisiko hat, profitiert von der COX-2-Selektivität. Der Vergleich lohnt sich trotzdem im Detail.

WirkstoffMagen-Darm-RisikoBlutdruck & Herz-KreislaufPraktisch relevant
EtoricoxibAm günstigsten der vier — deutlich weniger Geschwüre und BlutungenStärkster Blutdruckanstieg; Herz-Kreislauf-Risiko vorhandenEinmal täglich; bei schlecht eingestelltem Bluthochdruck nicht zugelassen
IbuprofenMittleres Risiko, dosisabhängigModerat; kann die Wirkung von niedrig dosiertem ASS abschwächenRezeptfrei in kleinen Packungen — deshalb oft unterschätzt
DiclofenacHöheres Risiko als IbuprofenUngünstiges Herz-Kreislauf-ProfilBei Herzerkrankungen zurückhaltend eingesetzt
NaproxenHöheres MagenrisikoGilt beim Herz-Kreislauf-Risiko als vergleichsweise günstigLange Wirkdauer, oft zweimal täglich
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In derselben Familie steht mit Celecoxib ein zweiter Coxib zur Verfügung, der als etwas weniger blutdruckwirksam gilt. Welcher Wirkstoff passt, ist deshalb keine Frage der Stärke allein, sondern der individuellen Risikolage: Magen gegen Herz, Kreislauf und Niere.

Der Magenvorteil schrumpft mit ASS. Viele Menschen nehmen niedrig dosiertes ASS zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall. ASS hemmt COX-1 im Magen — genau das Enzym, das Etoricoxib schont. In dieser Kombination ist der Magenvorteil des Coxibs teilweise aufgehoben. Häufig wird dann zusätzlich ein Magenschutz wie Pantoprazol verordnet. Mehr dazu im Ratgeber Magenprobleme durch Medikamente.

8. Herz, Niere, Leber: was der Magenvorteil nicht abdeckt

Ein häufiges Missverständnis lautet: „Coxibe sind die sanften NSAR." Das stimmt für den Magen — und nur für den Magen. Alle übrigen NSAR-Risiken bleiben bestehen.²

Herz und Kreislauf

Wie andere NSAR kann Etoricoxib das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen, und zwar zunehmend mit Dosis und Dauer. Bei bestehender koronarer Herzkrankheit, nach Herzinfarkt oder Schlaganfall, bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit und bei Herzschwäche ab mittlerem Schweregrad ist Etoricoxib laut Fachinformation kontraindiziert. Bei Herzschwäche kommt hinzu, dass die Wassereinlagerungen die Erkrankung direkt verschlechtern können.

Niere

Die COX-Enzyme regulieren die Durchblutung der Niere mit. Wird COX-2 gehemmt, sinkt die Filterleistung — bei gesunden Nieren meist folgenlos, bei Vorschädigung nicht. Kritisch wird es, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: Etoricoxib plus Entwässerungsmittel plus ein Sartan oder ACE-Hemmer, dazu ein Magen-Darm-Infekt oder eine Hitzewelle. Bei chronischer Nierenerkrankung wird Etoricoxib deshalb nur eingeschränkt oder gar nicht eingesetzt; Details dazu im Ratgeber Medikamente bei Nieren- und Lebererkrankungen.

Leber

Unter Etoricoxib treten Erhöhungen der Leberwerte häufiger auf als unter manchen anderen NSAR, besonders bei längerer Behandlung mit höheren Wirkstärken. Die Fachinformation sieht deshalb Kontrollen der Leberwerte vor, vor allem wenn dauerhaft behandelt wird. Bei deutlich erhöhten Werten, bei Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunklem Urin oder anhaltender Übelkeit wird die Behandlung beendet. Wie du Befunde einordnest, erklärt der Ratgeber Blutwerte verstehen.


9. Wechselwirkungen: Blutdrucksenker, ASS, Blutverdünner

KombinationFolgeWas tun
Blutdrucksenker wie Ramipril, Sartane, Amlodipin, EntwässerungsmittelBlutdrucksenkende Wirkung wird abgeschwächt, der Blutdruck steigt trotz TherapieBlutdruck engmaschig messen; Etoricoxib möglichst kurz einsetzen
Entwässerungsmittel + ACE-Hemmer oder Sartan gleichzeitigDeutlich erhöhtes Risiko für akutes NierenversagenDiese Dreierkombination gezielt mit Praxis oder Apotheke prüfen
Niedrig dosiertes ASSMagenvorteil des Coxibs teilweise aufgehoben, mehr MagenrisikoMagenschutz besprechen; ASS nicht eigenmächtig weglassen
Blutverdünner wie PhenprocoumonGerinnungswerte können sich verschieben, höheres BlutungsrisikoINR-Kontrolle bei Beginn und Ende der Behandlung
Methotrexat und LithiumSpiegel können ansteigenKontrollen und ärztliche Begleitung
Andere NSAR oder KortisonAddiertes Magen-Darm-Risiko ohne zusätzlichen NutzenNicht kombinieren beziehungsweise nur nach ausdrücklicher Anweisung
AlkoholHöheres Risiko für Magenblutungen, zusätzliche LeberbelastungZurückhaltung, siehe Medikamente und Alkohol
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Die erste Zeile ist im Alltag die folgenreichste: Wer einen Blutdrucksenker nimmt und zusätzlich Etoricoxib beginnt, kann trotz unveränderter Tabletten plötzlich schlechtere Werte haben — und wundert sich über den Blutdrucksenker statt über das Schmerzmittel. Prüfe neue Kombinationen im Ratgeber Wechselwirkungen von Medikamenten oder direkt im Wechselwirkungs-Check der brite App.


10. Sonderfälle: Schwangerschaft, Alter, Vorerkrankungen

Schwangerschaft: nicht anwenden. Etoricoxib ist in Schwangerschaft und Stillzeit laut Fachinformation kontraindiziert. Besonders kritisch ist das letzte Schwangerschaftsdrittel: NSAR können dort einen wichtigen Blutgefäßverbindungsgang beim ungeborenen Kind vorzeitig verschließen, die Nierenfunktion des Kindes beeinträchtigen und die Fruchtwassermenge senken. Auch bei Kinderwunsch ist Zurückhaltung geboten, weil NSAR den Eisprung beeinflussen können. Sprich Schmerztherapie in dieser Lebensphase immer ärztlich ab: Medikamente in der Schwangerschaft.

Im höheren Alter steigen sowohl das Magen-Darm- als auch das Herz-Kreislauf- und Nierenrisiko. Gleichzeitig sind Blutdrucksenker, Entwässerungsmittel und Blutverdünner häufiger im Spiel — also genau die Kombinationen aus Abschnitt 9. Deshalb gilt hier besonders: niedrigste Wirkstärke, kürzeste Dauer, klare Kontrolltermine. Orientierung bieten die Ratgeber Medikamente im Alter und Polypharmazie.

Nicht geeignet ist Etoricoxib laut Fachinformation unter anderem bei aktivem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, bei Magen-Darm-Blutungen, bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, bei schwerer Leberfunktionsstörung, bei deutlich eingeschränkter Nierenfunktion, bei Herzschwäche ab mittlerem Schweregrad, bei bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung sowie bei nicht ausreichend eingestelltem Bluthochdruck.


11. Etoricoxib-Erfahrungen: Was Patienten wirklich fragen

„Mein Blutdruck war jahrelang gut — muss ich wirklich messen?"

Ja, und zwar gerade dann. Der Blutdruckanstieg unter Etoricoxib entsteht schleichend über Tage bis Wochen und macht keine Beschwerden. Ohne Ausgangswert und ohne Kontrolle in den ersten zwei Wochen fällt er schlicht nicht auf — bis er bei einer Routineuntersuchung entdeckt wird und niemand mehr an das Schmerzmittel denkt. Zwei Minuten Messen pro Tag lösen dieses Problem vollständig.

„Es wirkt so gut — kann ich es dauerhaft nehmen?"

Die Wirkung ist tatsächlich kräftig, und genau das macht die Dauereinnahme verführerisch. Herz-Kreislauf-Risiko, Blutdruckeffekt und Nierenbelastung nehmen aber mit Dosis und Dauer zu. Wenn Schmerzen dauerhaft bestehen, ist die richtige Frage nicht „welches Schmerzmittel länger", sondern „was behandelt die Ursache" — Physiotherapie, Bewegung, Gewichtsentlastung, bei Rheuma eine krankheitsmodifizierende Therapie, bei Gicht die Harnsäuresenkung.

„Ich habe einen empfindlichen Magen — brauche ich trotzdem Pantoprazol?"

Nicht automatisch. Der Sinn eines Coxibs ist ja gerade, den Magenschutz einzusparen. Anders sieht es aus, wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen: niedrig dosiertes ASS, ein früheres Magengeschwür, Kortison, Blutverdünner oder höheres Alter. Dann kann ein Protonenpumpenhemmer sinnvoll sein. Das ist eine ärztliche Entscheidung und keine Selbstmedikation.

„Kann ich zusätzlich Ibuprofen nehmen, wenn es mal stärker weh tut?"

Nein. Zwei NSAR gleichzeitig addieren die Risiken für Magen, Niere und Kreislauf, ohne die Wirkung entsprechend zu steigern. Wenn die Wirkung nicht reicht, gehört das besprochen — kombinierbar sind eher Wirkstoffe mit anderem Angriffspunkt, etwa Paracetamol oder Metamizol nach Rücksprache.

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FAQ: Häufige Fragen zu Etoricoxib

Die schmerzlindernde Wirkung setzt meist innerhalb von etwa einer Stunde ein. Auf nüchternen Magen geht es tendenziell etwas schneller. Wegen der langen Halbwertszeit von rund 22 Stunden genügt in der Regel eine Einnahme pro Tag.
Das Enzym COX-2 ist in der Niere an der Regulation von Salz und Wasser sowie an der Gefäßweite beteiligt. Wird es gehemmt, hält der Körper mehr Natrium und Wasser zurück und der Blutdruck steigt. Bei Etoricoxib ist dieser Effekt stärker ausgeprägt als bei anderen NSAR und nimmt mit der Dosis zu. Deshalb sind Messungen vor Therapiebeginn und in den ersten zwei Wochen vorgesehen.
Bei nicht ausreichend eingestelltem Bluthochdruck ist Etoricoxib laut Fachinformation kontraindiziert. Ist der Blutdruck gut eingestellt und stabil, kann es unter Kontrolle eingesetzt werden. Sprich vorhandene Blutdruckwerte deshalb vor der ersten Tablette an und miss während der Behandlung regelmäßig.
Ja. Weil Etoricoxib das Enzym COX-1 weitgehend verschont, treten Magengeschwüre und Blutungen seltener auf als unter klassischen NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen. Dieser Vorteil ist allerdings teilweise aufgehoben, wenn zusätzlich niedrig dosiertes ASS eingenommen wird. Beschwerdefrei bedeutet außerdem nicht risikofrei.
So kurz wie möglich und in der niedrigsten wirksamen Wirkstärke. Für den akuten Gichtanfall ist die höchste Wirkstärke laut Fachinformation auf wenige Tage begrenzt. Bei chronischen Beschwerden wird die Notwendigkeit regelmäßig überprüft, weil Blutdruck-, Herz-Kreislauf- und Nierenrisiken mit Dosis und Dauer zunehmen.
Abschwächen ja, unwirksam machen in der Regel nicht. NSAR und Coxibe verringern die Wirkung von ACE-Hemmern, Sartanen und Entwässerungsmitteln. Wenn deine Werte nach Beginn einer Schmerztherapie schlechter werden, ist das Schmerzmittel eine naheliegende Erklärung. Erwähne es deshalb beim Termin ausdrücklich.
Wassereinlagerungen sind eine bekannte Nebenwirkung und entstehen durch die veränderte Salz- und Wasserausscheidung. Neue oder zunehmende Schwellungen an Knöcheln und Unterschenkeln gehören ärztlich abgeklärt, besonders bei bekannter Herzschwäche oder Nierenerkrankung. Zusammen mit Atemnot oder rascher Gewichtszunahme ist eine zeitnahe Abklärung wichtig.
Nein. Etoricoxib ist in Schwangerschaft und Stillzeit laut Fachinformation kontraindiziert. Im letzten Schwangerschaftsdrittel sind NSAR besonders gefährlich, weil sie beim ungeborenen Kind einen wichtigen Gefäßverbindungsgang vorzeitig verschließen und die Nierenfunktion beeinträchtigen können. Wende dich für eine geeignete Schmerztherapie an deine Praxis.

Quellen

  1. Fachinformation Etoricoxib (aktueller Stand, abrufbar über das Informationssystem der Zulassungsbehörden). pharmnet-bund.de
  2. BfArM und EMA: Sicherheitsinformationen zu nichtsteroidalen Antirheumatika und COX-2-Hemmern. bfarm.de
  3. AWMF-Leitlinien zu Gonarthrose (DGOOC) sowie zur Gichtarthritis (DEGAM). awmf.org
  4. Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Schmerzmittel bei Arthrose und entzündlichen Gelenkerkrankungen. Abgerufen 2026. gesundheitsinformation.de
  5. Embryotox, Charité — Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum: NSAR und Coxibe in Schwangerschaft und Stillzeit. Abgerufen 2026. embryotox.de

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Etoricoxib gehört zu den nichtsteroidalen Antirheumatika und sollte in der niedrigsten wirksamen Wirkstärke und über den kürzest möglichen Zeitraum angewendet werden. Bei nicht ausreichend eingestelltem Bluthochdruck, bei bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung, in der Schwangerschaft und Stillzeit darf es nicht eingenommen werden. Bei schwarzem Stuhl, Bluterbrechen, Brustschmerz, Atemnot oder Zeichen eines Schlaganfalls wähle sofort die 112. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: August 2026.